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Was ist eine Hirschlausfliege?

Die Hirschlausfliege ist eine blutsaugende Fliege und gehört zur Familie der Lausfliegen. Sie wird auch als „fliegende Zecke“ bezeichnet, obwohl sie mit einer Länge von fünf bis sechs Millimetern etwas größer ist als eine Zecke (2,5 bis 4 Millimeter). Außerdem hat die Hirschlausfliege sechs Beine, Zecken hingegen acht. Die Hirschlausfliege – lateinisch: Lipoptena cervi – hat Flügel, doch wenn sie auf dem Opfer gelandet ist, wirft sie diese ab, beißt sich wie eine Zecke beim Wirt fest, saugt Blut und schwillt dabei an. Der eigentliche Wirt der Hirschlausfliege sind vor allem Hirsche und Rehe. Aber auch Dachse, Wildschweine, Hunde, Pferde und eben Menschen greift das Insekt manchmal an.

Warum kommt die Hirschlausfliege in Deutschland zunehmend häufiger vor?

Genau genommen ist die Hirschlausfliege schon immer in ganz Deutschland verbreitet gewesen. Was sich in den nächsten Jahren verändern könnte, ist der Zeitraum, in dem mit ihr zu rechnen ist. „Normalerweise ist die Hirschlausfliege im August und September aktiv. Wenn wegen des Klimawandels der Frühling in Deutschland künftig etwas wärmer und trockener wird, kann es sein, dass die Hirschlausfliege ein paar Wochen früher aktiv wird“, sagt die Parasitologin Dr. Lidia Chitimia-Dobler vom Fraunhofer-Institut für Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung in Pemsberg. Die zunehmende Verbreitung ist also eher zeitlich zu sehen: Die Hirschlausfliege könnte früher aktiv werden. Dass die Zahl der Insekten drastisch zunimmt, damit rechnet Chitimia-Dobler nicht.

Sind die Bisse einer Hirschlausfliege gefährlich?

„Gefährlich für den Menschen ist eine Hirschlausfliege in aller Regel nicht. Die Beine der Hirschlausfliege sind vergleichsweise hart, die Krabbelbewegungen können nerven. Den Biss selbst merkt man kaum. Danach kann es dann zu einer lokalen Entzündungsreaktion kommen, zu Rötungen und Juckreiz“, sagt Lidia Chitimia-Dobler. „In Einzelfällen kann es zu einer allergischen Reaktion kommen, die Rötung und der Juckreiz können dann für einige Monate anhalten. Das ist vor allem abhängig davon, wie man individuell auf Insektenstiche reagiert“, so Chitimia-Dobler.

Fast alle Hirschlausfliegen tragen auch ein Bakterium in sich, den Erreger Bartonellla schoenbuchensis. Für Menschen ist dieses Bakterium nach aktuellen Kenntnisstand jedoch grundsätzlich ungefährlich, es kann möglicherweise in seltenen Fällen die Entzündungsreaktion der Haut etwas verstärken.

Wie erkenne ich eine Hirschlausfliege?

Der Körper der Hirschlausfliege ist rötlich-braun und abgeflacht. An den Beinen trägt sie Krallen, mit denen sie sich an ihren Opfern festhakt. Wenn die Hirschlausfliege gebissen hat, schwillt sie ähnlich an wie eine Zecke. Die Bisse dauern bis zu 20 Minuten und tun zunächst nicht weh. Erst nach dem Biss schmerzt es und es entwickeln sich Rötungen auf der Haut. Die Hirschlausfliege beißt vor allem in den Kopf und Hals: Da sie Flügel hat, kann sie diese Körperregionen gezielt anfliegen und ist anders als eine Zecke nicht darauf angewiesen, auf welches Körperteil sie zufälligerweise gelangt.

Wo ist die Hirschlausfliege besonders verbreitet und wie kann ich mich schützen?

Die Hirschlausfliege ist vor allem in Europa und in Mittel- und Nordasien verbreitet, deshalb kommt sie auch in ganz Deutschland vor. Wegen ihrer bevorzugten Wirte – Hirsche und Rehe – ist besonders in Waldnähe mit ihr zu rechnen. „Förster und Jäger und Waldspaziergänger können am ehesten gebissen werden. Es ist aber nicht so, dass man von ganzen Schwärmen befallen wird. Denn Menschen sind eben nicht die Hauptwirte der Hirschlausfliegen“, sagt Parasitologin Chitimia-Dobler.

Nachweislich wirksame Mittel zur Abwehr von Hirschlausfliegen, wie sie etwa gegen Zecken angeboten werden, gibt es nicht.

Was tun, wenn man von einer Hirschlausfliege gebissen wurde?

Steckt die Hirschlausfliege noch in der Haut, kann man sie ähnlich wie eine Zecke mit einer entsprechenden Pinzette herausziehen (wie das geht, sehen Sie hier). Ansonsten braucht man sich keine Sorgen zu machen: „Es wird wahrscheinlich eine Rötung von einigen Millimetern geben und es juckt, für ein paar Tage kann es auch etwas weh tun. Aber dann verschwinden diese Beschwerden in den allermeisten Fällen von selbst“ sagt Chitimia-Dobler. Wenn die Beschwerden nach etwa zwei Wochen immer noch vorhanden sind, könnte es sich um eine allergische Reaktion handeln. „Dann kann man einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, damit die allergische Reaktion lokal behandelt wird“, sagt Chitimia-Dobler.

Treten einige Tage nach einem Insektenstich eine ringförmige Hautrötung oder grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Kopfschmerz und Unwohlsein auf, sollte man ebenso Arzt oder Ärztin aufsuchen. Diese Symptome können auf eine von Zecken übertragene Erkrankung, wie Borreliose oder FSME, hindeuten.


Quellen: