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Harnröhrenstriktur (narbige Harnröhrenverengung)

Schwacher Harnstrahl, Schmerzen beim Wasserlassen, häufige Harnwegsinfekte – mögliche Symptome einer Harnröhrenenge. Hier erfahren Sie wie sie entsteht, wie man sie erkennt und wie sie behandelt wird

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 19.02.2020

Harnröhrenstriktur - kurz erklärt

Eine narbige Verengung der Harnröhre kann entstehen

  • nach Verletzungen
  • durch Infektionen
  • nach medizinischen Eingriffen oder
  • durch angeborene Fehlbildungen.

Symptome einer Harnröhrenstriktur können sein:

  • abgeschwächter Harnstrahl
  • verformter, geteilter, gießkannenartig oder gedreht aussehender Harnstrahl
  • Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen
  • Mehrzeitiges Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen, am Penis oder am Damm
  • Wiederholte Harnblasenentzündungen trotz der Einnahme von Antibiotika

Die Behandlung erfordert häufig eine Operation. Welches Verfahren dabei das geeignete ist, hängt unter anderem davon ab, wo die Engstelle liegt, wie lang sie ist und ob und wie sie bereits vorbehandelt wurde. Weitere wichtige Aspekte sind das Alter und der Gesundheitszustand des Betroffenen.

Harnwege des Mannes

Über die Harnröhre wird der Urin aus der Blase nach außen entleert. Eine Engstelle in der Harnröhre kann die Blasenentleerung behindern.

Man unterscheidet narbige Verengungen (Harnröhrenstrikturen) von Verengungen bei einer vergrößerten Prostata (benigne Prostatahyperplasie) oder durch Tumoren.

Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Harnwege der Frau

Ursachen: Wie entsteht eine narbige Harnröhrenverengung?

Nach Verletzungen, Entzündungen oder Schädigungen verschiedener Art kann es zu Veränderungen in der Struktur der Schleimhaut kommen. Sie wird ganz oder teilweise durch Bindegewebe (Narbengewebe) ersetzt. An der Stelle, an der sich die Narbe bildet, schrumpft die Harnröhre. Je nachdem wie ausgedehnt die Verletzung war und wie die Heilung verläuft, engt das die Harnröhre mehr oder weniger stark ein.

Eine Harnröhrenenge kann aber auch im Rahmen einer angeborenen Harnröhrenfehlbildung (Hypospadie) auftreten.

Eine Harnröhrenverengung kann zum Beispiel entstehen

  • nach Verletzungen im Bereich des Penis oder des Dammes (etwa beim Sport oder durch Unfällen, zum Beispiel Sturz auf die Fahrradstange) oder bei Beckenbrüchen
  • bereits nach winzigen Verletzungen der Schleimhaut bei Eingriffen im Bereich der Harnröhre (vor allem nach Anlage eines Blasendauerkatheters oder nach Blasenspiegelungen)
  • durch Narbenbildung bei Infektionen (beispielsweise Gonorrhoe)
  • durch angeborene Fehlbildungen (zum Beispiel Hypospadie)
Blase Harnröhre Penis Katheter Querschnitt Illustration

Eine Alternative zu länger in der Harnröhre liegenden (transurethralen) Blasenkathetern zur Ableitung von Harn aus der Blase sind manchmal suprapubische Katheter: Solche Katheter leiten den Harn direkt über einen kleinen Schlauch durch die Bauchdecke ab. Dadurch lassen sich Harnröhrenstrikturen vermeiden.

Symptome einer Harnröhrenstriktur

Anzeichen einer Harnröhrenverengung können zum Beispiel sein:

  • abgeschwächter Harnstrahl
  • verformter, geteilter, gießkannenartig oder gedreht aussehender Harnstrahl
  • mehrzeitiges Wasserlassen
  • Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen, am Penis oder am Damm

Abgeschwächter oder verformter Harnstrahl

Häufig zeigt sich eine Harnröhrenenge zunächst nur in einem abgeschwächten Harnstrahl. Je nachdem wo die Enge sitzt, kann der Harnstrahl auch geteilt oder gießkannenartig verformt sein.

Nachtröpfeln

Wenn sich hinter der Engstelle eine Erweiterung der Harnröhre gebildet hat, kommt es zum Nachtröpfeln von Harn nach dem Wasserlassen. Probleme bereitet die Harnröhrenenge, wenn sie die vollständige Entleerung der Blase verhindert.

Wann verursacht eine Harnröhrenstriktur Schmerzen?

Schmerzen am Damm oder am Penis können entstehen, wenn der Urin sich zurückstaut.

Entleert sich die Blase nur unvollständig, bleibt immer eine gewisse Menge an Urin zurück (Restharn). Im Restharn können sich Bakterien ansiedeln und vermehren. Es entsteht eine Blasenentzündung. Sie macht sich durch Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, häufigen auch nächtlichen Harndrang und manchmal eine sichtbare Rotfärbung des Urins bemerkbar.

