Die Europäische Union hat im September 2022 drei an Omikron angepasste Impfstoffe für die Covid-19-Auffrischungsimpfung zugelassen. Nach Prüfung der aktuellen Datenlage hat die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (Stiko) ihre Covid-19-Impfempfehlung entsprechend aktualisiert.[1]

Um welche Impfstoffe geht es?

Bei den angepassten Impfstoffen handelt es sich um jeweils ein an die Omikron-Sublinie BA.1 angepasstes Präparat von Moderna und BioNTech/Pfizer sowie einen BA.4/BA.5-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Die Vakzine wirken bivalent: Sie richten sich sowohl gegen Omikron als auch gegen den SARS-CoV-2-Wildtyp, also das Virus vom Pandemiebeginn. Vorgesehen sind die neuen Impfstoffe für die Booster-Impfung. Für die Grundimmunisierung, also die ersten Impfdosen, sind sie nicht zugelassen.

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Omikron: Fragen und Antworten

Wie sich Omikron von anderen SARS-CoV-2-Varianten unterscheidet und was über Subtypen und die angepassten Impfstoffe bekannt ist.

Wie gut schützen die neuen Booster?

Laut Stiko lösen die neuen Vakzine verglichen mit den bisherigen mRNA-Impfstoffen eine verbesserte Antikörperantwort gegenüber verschiedenen Omikron-Varianten aus. Hinzu kämen gleichbleibend gute Antworten gegen die Variante aus der frühen Phase der Pandemie.

Insgesamt bemängelt die Stiko jedoch eine relativ dünne Datenlage. Nur für die Booster-Impfstoffe gegen BA.1 liegen klinischen Daten vor. Beim neueren Impfstoff gegen BA.4/BA.5 sind hingegen noch keine Daten aus Anwendungen beim Menschen verfügbar. Die vermutete höhere Wirksamkeit lasse sich daher aktuell nicht mit klinischen Daten beim Menschen belegen.

Trotz dieses Schwachpunkts schätze man die neuen Präparate als „sicher und gut verträglich“ ein. Die Ähnlichkeit zu den bisherigen mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 sei groß. Trotzdem: Ausdrücklich rief das Gremium die Impfstoffhersteller auf, sogenannte Postmarketing-Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit ihrer neuen Produkte zu liefern und zu veröffentlichen.

Wem werden die angepassten Impfstoffe empfohlen?

Das Expertengremium empfiehlt allen Menschen ab zwölf Jahren, sich vorzugsweise mit einem an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff boostern zu lassen. Das gilt unabhängig davon, welchen Corona-Impfstoff sie bei der Grundimmunisierung bekommen haben. Ist der Impfstoff nicht verfügbar, kann auch mit einem der nicht an Omikron angepassten mRNA-Impfstoff aufgefrischt werden. Menschen unter 30 Jahren und Schwangere erhalten in Deutschland grundsätzlich Impfstoffe von BioNTech/Pfizer. Entscheidend sei, dass sich Menschen überhaupt impfen ließen und insbesondere den Empfehlungen zur Auffrischung folgten.

Besteht bei Kindern von fünf bis elf Jahren eine besondere Indikation für eine Auffrischimpfung, so sollen laut Stiko weiterhin die bisherigen Impfstoffe verwendet werden, die für diese Altersgruppe empfohlen und zugelassen sind.

Erste Auffrischimpfung (dritte Dosis):

Eine erste Auffrischimpfung wird nach wie vor für Menschen ab 12 Jahren empfohlen – „im Regelfall 6 Monate nach abgeschlossener Grundimmunisierung“.

Zweite Auffrischimpfung (vierte Dosis):

Zu den Gruppen, denen die Stiko schon länger eine zweite Auffrischung empfiehlt, zählen neben Menschen ab 60 Jahren auch Risikopatienten wie Immungeschwächte ab fünf Jahren, Pflegeheimbewohner und Personal im Gesundheits- und Pflegebereich. Geraten wird in der Regel zu einem Abstand von sechs Monaten zur vorherigen Impfung oder drei Monate zur Infektion. Menschen mit Immunschwäche sollten ihren Schutz eventuell schon früher auffrischen lassen. Details besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin.

