Heilpflanzen-Lexikon:
Mistel

Mistel-Präparate sollen unter anderem die Lebensqualität von Menschen verbessern, die an Krebs leiden. Die Anwendung ist unter Wissenschaftlern und Ärzten jedoch sehr umstritten

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2016
Mistel (Viscum album)

Mistel (Viscum album)


Die Mistel hat etwas Geheimnisvolles an sich. Sie wächst auf Bäumen, ernährt sich von ihnen. Vor allem im Winter fällt sie auf, als grüner Tupfer an sonst kahlen Ästen. Bereits im keltischen Glauben spielte die Mistel eine Rolle. So sollen einst Druiden, abhängig vom Mondstand, mit einer goldenen Sichel die Zweige geerntet haben. Ein daraus zubereiteter Trank verhalf angeblich zu mehr Fruchtbarkeit.

In England schmückt man zur Weihnachtszeit traditionell die Haustüren mit Mistelzweigen. Küsst sich ein Paar darunter, soll es im nächsten Jahr heiraten.

Auch Heilkundige beschäftigten sich schon im antiken Griechenland mit dem ausgefallenen Gewächs. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt die Mistel als ein alternatives Heilmittel gegen Krebs. Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie (eine alternative Heilmethode), führte das Kraut in der Tumortherapie ein. Sein Ansatz: Die Mistel entziehe ihrem Wirt – normalerweise ein Baum – Wasser und Nährstoffe und hungere diesen damit langfristig aus. Auch Krebs ließe sich auf diese Weise bekämpfen.

Wie sieht die Mistel aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Die Mistel (Viscum album) ist ein immergrüner, gabelästiger Strauch, der als Halbschmarotzer auf Laub- und Nadelbäumen wächst. Halbschmarotzer entziehen ihrem Wirt Wasser und Nährstoffe. Sie können selbstständig Photosynthese betreiben und so die Nährsalze weiterverarbeiten.

Die Zweige sind grün-braun gefärbt, die Blätter sehen gelblich-grün aus und besitzen eine ledrige Oberfläche. Die Mistel bildet unscheinbare Blüten, die sich an den Zweigenden befinden. Die Frucht hat in etwa die Größe einer Erbse und sieht gelblich-weiß aus.
 Die Mistel gehört zu den Mistelgewächsen (Viscaceae), blüht von März bis April und kommt wild in Europa und Asien vor.

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Als Arznei kommt das ganze Kraut zum Einsatz. Es enthält unter anderem Glykoproteine, die Mistellektine I bis III. Daneben kommen langkettige, pflanzliche Eiweiße vor – die sogenannten Viscotoxine.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Mistel?

Forscher interessieren sich vor allem für die sogenannten Lektine, die in Misteln vorkommen. Diese Pflanzenstoffe sollen unter anderem das Immunsystem anregen und Entzündungen auslösen. Naturheilkundlich orientierte Mediziner setzen Mistelpräparate daher manchmal als örtlich wirkende Reiztherapie ein, um eine Arthrose zu behandeln.

Seit langem diskutieren Wissenschaftler darüber, ob Mistel-Lektine gegen Krebs helfen können. Bislang gibt es jedoch keine überzeugenden Studien, die eine Wirkung belegen. Es ist weder geklärt, ob Mistelpräparate das Wachstum eines Tumors unterbinden können, noch, ob die Behandlung die Lebensqualität von Krebskranken verbessert. Lediglich bei Patientinnen, die an Brustkrebs litten und eine Chemotherapie erhielten, wurden positive Effekte auf die Lebensqualität beobachtet.

Hinweis: Lassen Sie sich ausführlich von Ihrem Arzt oder der behandelnden Klinik beraten, ob eine Misteltherapie sinnvoll ist.

Wichtige Hinweise:

Mistel-Präparate werden vom Arzt normalerweise unter die Haut gespritzt. Nach der Injektion kann es zu Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen kommen. Auch Kreislaufbeschwerden und allergische Reaktionen können auftreten.

Experten weisen daraufhin, dass noch wenig darüber bekannt ist, welche Effekte Mistel-Inhaltsstoffe im Körper entfalten und welche Nebenwirkungen möglich sind.

Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.