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Heidelbeere: Mildes Mittel gegen Durchfall

Heidelbeeren, auch Blaubeeren genannt, sind ein altes Hausmittel bei Durchfall. Möglicherweise helfen sie gegen weitere Beschwerden

von Dr. Martina Melzer, Dr. Martin Allwang, aktualisiert am 01.12.2020

Heidelbeere – kurz erklärt

Die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) enthält neben blauen Farbstoffen, den Anthocyanen, reichlich Gerbstoffe. Diese können leichten Durchfall lindern. Ob die Heilpflanze den Blutzucker senkt und gut für die Augen ist, ist umstritten.

Heidelbeere (Vaccinum myrtillus)

Welche Inhaltsstoffe kommen in Heidelbeeren vor?

Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in Heidelbeerblättern, genauso wie in den Früchten. Die Blätter enthalten Gerbstoffe vom Catechin- und Proanthocyanidintyp. Daneben kommen Flavonoide vor, zum Beispiel die Substanz Astragalin, sowie organische Säuren. In geringen Mengen lassen sich sogenannte Chinolizidinalkaloide nachweisen, hier vor allem die Stoffe Myrtin und Epimyrtin. Bemerkenswert hoch ist der Gehalt an Chrom.

Heidelbeerfrüchte bestehen aus denselben Inhaltsstoffen. Zusätzlich stecken noch blaue Farbstoffe darin: die Anthocyane. Dazu gehören sogenannte Delphinidine und Cyanidine. Frische Früchte punkten mit reichlich Vitamin C und B-Vitaminen.

Gegen was hilft die Heidelbeere?

  • Durchfall

Schon seit Langem ist die Wirkung gegen Durchfall bekannt. Denn die in Blättern und Früchten enthaltenen Gerbstoffe haben einen adstringierenden Effekt. Das heißt, sie ziehen die Schleimhäute zusammen. Das Wirkprinzip: Gerbstoffe binden an Eiweiße, die sich in der Schleimhaut befinden, und verändern deren räumliche Struktur. Die Schleimhautoberfläche verfestigt sich und bewirkt damit, dass weder Durchfallerreger in die Darmschleimhaut gelangen, noch wichtige Nährstoffe und Wasser verloren gehen. Da dieser Effekt mild ist, helfen getrocknete Heidelbeeren oder Heidelbeerenblätter nur bei leichtem Durchfall.

Wichtig: Halten die Verdauungsprobleme an, verschlechtern sich oder treten öfter auf, dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Was hilft bei Durchfall?

Blaubeeren lindern – aufgrund der Gerbstoffe – als Tee zum Gurgeln auch leichte Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
Besorgen Sie sich getrocknete Heildelbeeren oder Heidelbeerblätter immer in der Apotheke!

  • Diabetes und Sehkraft?

Forscher vermuten, dass Inhaltsstoffe aus Heidelbeerblättern noch mehr können: Experimente im Labor haben gezeigt, dass bestimmte Blaubeersubstanzen den Blutzucker senken, ebenso das Cholesterin. Außerdem verbessern sie die Durchblutung in der Netzhaut und wirken sich positiv auf das Hell-Dunkel-Sehen aus. Studien am Mensch kamen bisher jedoch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Es ist also nicht sicher, ob Heidelbeeren potenziell gegen Diabetes oder Probleme mit den Augen helfen können. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ihre Krankheit durch eine gesündere Lebensweise und die Befolgung der ärztlich verordneten Therapie in den Griff bekommen.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Wer einen empfindlichen Magen hat, dem können die Gerbstoffe Probleme bereiten.

Vorsicht: Die enthaltenen Gerbstoffe können die Aufnahme von Arzneimitteln über die Darmschleimhaut behindern und so deren Wirkung abschwächen. Deshalb nicht zusammen mit anderen Tabletten einnehmen, sondern zwei bis drei Stunden Abstand einhalten.

In Heidelbeerblättern kommen geringe Mengen an Alkaloiden vor, die ab einer bestimmten Konzentration Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Wer arzneiliche Zubereitungen aus Heidelbeeren über einen längeren Zeitraum und hoch dosiert anwenden möchte, muss dies daher mit dem Arzt abklären.

Wichtig: Lassen Sie sich zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten der Heilpflanze in der Apotheke beraten.

Quellen:

Wichtl M: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2016