Was versteht man unter allgemeinen Behandlungsmöglichkeiten?

Unter allgemeinen Behandlungsmöglichkeiten versteht man die Therpie, welche die Symptome einer Erkrankung behandelt. Sie ist also nicht spezifisch, wie beispielsweise ein betimmtes Antibiotikum gegen einen bestimmten Erreger, sondern hilft allgemein, wenn man unter bestimmten Symtomen leidet. Bei Atemnot beispielsweise - egal welcher Ursache - kann Sauerstoffgabe helfen. Kurz gesagt: Unter allgemeinen medizinischen Maßnahmen versteht man die unterstützende Gabe von Medikamenten und Anwendungen, um dem Körper zu helfen.

Was sind allgemeine medizinische Maßnahmen bei einer Covid-19 Erkrankung?

Die Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 verläuft bei den meisten Menschen mild. Sie kann aber vor allem bei älteren Menschen und bei Menschen mit Vorerkrankungen eine Lungenerkrankung auslösen, die in schweren Fällen zur Lungenentzündung und sogar zum Tod führen kann. Medikamente dagegen sind noch in der Erprobung, daher behandeln Kliniken im Moment vor allem mit unterstützenden Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Sauerstoffgabe und künstliche Beatmung, Medikamente zur Kreislaufunterstützung, Medikamente zur Blutverdünnung und Antibiotika gegen mögliche bakterielle Begleiterkrankungen.

  • Sauerstoffgabe und künstliche Beatmung

Bei einer schweren Lungenentzündung kann es zur Entwicklung eines sogenannten ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrom) kommen. Die entzündliche Reaktion des Lungengewebes führt manchmal zu einer zunehmenden Wasseransammlung in der Lunge (Lungenödem), so dass die Möglichkeit des Gasaustausches in der Lunge verschlechtert und die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht mehr gewährleistet werden kann. Zum anderen bedingt die Entzündung einen bindegewebigen Umbau des Lungengewebes (Lungenfibrose), wodurch ebenfalls der Gasaustausch und die Dehnbarkeit der Lunge beeinträchtigt wird. Ist kein ausreichender Gasaustausch in der Lunge mehr möglich führt dies zu einer Sauerstoffminderversorgung. Um diese zu bessern wird unterstützend Sauerstoff gegeben oder sogar eine künstliche Beatmung notwendig.

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Allgemeine medikamentöse Ansätze

Achtung:

Dieser Abschnitt bezieht sich auf die allgmeinen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten, welche aufgrund der Schwere der Infektion im Kankenhaus behandelt werden müssen.

  •  Blutverdünnende Medikamente

Eine schwer verlaufende Coronavirus-Infektion führt zu einer übermäßigen Aktivierung der Blutgerinnung und begünstigt dadurch die Bildung von Blutgerinnseln. Daher ist eine medikamentöse Blutverdünnung bei Patienten im Krankenhaus immer notwendig.

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  • Antibiotika

Gegebenenfalls kommen Antibiotika zum Einsatz, um eine zusätzliche Infektion mit Bakterien zu bekämpfen. Gegen Viren, wie Sars-CoV-2, helfen Antibiotka nicht.

  • Kreislaufstabilisierende Medikamente

Hierzu zählen unter anderem eine vorsichtige Flüssigkeitsgabe über die Vene als auch spezielle Medikamente, welche beispielsweise den Blutdruck heben oder senken können.

Medikamentöse Behandlung der Infektions-Phasen

Um die unterschiedlichen Ansätze der unten genannten Medikamente zu verstehen, ist es wichtig, die Phasen einer Corona-Infektion zu kennen. Kurz gesagt werden diese in eine erste frühe Phase (Eindringen und Vermehrungsphase des Virus), eine zweite Phase (Übergang in eine Lungenentzündung) und eine dritte Phase (Entzündungsphase mit überschießender Immunreaktion des Körpers) eingeteilt. Das heißt aber nicht, dass jede Phase auch zwangsläufig auftreten muss nach einer Infektion.

Daher kommen bei den unterschiedlichen Phasen andere Medikamente zum Einsatz. Bestimmte Medikamente helfen besser in der ersten Phase, andere wiederum bei der Bekämpfung der überschießenden Entzündungsreaktion.

  • Antivirale Medikamente (Frühphase)

Remdesivir

Mit Remdesivir steht bisher weiterhin das einzige Medikament (Notfallzulassung) zu einer antiviralen Therapie zur Verfügung. Es kann bei Patienten mit einer Lungenentzündung zum Einsatz kommen, welche bereits eine Sauerstoffgabe benötigen. Dabei sollte es möglichst in der Frühpase zum Einsatz kommen. Weitere Informationen zu Remdesivir finden sie hier:

  • Entzündungshemmende Medikamente (Spätphase)

Dexamethason

Eine Behandlung mit dem Kortikosteroid Dexamethason soll die überschießende Entzündungsreaktion des Körpers, den sogenannten Zytokin-Sturm verhindern. Zur Anwendung kann es kommen ab einer nötigen Sauerstoffgabe und einer seit einer Woche bestehenden Infektion. Es kommt daher in der späteren Phase der Infektion zur Anwendung. Weitere Informationen zu Dexamethason finden sie hier:

  • Weitere mögliche Therapieansätze

Gabe von Antikörpern (Frühphase)

Die Gabe von monoklonalen Antikörpern kann in der Frühphase einer schweren Infektion einen möglichen Therapieversuch darstellen. Aktuell gibt es in Europa aber noch keine Zulassung der Antikörper-Therapie zur Covid-19-Behandlung. Als individueller Heilversuch kann es aber vom behandelnden Arzt in Erwägung gezogen werden. Weitere Informationen zu neutralisierenden Antikörpern finden Sie hier:

Gabe von Rekonvaleszentenplasma (Frühpase)

Die Gabe von Rekonvaleszentenplasma kann in der Frühphase einer Infektion sinnvoll sein. Auch für diese Therapie-Option gibt es noch keine Zulassung in Europa zur Behandlung von Covid-19. Es sollte nur im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt werden. Dieser Therapieansatz verfolgt das Ziel einer passiven Immunisierung. Weiter Informationen zu Rekonvaleszentenplasma finden Sie hier:

Fazit: Es gibt keine alleinige spezifische Therapie gegen das neue Corona-Virus SARS-CoV-2. Die Forschungen laufen weltweit auf hochtouren. Es werden eine Vielzahl von Medikamenten ausprobiert, welche an den verschiedensten Punkten ansetzten: um eine Infektion zu verhindern, die Vermehrung zu hemmen, das Virus unschädlich zu machen oder den Köper bei der Abwehr zu unterstützen. Ein alleiniges Heilmittel ist wahrscheinlich nicht die Lösung, vielmehr wird es eine Vielzahl von Medikamenten geben, welche weiterhin bei den verschiedenen Infektionsphasen zum Einsatz kommen werden.

Quellen:

Fachgruppe COVRIIN am Robert Koch Institut, Medikamentöse Therapie bei COVID-19 mit Bewertung durch die Fachgruppe COVRIIN am Robert Koch-Institut, Stand 28.04.2021. Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Therapieuebersicht.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 10.05.2021)

Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger am Robert Koch-Institut. Hinweise zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit COVID-19, Stand 28.04.2021. Online: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/Stakob/Stellungnahmen/Stellungnahme-Covid-19_Therapie_Diagnose.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 10.05.2021)