{{suggest}}


Seborrhoisches Ekzem (seborrhoische Dermatitis)

Die Hautkrankheit äußert sich durch gelbliche, fettige Schuppen, vor allem am Kopf und im Gesicht. Welche Therapien helfen

von Dr. Irmela Manus (Redaktion), aktualisiert am 13.01.2020

Seborrhoisches Ekzem – Kurz erklärt

  • Das seborrhoische Ekzem (seborrhoische Dermatitis, umgangssprachlich Gneis) ist harmlos, nicht ansteckend und gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten.
  • Es bilden sich dabei gelbliche, fettige Schuppen, unter anderem auf der Kopf- und Gesichtshaut. Unter den Schuppen ist die Haut gerötet.
  • Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Neben genetischen und anderen Faktoren spielen vermutlich bestimmte Hefepilze eine Rolle, die die Haut besiedeln.
  • Spezielle Shampoos und Cremes können helfen.
  • Das Ekzem ist zwar behandelbar, aber oft nicht dauerhaft heilbar. In vielen Fällen tritt es erneut auf oder verläuft chronisch.

Symptome: Wie sieht ein seborrhoisches Ekzem aus?

Die Hautkrankheit äußert sich durch weißlich-gelbliche Hautschuppen, die oft auch fettig sind. Häufig finden sich zusammenhängende gelbliche Herde an einzelnen Hautstellen. Darunter ist die Haut gerötet und entzündet.

Entstehen die Schuppen auf der Kopfhaut, können sie stark jucken. Treten sie in anderen Körperregionen auf, kommt es seltener zu Juckreiz.

Wo am Körper zeigt sich ein seborrhoisches Ekzem?

Die Schuppen bilden sich besonders auf der Kopfhaut und im Gesicht. Vor allem betroffen sind

  • die Haargrenze
  • die Augenbrauen
  • die Mimikfalten zwischen Nase und Mund (Nasolabialfalten)
  • der Bartbereich

Manchmal entstehen die Schuppen auch in der Mitte der Brust (Brustbeinregion) sowie an anderen Stellen des Rumpfes, ebenso in oder hinter den Ohren oder in der Genitalregion.

Bei Babys betrifft das seborrhoische Ekzem ebenfalls in erster Linie die Kopfhaut. Deshalb wird die Hautkrankheit umgangssprachlich auch als "Kopfgneis" bezeichnet. Im Gegensatz zum Ekzem bei Erwachsenen heilt die Hautkrankheit bei Babys nach wenigen Lebensmonaten in den meisten Fällen von alleine aus.

Ursachen und Einflussfaktoren

Wie ein seborrhoisches Ekzem genau entsteht, wissen Forscher noch nicht. Doch es sind Faktoren bekannt, die in Zusammenhang mit dieser Hautkrankheit oft vorkommen oder sie eventuell begünstigen:

Vermehrt sich der Pilz Malassezia furfur auf der Kopfhaut, können sich sichtbare Schuppen bilden. Eine gesteigerte Aktivität der Talgdrüsen kann diese Vorgänge begünstigen

Hefepilz: Der Hefepilz Malassezia furfur (Pityrosporum ovale) besiedelt die Haut und gehört zu den natürlich vorkommenden Hautkeimen. Bei Menschen, die eine entsprechende Veranlagung besitzen, kann sich dieser Mikroorganismus vermutlich besonders stark vermehren. Die Haut der Betroffenen reagiert mit einer ausgeprägten Entzündungsreaktion, die Krankheitszeichen wie Rötung, Schuppung und eventuell auch Juckreiz hervorrufen kann.

Talgdrüsenfunktion: Ob ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Funktion der Talgdrüsen und dem Auftreten der Hautkrankheit besteht, konnten Wissenschaftler noch nicht abschließend klären. Doch die Drüsen kommen zum Beispiel vermehrt auf Kopfhaut, Stirn und Rücken vor – genau an den Stellen, an denen sich das seborrhoische Ekzem entwickelt. Talgdrüsen bilden ein fettiges Sekret, den Talg. Er verhindert, dass die Haut austrocknet und hält sie geschmeidig.

Hormone: Experten diskutieren, ob die männlichen Geschlechtshormone die Schuppen begünstigen können.

Immunsystem: Ein geschwächtes Immunsystem scheint im Zusammenhang mit einem seborrhoischen Ekzem zu stehen.

Stress: Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung immer wieder die Schuppen bekommen, stellen häufig fest, dass sich die Krankheit bei Stress verschlechtert. Vermutlich wirkt sich die Psyche dabei negativ auf Entzündungsvorgänge in der Haut aus.

Klima: Klimatische Faktoren beeinflussen die Krankheit. So berichten Betroffene immer wieder, dass sie im Winter mehr unter den Schuppen leiden als im Sommer. Auch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft spielt eine Rolle. Meeresklima und Sonnenlicht haben einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf.

Ein seborrhoisches Ekzem kommt bei Menschen, die mit HIV infiziert sind, häufiger vor, ebenso bei Menschen mit Morbus Parkinson.

Seborrhoisches Ekzem: Diagnose

Der Hautarzt oder die Hautärztin untersucht die betroffenen Hautbereiche. Finden sich die typischen Schuppen auf geröteter Haut, lässt das normalerweise schnell den Rückschluss auf ein seborrhoisches Ekzem zu.

Allerdings können auch andere Hauterkrankungen Schuppen verursachen. Zum Beispiel eine Schuppenflechte, eine Neurodermitis oder die Kleienpilzflechte. Um die Krankheiten voneinander abzugrenzen, untersucht der Dermatologe oft die gesamte Haut des Betroffenen auf weitere Veränderungen.

Im Zweifelsfall kann eine tiefere Gewebeprobe der Haut (Biopsie) aufschlussreich sein, die nach örtlicher Betäubung entnommen wird. Unter dem Mikroskop wird anhand typischer Gewebeveränderungen festgestellt, ob es sich um eine seborrhoische Dermatitis oder eine andere Hautkrankheit handelt.

Schuppende Ekzeme können zudem durch Allergien verursacht werden. Bei einem entsprechenden Verdacht bringt in der Regel ein Allergietest Klarheit.

Therapie: Was hilft bei einem seborrhoischen Ekzem?

Steht die Diagnose fest, verordnet der Arzt oder die Ärztin normalerweise pilzhemmende Mittel (Antimykotika), die örtlich (lokal) angewandt werden. Die meisten dieser Substanzen wirken zusätzlich antientzündlich und beruhigen damit die gereizten Hautbereiche.

Betreffen die Schuppen die Kopfhaut, den Bart oder die behaarte Brust, wenden Patienten Shampoos an. Kommen die Schuppen an anderen Hautbereichen vor, eignen sich Cremes oder Lösungen, die ein Antipilzmittel enthalten.

Ist die Haut unter den Schuppen stark entzündet, kommen zunächst kortisonhaltige Präparate zum Einsatz. Denn sie dämmen die Entzündung ein. Anschließend trägt der Patient Antimykotika auf und – je nach Bedarf – eine leichte Pflegecreme für die Haut.

Äußert sich ein seborrhoisches Ekzem an der Kopfhaut nur durch herabrieselnde Schuppen, kann ein medizinisches Shampoo ausreichen, das Substanzen wie Selendisulfid enthält. Wäscht der Patient mehrmals pro Woche damit seine Haare, wird durch diese Mittel das Wachstum der Hefepilze unterdrückt.

Noch effektiver sind frei verkäufliche Shampoos mit apothekenpflichtigen pilzabtötenden Wirkstoffen. Diese sind gut verträglich und zu einer dauerhaften Anwendung geeignet.

Wie lange dauert die Therapie?

Betroffene sollten sich an die ärztlichen Vorgaben halten. Anfangs müssen Betroffene die Antipilzmittel teils zweimal täglich anwenden. Haben sich die Symptome zurückgebildet, reicht es meist aus, die speziellen Shampoos oder Cremes nur drei- bis viermal pro Woche auf die Haut aufzutragen. Dabei kann die langfristige Behandlung der Kopfhaut auch der Entstehung eines seborrhoischen Ekzems im Gesicht vorbeugen. Menschen, die aufgrund ihrer Veranlagung besonders stark betroffen sind, müssen die Behandlung unter Umständen täglich durchführen, um zu verhindern, dass das seborrhoische Ekzem wiederkehrt.

Diese vorbeugende Erhaltungstherapie mit einem pilzabtötenden Shampoo sollten Betroffene langfristig fortführen. Wird sie beendet, tritt das Ekzem in der Regel wieder auf, zumal die veranlagungsbedingte Neigung zum seborrhoischen Ekzem lebenslang besteht.

Hat die Ernährung einen Einfluss?

Ein Zusammenhang zwischen bestimmten Ernährungsfaktoren und der Hautkrankheit konnte bislang nicht sicher belegt werden.

Dr. med. Angela Unholzer

Beratende Expertin

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Quellen:


Denis Sasseville, MD, FRCPC, "Seborrheic dermatitis in adolescents and adults", "Cradle cap and seborrheic dermatitis in infants", ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. http://www.uptodate.com (Abgerufen im Oktober 2019)

Moll I: Dermatologie, Duale Reihe, 8. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2016

Altmeyer P: Dermatologische Differenzialdiagnose, Heidelberg Springer Verlag, 2007

Gesundheitsinformation.de, Seborrhoisches Ekzem, Online: https://www.gesundheitsinformation.de/seborrhoisches-ekzem.2597.de.html (Abgerufen im November 2019)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten