Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am Dienstag (20. September 2022) einen Beschluss für die aktualisierte Impfempfehlung gefasst. Damit schafft sie mehr Klarheit zu der Frage, wer die neuen Omikron-Impfstoffe nutzen sollte. Es handelt sich noch nicht um eine finale Empfehlung.

Um welche Impfstoffe geht es?

Die Europäische Union hat mittlerweile drei an Omikron angepasste Impfstoffe zugelassen. Dabei geht es um zwei an die Sublinie BA.1 angepasste Präparate sowie um einen noch etwas neueren BA.4/BA.5-Impfstoff. Neben Omikron wird mit den neuen Vakzinen auch noch das ursprüngliche Coronavirus berücksichtigt.

Wie gut sind die neuen Booster?

Die neuen Vakzine lösten laut Stiko verglichen mit den bisherigen mRNA-Impfstoffen eine verbesserte Antikörperantwort gegenüber verschiedenen Omikron-Varianten aus. Hinzu kämen gleichbleibend gute Antworten gegen die Variante aus der frühen Phase der Pandemie. Entscheidend sei, dass sich Menschen überhaupt impfen ließen und insbesondere den Empfehlungen zur Auffrischung folgten. Auch die bisherigen Impfstoffe könne man verwenden.

Schwierig und nicht zufriedenstellend war für die Stiko die relativ dünne Datenlage. Nur für die Booster-Impfstoffe gegen BA.1 liegen klinischen Daten vor. Beim neueren Impfstoff gegen BA.4 und BA.5 gibt es hingegen noch keine abgeschlossenen klinischen Studien.

Trotz dieses Schwachpunkts schätze man die neuen Präparate als „sicher und gut verträglich“ ein, hieß es. Die Ähnlichkeit zu den bisherigen mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 sei groß. Trotzdem: Ausdrücklich rief das Gremium die Impfstoffhersteller auf, sogenannte Postmarketing-Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit ihrer neuen Produkte zu liefern und zu veröffentlichen.

Wem werden die angepassten Impfstoffe empfohlen?

Die Stiko hat sich bei Covid-19-Auffrischimpfungen für den bevorzugten Einsatz der neuen, an die Omikron-Variante angepassten Präparate ausgesprochen. Möglich ist der Einsatz bei Menschen ab 12 Jahren als Auffrischimpfung. Für Personen unter 30 Jahren empfiehlt die Stiko die Produkte von BioNtech/Pfizer. Wenn bei Kindern von fünf bis elf Jahren eine besondere Indikation für eine Auffrischimpfung bestehe, so sollen laut Stiko-Beschluss weiterhin die bisherigen Impfstoffe verwendet werden, die für diese Altersgruppe empfohlen und zugelassen sind.

Für die Grundimmunisierung, also die ersten beiden Impfdosen, sind die Omikron-Präparate nicht zugelassen.

Drittimpfung:

Eine erste Auffrischimpfung (dritte Dosis) wird nach wie vor für Menschen ab 12 Jahren empfohlen – „im Regelfall 6 Monate nach abgeschlossener Grundimmunisierung oder durchgemachter Infektion“.

Viertimpfung:

Zu den Gruppen, denen die Stiko schon länger eine zweite Auffrischung (vierte Dosis) empfiehlt, zählen neben Menschen ab 60 Jahren auch Risikopatienten wie Immungeschwächte ab 12 Jahren, Pflegeheimbewohner und Personal im Gesundheits- und Pflegebereich. Geraten wird in der Regel zu einem Abstand von sechs Monaten zur vorherigen Impfung oder Infektion.

Immungesunde Menschen unter 60 Jahren mit drei Impfungen bräuchten die Viertimpfung in der Regel zunächst nicht, sagte Stiko-Mitglied Christian Bogdan. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sprach sich kürzlich jedoch dafür aus, Jüngeren den angepassten Booster nicht generell zu verwehren: Da die Impfstoffe, wenn auch nur vorübergehend, wieder mehr Schutz vor der Infektion schafften, könne eine Impfung sinnvoll sein wenn sich jemand etwa wegen Risikopatienten in der Familie mehr Fremdschutz wünscht.

