Diabetes Ratgeber

Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK blieben im März und April 2020 viele Patienten mit ernsthaften Symptomen lieber zuhause als einen Arzt zu rufen oder ins Krankenhaus zu gehen. Die Zahl der Herzinfarktbehandlungen sank um 31 Prozent, die der Schlaganfallsbehandlungen um 18 Prozent. Mit möglicherweise tödlichen Folgen. Denn bei Herzinfarkten und Schlaganfällen zählt bei der Behandlung jede Minute. Eine Studie der Universität Ulm hat gezeigt, dass Herzinfarkte, die zur Behandlung kommen, oft viel weiter fortgeschritten und komplikationsreicher sind, weil die Patienten zu lange gewartet haben, bevor sie ärztliche Hilfe suchten.

Krankheiten nicht verschleppen

Damit das im aktuellen "Lockdown light" nicht wieder passiert, richten Ärzte einen dringenden Appell an Patienten: "Bei schweren Beschwerden muss man zum Arzt", sagt Ranka Marohl, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA). "Wenn ein Patient eine schwere Erkrankung verschleppt, ist das Risiko, einen Schaden zu erleiden, auf jeden Fall höher, als wenn er in eine Notaufnahme geht." Dort sei das Infektionsrisiko vernachlässigbar gering.

Praxen und Kliniken haben bereits im Frühjahr zahlreiche Corona-Schutzmaßnahmen etabliert. Corona-Infizierte und Verdachtsfälle werden räumlich von den anderen Patienten getrennt. Bei Arztbesuchen und im Krankenhaus muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

Wann muss ich zum Arzt?

Für Ranka Marohl ist die Sache klar: "Menschen mit Diabetes sollten bei gesundheitlichen Fragen wie immer den Rat eines Arztes einholen." Wichtig sei allerdings, dass sie vorher in der Arztpraxis anrufen, um sich über veränderte Abläufe und Schutzvorkehrungen zu informieren. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, bieten Arztpraxen derzeit auch verstärkt Telefon- und Videosprechstunden an.

Notarzt rufen oder zum Arzt?

Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, Atemnot oder Bewusstlosigkeit wegen einer Unterzuckerung: Im Notfall ruft man, so Expertin Marohl, wie immer sofort die 112. Patienten mit Infektions-Verdacht, positiv Getestete und an Covid-19 Erkrankte werden in den Kliniken frühzeitig isoliert und getrennt von anderen Patienten behandelt. Sich dort anzustecken, sei unwahrscheinlich. Wenn andere gesundheitliche Beschwerden, mit denen Sie normalerweise zum Hausarzt gehen würden, außerhalb der Sprechzeiten, etwa am Wochenende, auftreten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst weiter. Die Telefonnummer lautet: 116 117.

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