Diabetes Ratgeber

Als sich das Leben von Familie K. schlag­­artig änderte, war Rojan zwei Jahre alt: Er bekam die ­Diagnose Diabetes. Fast vier Jahre ist das jetzt her. Rojans Mutter Karina machte zwei Wochen lang einen Crash­kurs in der Klinik. Sie lernte, was Typ-1-Diabetes ist und wie er behandelt wird: Insulinpumpe bedienen, Katheter wechseln, Kohlenhydrate abschätzen. "Das fiel selbst mir als gelernter Rettungssanitäterin nicht leicht", sagt die Mutter.

Rojan wieder ein normales Leben ermöglichen, eines, in dem er weiter in die Krippe gehen kann: Das sollte der nächste Schritt werden, als Karina K. routinierter und die Familie nach vier Wochen zu Hause eingespielt war. "‚Kein Problem, das kriegen wir schon hin. Wir haben ein Mädchen mit Diabetes in einer anderen Gruppe‘, hatte die Kitaleiterin kurz nach der Dia­­g­­nose gesagt", erzählt Karina K. Das machte ihr Hoffnung.

Michaela Heinrich-Rohr ist Sozialarbeiterin am Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité Berlin

Michaela Heinrich-Rohr ist Sozialarbeiterin am Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité Berlin

Schulung für Erzieher

Doch die erfahrene Kitaleiterin ging in den Ruhestand. Und plötzlich stand Karina K. vor demselben Problem wie viele andere Familien in Deutschland: "Die neue Leiterin hatte große Sorge, etwas falsch zu machen", berichtet Rojans Mutter. Das sei verständlich, sagt Michaela Heinrich-Rohr, Sozialarbeiterin am So­zialpädiatrischen Zentrum der Charité Berlin: "Oft hat das betreuende Personal noch keine Erfahrung mit Diabetes, ist deshalb unsicher und fürchtet bei Fehlern arbeitsrechtliche Konsequenzen". Also musste Rojan erst mal zu Hause bleiben. Die Mutter organisierte eine Schulung durch eine Dia­betesberaterin für die Mitarbei­ter der Kita. Dann musste ein ambulanter Pflegedienst gefunden werden, der Rojan mit Insulin versorgen sollte. "Die Leiterin wollte nicht, dass die Erzieher die Insulinpumpe bedienen", sagt Karina K.

Betreuung für zwei Stunden

Als sich ein Pflegedienst gefunden hatte und die Erzieher geschult waren, konnte Rojan die Krippe wieder besuchen. "Zwei Stunden am Tag, länger ging es nicht", erzählt die Mutter. Wenn die Pumpe piepte, etwa weil der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig war, erhielt Karina K. Anrufe aus der Kita mit der Bitte, Rojan früher zu holen. "Feierte ein Kind Geburtstag, durfte Rojan manchmal gar nicht kommen", sagt Karina K. Zu groß war die Sorge der Erzieherinnen, der Blutzucker könnte wegen der Süßigkeiten verrücktspielen. Der Plan der Mutter, nach der Elternzeit wieder arbeiten zu gehen, scheiterte. Sie hoffte, dass sich die Situation bessern würde nach dem Wechsel Rojans von der Krippe in den Kindergarten derselben Einrichtung.

Jetzt hatte Rojan mehr Glück. Er geriet an die Erzieherin Anna (Name geändert), die schon Erfahrung mit Kindern mit Diabetes hatte und ­Rojan bis heute betreut. "Wenn sie Dienst hat, brauche ich mich nicht zu sorgen", erzählt Karina K. Auf Wunsch der Kita­leitung müsse aber weiter der Pflegedienst kommen. Er versorgt Rojan morgens, mittags und zum Nachmittagssnack mit Insulin. Karina K. hadert damit: "Das bringt Unruhe rein, und der Dienst kommt nicht immer genau dann, wenn er gebraucht wird", sagt sie.

Immerhin seien Geburtstage nun kein Problem mehr: "Ich bereite an solchen Tagen eine Box vor und schreibe an die Snacks — wie Schokoriegel oder Salzbrezeln —, wie viel Kohlenhydrate Anna dafür in Rojans Pumpe eingeben muss", sagt Karina K. So weit unproblematisch. Vorausgesetzt, Anna ist nicht krank oder im Urlaub. Dann kommt es wieder vor, dass Karina K. ihren Sohn früher ­holen oder zu Hause behalten muss.  "Ich kann ja niemand anderen zwingen, Rojan zu betreuen", sagt Karina K. Das sind Momente, in denen Frust bei ihr aufkommt.

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