Je nachdem wie weit sich der Harn zurückstaut, breitet sich die Infektion in die höher gelegenen Teile der Harnwege aus – in die Harnleiter, die die Nieren mit der Blase verbinden, oder bis in das Nierenbecken. Dann treten zusätzliche Schmerzen in den Flanken auf.

Ein Rückstau von Harn im Bereich der Prostata kann auch zu einer schmerzhaften Entzündung der Prostata und des Nebenhodens führen.

Komplikationen bei einer Harnröhrenverengung

Die Engstelle an der Harnröhre kann verhindern, dass sich die Blase vollständig entleert. Die Folge können häufige Harnwegsinfekte sein, aber auch ein Rückstau von Urin bis in die Niere, der bei längerem Bestehen dauerhafte Nierenschäden, im schlimmsten Fall sogar ein Nierenversagen hervorrufen kann.

Je nachdem wie ausgeprägt die Abflussbehinderung ist, droht ein kompletter Harnverhalt mit einer akuten Überdehnung der Blase und massiven Bauchschmerzen. Das ist ein Notfall, der umgehend durch eine Entlastung der Blase behandelt werden muss. Bei einer Harnröhrenstriktur gelingt das am besten mit Hilfe eines Katheters über die Bauchdecke (suprapubischer Blasenkatheter).

Daneben kann es auch zur chronischen Überdehnung der Blase mit bleibender Schädigung der Blasenmuskulatur kommen. In einer solchen sogenannten schlaffen Blase bleibt wiederum Restharn stehen und führt, wie beschrieben, zu Harnwegsinfekten.

Bleibt ein Harnwegsinfekt unbemerkt, droht schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Urosepsis). Mögliche Anzeichen sind unter anderem: hohes Fieber, zunehmende Verwirrtheit und schließlich das Versagen von Atmung, Kreislauf und anderen Organen (Mulitorganversagen).

 

Wie stellt der Arzt die Diagnose Harnröhrenstriktur?

Dem Arzt stehen verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung, um eine Harnröhrenstriktur festzustellen. Zusätzlich sind Untersuchungen von Urin und Blut wichtig, um Harnwegsinfekte oder eine Nierenschädigung zu erkennen und das Ausmaß möglicher Spätfolgen einzuschätzen.

Uroflow-Messung

Wegweisend für die Diagnose Harnröhrenenge ist die Untersuchung von Druck und Fluss des Harnstrahles beim Wasserlassen (Uroflow-Messung). Das Untersuchungsergebnis erlaubt Rückschlüsse auf die Ursache der Beschwerden – zum Beispiel eine Harnröhrenstriktur oder aber eine gutartige Prostatavergrößerung. Bei einer Harnröhrenenge zeigt sich der Harnstrahl in dieser Untersuchung immer gleich schwach.

Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

Mit einer Ultraschalluntersuchung prüft der Arzt, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurückbleibt (Restharn). Er kann auch die Menge des zurückbleibenden Urins bestimmen. Zudem ermittelt er, ob es sichtbare Veränderungen an Harnröhre und Blase gibt. Unter Umständen zeigt sich ein verdickter Blasenmuskel (eine Blasenwandhypertrophie). Ein geübter Untersucher kann mit Hilfe des Ultraschalls auch die Harnröhre direkt beurteilen und etwaige Engstellen sehen.

Röntgenuntersuchungen

Haben die ersten Untersuchungen den Verdacht auf eine Harnröhrenenge bestätigt, folgen meistens Röntgenaufnahmen. Der Arzt bringt Röntgenkontrastmittel von außen in die Harnröhre ein (sogenannte retrograde Urethrografie). So macht er die Hohlräume der Blase und der Harnröhre sichtbar. Mit Hilfe dieser Untersuchung kann der Arzt das Ausmaß der Harnröhrenenge und deren Länge feststellen.

Manche Veränderungen werden vom Druck in der Blase beeinflusst – zum Beispiel das Ausmaß der Harnröhren-Erweiterung vor der Engstelle. Auf einer retrograden Urethrografie sind solche Veränderungen oft gar nicht erkennbar. Eine höhere Aussagekraft haben daher Röntgenaufnahmen, bei denen Blase und Harnröhre während des Wasserlassens dargestellt werden (Miktionszysturethrogramm). Solche dynamischen (bewegten) Aufnahmen dienen vor allem zur Operationsplanung.

Blasenspiegelung

Bei einer Blasen- und Harnröhrenspiegelung hat der Arzt unmittelbare Sicht auf die Engstelle – über ein ganz dünnes Röhrchen, das Endoskop. Es wird unter örtlicher Betäubung in die Harnröhre geführt (flexible Urethroskopie). Dieses Verfahren ist in der Regel nur dann notwendig, wenn die übrigen, nicht invasiven Untersuchungsmethoden kein eindeutiges Ergebnis bringen.

