Welche Laborwerte werden gemessen?

Der Körper benötigt für seinen Stoffwechsel vor allem zwei Fettarten: Cholesterin und Triglyzeride. Weil Fette sich nicht im Blut lösen, sind sie an Transportpartikel aus Eiweißen und anderen Fettsubstanzen gebunden. Diese unterscheiden sich in Größe und Dichte und tauchen im Laborbericht wie folgt auf:

  • LDL-C (Low-density-lipoprotein-Cholesterin, Lipoprotein-Partikel niedriger Dichte) ist der wichtigste Risikofaktor. Die kleinsten Partikel sind hier die gefährlichsten, routinemäßig wird aber die gesamte Menge berechnet oder gemessen.
  • HDL-C (Lipoprotein-Partikel hoher Dichte) beeinflusst das Risiko selbst nicht. „Es zeigt aber ein erhöhtes Risiko an“, sagt Professor Ulf Landmesser, Mitverfasser der europäischen Blutfett-Leitlinie. HDL-C wird oft als „gutes“ Cholesterin bezeichnet. Die Vorstellung vom Gegenspieler des „bösen“ LDL-C ist jedoch überholt.
  • VLDL (Partikel sehr geringer Dichte) transportieren vor allem Triglyzeride, eine Verbindung aus Glycerin und drei Fettsäuren. VLDL erhöhen ebenfalls das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Als Risikomarker dient zudem das Non-HDL-C, also das Gesamtcholesterin ohne HDL-C. Sein Vorteil: Es umfasst auch die oben genannten VLDL-Partikel.

Die wesentlichen Erkenntnisse der jüngeren Forschung fasst Dr. Tanja Grammer zusammen, Oberärztin am Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und -Präventivmedizin: „Man hat die Bedeutung des HDL-C bisher überbewertet, die Bedeutung der Triglyzeride dagegen unterschätzt.“

Wann wird gemessen?

Bei der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“) einmalig im Alter zwischen 18 und 34, ab 35 alle drei Jahre. Besonders angezeigt ist die Überprüfung der Blutfettwerte, wenn in der Familie Fälle von Herzinfarkt oder Schlaganfall in jüngerem Alter aufgetreten sind. Anlass zur Messung geben auch weitere Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Nierenschwäche oder Rauchen.

Was sind günstige Blutfettwerte?

Primäres Ziel ist eine Senkung ehöhter LDL-C-Werte. Welcher Wert genau angestrebt werden sollte, hängt vom persönlichen Risiko ab. Herzspezialisten teilen ihre Patientinnen und Patienten hier in fünf Kategorien ein: Wer keine weiteren Risikofaktoren hat, sollte weniger als 116 mg/dl (3 mmol/l) anstreben. Am anderen Ende steht ein Zielwert von weniger als 40 mg/dl (1 mmol/l) für Betroffene, die trotz Behandlung mit einem cholesterinsenkenden Medikament einen zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Weiteres Therapieziel in den beiden höchsten Risikoklassen: Senkung des LDL-C-Werts auf mindestens die Hälfte des Ausgangswerts.

Für das Non-HDL-C nennt die europäische Leitlinie, abhängig vom persönlichen Risiko, Therapieziele von weniger als 130 mg/dl (3,4 mmol/l) bis weniger als 85 mg/dl (2,2 mmol/l).

Für Triglyzeride ist kein exaktes Therapieziel definiert. Bei Werten von über 150 mg/dl (1,7 mmol/l) sollte man vor allem seine Ernährungsweise umstellen.

Was tun bei zu hohen Blutfettwerten?

Der erste Schritt ist immer eine gesündere Lebensweise. Also Übergewicht abbauen, nicht rauchen, viel bewegen, sich ausgewogen ernähren. Das heißt zum Beispiel: Möglichst wenig Zucker, weniger verarbeitete Kohlenhydrate und Alkohol, dafür mehr gesunde pflanzliche Fette. Damit kann man vor allem den Triglyzerid- Spiegel senken. Der Einfluss auf den LDL-C-Spiegel ist begrenzt, kann aber bei vorher sehr ungesunder Lebensweise durchaus relevant sein.

Um sehr hohe LDL-C-Werte stark zu senken, sind aber meistens Medikamente nötig, an erster Stelle Statine. Zusätzliche Arzneimittel kommen infrage, wenn damit das Therapieziel nicht erreicht wird. Wann überhaupt Medikamente empfehlenswert sind, hängt auch vom Gesamtrisiko für Herz-Gefäß-Leiden ab.

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