Die Stelle schmerzt, rötet und wölbt sich: Ein Pickel kündigt sich an. Lange schien klar, dass von dieser unangenehmen Erfahrung in erster Linie Teenager betroffen sind. Doch das hat sich geändert, das Durchschnittsalter von Aknepatienten liegt heute bei 26,5 Jahren. Woran das liegt, weiß man nicht genau.

Neuerdings wird zum Beispiel der Einfluss der Luftqualität diskutiert. Einer Untersuchung aus Peking zufolge sind Pickel auf dem Vormarsch, wenn die Werte für Feinstaub, Ozon und andere Umweltgifte steigen. Fachärzte sehen mögliche Gründe für die Entwicklung jedoch vor allem in individuellen Faktoren, etwa der Ernährung oder der Lebenssituation.

Stressbedingtes Knibbeln: Hände aus dem Gesicht!

Eine aktuelle italienische Studie etwa rückt Stress als Pickel-Auslöser  in den Fokus. Die Forschungsleiterin Dr. Anna Di Landro hatte anhand  von Daten aus acht Hautklinikambulanzen 248 Aknepatientinnen mit 270  Frauen verglichen, die aus anderen Gründen in die Praxen gekommen waren.  Auffälligster Unterschied: Erstere waren häufiger berufstätig als die  Frauen in der Kontrollgruppe, und ihren psychischen Stress im  vorangegangenen Monat empfanden sie öfter als hoch oder sehr hoch. 

Nancy Gers, Kosmetikerin in einer Apotheke in Duisburg, bestätigt diese  Beobachtung: "Dass Stress Pickel macht, höre ich oft." Viele ihrer  Kundinnen berichten, dass die Haut etwa vor wichtigen Prüfungen  schlechter wird. "Eine einfache Erklärung dafür liegt in unseren  Händen", so die Expertin. Wer nervös ist, knibbelt mehr, verteilt so  Bakterien auf der Haut und fördert weitere Pickel.

"Hände unbedingt aus  dem Gesicht!", empfiehlt auch Dr.  Annette Schaefer. Die Dermatologin  leitet im württembergischen  Oehringen eine Aknesprechstunde. Anfangs  war die Ärztin skeptisch, ob  bei unreiner Haut Stress tatsächlich eine  Rolle spielt. "Heute sage  ich: Stress verursacht Pickel. Bei  Patientinnen, die ich lange betreue,  sehe ich deutlich, dass bei  besonderen Belastungen Akne vermehrt  entsteht oder sich deutlich  verschlechtert." 

Süßes, Nikotin und Alkohol begünstigen Akne

Zum Teil sei das  physiologisch begründet: "Aus der  Neuroimmunologie wissen wir, dass die  Haut in Stresssituationen  Substanzen bildet, die Entzündungen  fördern", erläutert Schaefer.  Nervosität kann aber auch indirekt dem  Teint schaden. "Frage ich nach,  bestätigen Kundinnen, dass sie bei  Stress sehr viel mehr Süßigkeiten essen als sonst", berichtet  Kosmetikerin Gers. Nikotin und Alkohol  begünstigen Akne ebenfalls.

Auch  das fällt in Krisen- und  Stresssituationen oft sehr  schwer: Die  wichtigste Zutat für eine  erfolgreiche Aknebehandlung ist  Geduld – das  betonen beide Expertinnen.  So kalkuliert Nancy Gers zwei  Monate ein, um  beurteilen zu können, ob  eine neue Pflegeserie wirkt.  "Die Haut  braucht 28 Tage, um sich zu  erneuern. Und echte  Veränderungen zeigen  sich erst nach zwei Runden."  Viele Patienten  hoffen, dass  verschreibungspflichtige Medikamente schneller helfen.  "In der Regel  dauert es aber drei Monate, bis  feststeht, ob eine  Behandlung optimal  anschlägt", sagt Derma­tologin  Schaefer.