Dritte Auffrischimpfung (fünfte Dosis):

Bei besonders gefährdeten Menschen wie Hochbetagten und Patienten mit Immunschwäche könne es abhängig von bisherigen Impfungen und Infektionen sinnvoll sein, noch eine fünfte Dosis zu verabreichen, heißt es in der aktualisierten Stiko-Empfehlung. Hier empfiehlt sich ebenfalls eine Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin.

Ist absehbar, wer vom neuen Booster profitiert?

Nach Einschätzung der Stiko dürften insbesondere Menschen, die sich während der seit Dezember 2021 laufenden Omikronwelle noch nicht mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, von einer Auffrischimpfung mit einem fortentwickelten Impfstoff profitieren. Grund sei, dass diese Personen eine weniger breite Immunantwort hinsichtlich varianter Spikeproteine von Omikron besitzen dürften.

Wer aber kürzlich bereits gemäß der bisherigen Empfehlung eine Auffrischimpfung mit den herkömmlichen Präparaten erhalten habe, benötige „keine gesonderte Extra-Impfdosis mit einem angepassten Impfstoff“, heißt es im vorangegangenen Beschlussentwurf der Stiko-Empfehlung.[2]

Was ist beim Impfzeitpunkt zu beachten?

Fachleute raten, im Fall einer fälligen Auffrischung verfügbare Präparate zu nutzen und den Schritt nicht in Hinblick auf einen vermeintlich besseren, neueren Impfstoff aufzuschieben. Sonst laufe man Gefahr, in der Zwischenzeit zu erkranken. Für den BA.1-Impfstoff kann zum Beispiel sprechen, dass mit ihm bereits der große Sprung in der Virusentwicklung seit der ursprünglichen Variante abgedeckt ist. Da BA.1 und BA.4/BA.5 vergleichsweise eng verwandt sind, liegen nur noch kleine Unterschiede zwischen diesen beiden Präparaten.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, betont: Wer der bestehenden Stiko-Empfehlung zu einer Viertimpfung bereits gefolgt sei oder sich in den vergangenen Monaten mit Corona angesteckt habe, solle ab dem Zeitpunkt mindestens sechs Monate bis zur nächsten Impfung verstreichen lassen. „Das heißt, wer sich jetzt erst vor zwei Monaten geimpft hat, der sollte auch ganz klar noch mal vier Monate warten.“ Ein weiterer Booster nach zu kurzer Zeit bringe keinen Zusatznutzen. Bei manchen Risikopatienten könnte es Watzl zufolge aber ausnahmsweise Sinn machen, früher den angepassten Impfstoff zu spritzen – dies müsse individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Lässt sich mit den neuen Boostern eine Infektion verhindern?

Das Hauptziel der Covid-19-Impfung sei nach wie vor, schwere Krankheitsverläufe, Krankenhausaufenthalte und Tod zu verhindern. Es sei hingegen nicht realistisch anzunehmen, dass sich sämtliche harmlosere Infektionen vermeiden ließen, betonte Stiko-Mitglied Professor Christian Bogdan. Es gehe auch nicht um das Senken von Inzidenzen. Mittlerweile sei eine Situation erreicht, in der „eine sehr gute Basisimmunität in der Bevölkerung“ existiere. Aus Deutschland eliminieren lasse sich das Virus auch mit den angepassten Impfstoffen nicht, sagte das Stiko-Mitglied.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel ist ursprünglich am 1. September entstanden. Er wird fortlaufend mit neuen Erkenntnissen aktualisiert.

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Quellen:

  • [1] Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 40/2022, Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health. https://www.rki.de/... (Abgerufen am 01.11.2022)
  • [2] Robert Koch-Institut: Pressemitteilung der STIKO zur 22. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. https://www.rki.de/... (Abgerufen am 01.11.2022)
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