Wie wird eine Harnröhrenverengung behandelt?

Frische, entzündliche und verletzungsbedingte Strikturen behandelt man innerhalb der ersten drei Monate üblicherweise ohne Operation. Dazu wird der Urin über einen Katheter direkt aus der Blase über die Bauchdecke abgeleitet (suprapubischer Blasenkatheter). Der Patient erhält ein passendes Antibiotikum.

Je nach Ursache und Verlauf der Erkrankung schließt sich häufig eine Operation an. Die möglichen Operationsverfahren reichen von einer endoskopischen Schlitzung der Harnröhre im Bereich der Engstelle bis hin zu einer Harnröhrenplastik in einer offenen Operation. Die Auswahl des Verfahrens ist davon abhängig, wo die Engstelle liegt, wie lang sie ist und ob und wie sie bereits vorbehandelt wurde. Weitere wichtige Aspekte sind das Alter und der Gesundheitszustand des Betroffenen. Eine besondere Herausforderung ist die Behandlung von Rückfällen.

Vor allem die einfachen Operationsverfahren sind mit einem hohen Rückfallrisiko behaftet. Es kann aber sein, dass der Gesundheitszustand des Patienten eine erfolgversprechendere, aufwändigere Operation nicht erlaubt.

Aufdehnung (Bougierung)

Die einfachste und älteste Methode ist die sogenannte Bougierung (Aufdehnung) der Harnröhre. Manchmal kann der Betroffene selbst nach Anleitung wiederholt gleitmittelbeschichtete Einmalkatheter in die Harnröhre einführen (Langzeitdilatation). Dieses Verfahren kann die Symptome jedoch nur vorübergehend mildern. Außerdem verursacht diese Behandlung selbst kleine Verletzungen. Mögliche Folge: Die Engstelle wird noch länger und ausgeprägter. Deswegen sollte eine solche Bougierung nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Stent

Ebenfalls wenig aufwändig ist es, die Harnröhrenenge mit Hilfe eines Stents – einem feinen Drahtgeflecht – offenzuhalten. Ein dauerhafter Erfolg ist auch hier unwahrscheinlich, da Stents fast immer mit Keimen besiedelt werden und dann einen chronischen Harnwegsinfekt unterhalten. Meist wächst außerdem Narbengewebe durch die Maschen des Stents.

Wichtig: Dieses Verfahren wendet man wegen seiner schlechten Langzeitergebnisse nur in Ausnahmefällen an.

Harnröhrenschlitzung

Wenn eine Striktur erstmals auftritt und nicht länger als eineinhalb Zentimeter ist, ist eine endoskopische Schlitzung der Harnröhre häufig erfolgreich. Anschließend wird die Harnröhre für etwa einen Tag mit einem Blasenkatheter geschient. Die Operationsdauer und auch die Dauer der Nachbehandlung sind kurz. Die Rückfallrate dieser Behandlung liegt bei circa 50 Prozent. Die Behandlung von Rückfällen mit einer erneuten Schlitzung ist wenig erfolgreich. Darüber hinaus kann wiederholte Schlitzung die Erfolgsaussichten einer späteren Harnröhrenplastik beeinträchtigen. Dieser Aspekt ist vor allem in der Beratung und Behandlung von jüngeren Betroffenen zu berücksichtigen.

Harnröhrenplastik

Kurzstreckige Verengungen bis etwa zwei Zentimeter Länge im Bereich des Penisschaftes (bulbäre Harnröhre) kann der Arzt komplett entfernen und die Harnröhrenenden wieder miteinander vernähen (End-zu-End-Anastomose). Bei längeren Engstellen wird oft eine Harnröhrenplastik nötig: Dabei werden Lücken in der Harnröhrenwand durch Mundschleimhaut oder verpflanzte Haut (meist von der Vorhaut des Patienten) gedeckt. Die Rückfallquote nach diesen Operationen ist mit fünf bis 20 Prozent vergleichsweise gering. Diese Behandlungen sind jedoch technisch schwieriger und daher oft mit langen Operationszeiten (ein bis drei Stunden) verbunden. Für hochbetagte Patienten mit schweren Begleiterkrankungen kommen sie daher häufig nicht infrage.

Nach der Operation ist in der Regel für etwa zwei bis drei Wochen ein Blasenkatheter nötig. Meistens können die Patienten nach fünf Tagen Klinikaufenthalt mit einem Blasendauerkatheter nach Hause gehen.

Prof. Dr. med. Christian Stief

Beratender Experte

Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology. Seit 2018 ist er Mitglied des Medizinausschusses des Wissenschaftsrates der Bundesregierung und der Bundesländer.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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