Das können Betroffene gegen Akne unternehmen

Was können  Betroffene zu Hause  selbst für ihren gestressten  Teint tun? "Nur gut  gereinigte Haut kann  gut gepflegt werden", erklärt  Nancy Gers. Die  Haut muss mit  Spezialprodukten täglich von  Verschmutzungen und  überschüssigem Talg  befreit werden, darf aber dabei  nicht austrocknen.  Die Kosmetikerin  empfiehlt deshalb zudem eine leichte   Feuchtigkeitspflege – am besten  ein Produkt mit entzündungshemmenden   Zusätzen wie dem B-Vitamin  Niacinamid.

Zu Peelings rät sie nur, solange   die Haut nicht akut   entzündet ist. "Am besten helfen Fruchtsäure- und   Enzympeelings." Die   Schleif­körper in mechanischen Peelings können   kleine  Hautverletzungen  begünstigen, dadurch werden Bakterien  verteilt. Gerade bei unreiner  Haut im Erwachsenenalter, der  sogenannten Spätakne,  spiele die Pflege  eine ganz besondere Rolle,  sagt Schaefer.  "Oft haben  die Frauen  jahrelang ungeeignete Produkte  verwendet. Die  muss man erst  einmal  weglassen, um zu sehen, was für  ein Hauttyp vorliegt." Die   Derma­­tologin empfiehlt grundsätzlich  hypoallergene,  also für   Allergiker geeignete Produkte.   

Außerdem  sollten  sich Betroffene für   das Gesicht einen Stoß Gästehandtücher  zulegen  und diese – nachdem sie   einmal benutzt wurden – bei mindestens  60  Grad waschen. Auf diese Weise   werden an Akne beteiligte Bakterien beseitigt. Schaefer: "Befolgen die   Patientinnen diesen Tipp, wird ihre   Haut deutlich besser." Auch der   Kopfkissenbezug sollte regelmäßig   gewechselt werden, sagt die Ärztin. In   schweren Fällen bereits nach   drei Nächten. "Außerdem sollte man auch   das Kissen selbst öfter   austauschen. Nicht wenige Aknepatientinnen haben   eine   Hausstaubmilbenallergie, deshalb kann altes Bettzeug ihre Haut     verschlechtern."

Antibiotika, Entzündungshemmer und Retinoide können helfen

In der Aknesprechstunde kommen medizinische Präparate     ins  Spiel. Sie enthalten Antibiotika und Wirkstoffe gegen  Verhornungen,     zudem Entzündungshemmer. "Solche Kombinationspräparate  kann man     langfristig anwenden, ohne Resistenzen zu riskieren", sagt  Schaefer.  Von    innen helfen Antibiotika und – in schweren Fällen –  niedrig  dosiertes    Isotretinoin. Letzteres birgt allerdings ­Risiken  für  Frauen im    gebärfähigen Alter, einen Embryo kann es schädigen.

Bei   manchen    Patienten wendet Schaefer auch Lichttherapie an. Blitzlampen   etwa können    die Bakterienflora positiv beeinflussen. "Das   funktioniert nicht    schlecht", sagt die Ärztin. Die Therapie sei   jedoch kein Wundermittel    und müsse aus eigener Tasche bezahlt werden.   Pro Sitzung werden zwischen    40 und 200 Euro fällig. Geduld ist   übrigens nur während der Therapie    gefragt – nicht davor. Schaefer:   "Man sollte nicht zu lange versuchen,    Akne allein zu behandeln. Je   früher man richtig handelt, umso besser  für   die Haut."

Kann der Verzehr von Milch Pickel verursachen? 

Seit US-Forscher einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Akne vermuten, diskutieren Dermatologen über das vermeintlich gesunde Getränk.  

Hautärztin Annette Schaefer berichtet, dass sich bei vielen Patientinnen die Haut verbessert, wenn sie auf Fast Food wie Riegel, Pizza, abgepackte Kuchen und Kekse verzichten. Die Ursache dafür sieht sie im hohen Milcheiweiß- und Zuckeranteil solcher Produkte. Der Zucker mit seinen schnell verwertbaren Kohlenhydraten verschlimmert das Problem, weil erhöhte Insulinwerte Entzündungen fördern.  

Doch auch Sportlernahrung und Diätpulver setzen auf billiges Milcheiweiß. Nicht selten hat die Ärztin Patientinnen, bei denen nach ehrgeizigen Sport- oder Diätprogrammen Akne auftritt.

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