Fünfte Impfung:

Bei besonders gefährdeten Menschen wie Hochbetagten und Patienten mit Immunschwäche könne es abhängig von bisherigen Impfungen und Infektionen sinnvoll sein, noch eine fünfte Dosis zu verabreichen, teilte die Stiko weiter mit.

Ist absehbar, wer vom neuen Booster profitiert?

Nach Einschätzung des Expertengremiums dürften insbesondere Menschen, die sich im Zuge der Omikron-Welle seit Ende 2021 nicht mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, von einer Auffrischung mit einem fortentwickelten Impfstoff profitieren.

Wer aber kürzlich bereits gemäß der bisherigen Empfehlung eine Auffrischimpfung mit den herkömmlichen Präparaten erhalten habe, benötige „keine gesonderte Extra-Impfdosis mit einem angepassten Impfstoff“.

Was ist beim Impfzeitpunkt zu beachten?

Der Rat von Fachleuten lautet, im Fall einer fälligen Auffrischung verfügbare Präparate zu nutzen und den Schritt nicht in Hinblick auf einen vermeintlich besseren, neueren Impfstoff aufzuschieben. Sonst laufe man Gefahr, in der Zwischenzeit zu erkranken. Für den BA.1-Impfstoff kann zum Beispiel sprechen, dass mit ihm bereits der große Sprung in der Virusentwicklung seit der ursprünglichen Variante abgedeckt ist. Da BA.1 und BA.4/BA.5 vergleichsweise eng verwandt sind, liegen nur noch kleine Unterschiede zwischen diesen beiden Präparaten.

Immunologe Watzl betont: Wer der bestehenden Stiko-Empfehlung zu einer Viertimpfung bereits gefolgt sei oder sich in den vergangenen Monaten mit Corona angesteckt habe, solle ab dem Zeitpunkt mindestens sechs Monate bis zur nächsten Impfung verstreichen lassen. „Das heißt, wer sich jetzt erst vor zwei Monaten geimpft hat, der sollte auch ganz klar noch mal vier Monate warten.“ Ein weiterer Booster nach zu kurzer Zeit bringe keinen Zusatznutzen. Bei manchen Risikopatienten könnte es Watzl zufolge aber ausnahmsweise Sinn machen, früher den angepassten Impfstoff zu spritzen – dies müsse individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Lässt sich mit den neuen Boostern eine Infektion verhindern?

Das Vermeiden von schwerer Erkrankung, von Krankenhausaufenthalten und Tod seien die Ziele der Empfehlung, betonte Bogdan. Es sei hingegen nicht realistisch anzunehmen, dass sich sämtliche harmloseren Infektionen vermeiden ließen. Es gehe auch nicht um das Senken von Inzidenzen. Mittlerweile sei eine Situation erreicht, in der „eine sehr gute Basisimmunität in der Bevölkerung“ existiere. Aus Deutschland eliminieren lasse sich das Virus auch mit den angepassten Impfstoffen nicht, sagte das Stiko-Mitglied.

Wie gut die neuen Impfstoffe am Ende abschneiden, dürfte auch von den kommenden Virusvarianten abhängen. Das lässt sich aber kaum vorhersehen. Derzeit verursachen BA.4 und BA.5 nach Daten aus einer Stichprobe den allergrößten Teil der Infektionen bundesweit, wohingegen BA.1 schon länger keine Rolle mehr spielt. Fachleute wie die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, zeigten sich zuletzt aber optimistisch: Das Virus habe sich im bisherigen Verlauf der Pandemie zwar immer wieder verändert, allerdings nicht in so starkem Umfang, dass das Immunsystem von Geimpften und Genesenen es gar nicht mehr erkennt.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel ist ursprünglich am 1. September entstanden. Er wird fortlaufend mit neuen Erkenntnissen aktualisiert.

Lesen Sie auch: