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Im neuen Jahr müssen sich Millionen Privatversicherte auf deutlich höhere Beiträge einstellen. Wie sich Beiträge senken lassen, welche Fehler zu vermeiden sind und wer gut berät.

Wie stark werden die Beiträge für die PKV 2026 steigen?

Etwa 60 Prozent der Privatversicherten, das sind mehr als fünf Millionen, müssen vom 1. Januar 2026 an höhere Beiträge an ihre private Krankenversicherung zahlen. Ihre Beiträge steigen laut einer Mitteilung des PKV-Verbands im Durchschnitt um 13 Prozent. Bereits 2025 waren die Beiträge bei zwei Dritteln der Mitglieder deutlich höher geklettert, im Durchschnitt um 18 Prozent.

„Im Einzelfall kann es allerdings viel höhere Beitragssprünge geben“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das trifft nicht zuletzt Rentner und Rentnerinnen, vor allem dann, wenn sie über ein eher geringes Alterseinkommen verfügen und während ihres Berufslebens nicht genügend Geld für die im Alter immer höheren Beiträge zurückgelegt haben.“

Versicherungsmakler kennen Fälle, in denen Beiträge auf einen Schlag um knapp 260 Euro im Monat erhöht wurden. Demnach kann es zum Beispiel passieren, dass ein Ehepaar, Anfang 50, zusammen jetzt mehr als 2.000 Euro pro Monat für seine private Krankenversicherung zahlen muss.

Warum wird die Krankenversicherung teurer?

Sich krankenzuversichern wird teurer, egal ob man gesetzlich oder privat versichert ist. 2025 war auch der Zusatzbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung von 1,7 auf 2,9 Prozent gestiegen. Nur, woran liegt das? Der PKV-Verband erklärt das so: Allein die zu zahlenden Leistungen im Krankenhaus sind 2024 um zehn Prozent gestiegen, fast ebenso stark wuchsen die Kosten für Arzneimittel, für Heilmittel wie Physio- oder Ergotherapie und für die Behandlungen in den Praxen der Ärztinnen und Ärzte. Hinzu kommen höhere Kosten für das Personal, steigende Preise für viele Produkte, und die höheren Ausgaben wegen neuer Behandlungsmethoden.

Lohnt es, wegen steigender Beiträge den Tarif zu wechseln?

Privatversicherte haben einen Rechtsanspruch darauf, in einen anderen Tarif mit einem gleichartigen oder niedrigeren Versicherungsschutz zu wechseln – und das jederzeit, ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartefristen. Vera Kozina, unabhängige Versicherungsberaterin in Euskirchen bei Bonn, empfiehlt PKV-Mitgliedern, unbedingt unabhängig prüfen zu lassen, ob sich durch Änderungen beim Tarif die Beiträge verringern lassen. „Das lohnt sich in vielen Fällen“, sagt sie. Ziel sollte stets sein, einen Tarif zu finden, mit dem man bei gleich gutem beziehungsweise ähnlich gutem Schutz Beiträge spart.

„Es gibt jedoch keine Garantie, dass in Zukunft nach einem Tarifwechsel die Beiträge nicht wieder deutlich steigen werden“, warnt die Expertin.

Wer hilft mir, wer sind meine Ansprechpartner?

Grieble empfiehlt sich zunächst an den Versicherer zu wenden und mit Nachdruck darauf zu bestehen, die gesamte Auswahl an Tarifen darzulegen. Er räumt allerdings ein, dass „etliche mauern, Verzögerungstaktiken anwenden oder nur ihnen wohlgefällige Tarife nennen“. Der Grund: „Die Versicherer haben wenig bis kein Interesse daran, dass ein Mitglied niedrigere Beiträge zahlt, dann nehmen sie ja weniger Geld ein“, sagt Beraterin Kozina. Aber selbst wenn der Versicherer alle Optionen offenlegt, dürften sich Laien schwertun, das Dickicht an Tarifen und Leistungen zu durchdringen, um eine für sie geeignete Lösung zu finden.

Grieble und Kozina empfehlen deshalb, sich unabhängig möglichst entweder von einer Verbraucherzentrale beraten zu lassen (sofern es dort jemanden gibt, der sich mit der PKV auskennt). Oder von einem Versicherungsberater beziehungsweise einer Versicherungsberaterin wie Kozina. Diese findet man auf der Homepage des Bundesverbands der Versicherungsberater.

In Frage kommen auch Versicherungsmaklerinnen und -makler, sofern sie sich überhaupt mit den Details der unterschiedlichen PKV-Tarife von einzelnen Versicherern auskennen. Makler berechnen in der Regel eine erfolgsabhängige Vergütung. Versicherungsberater rechnen einen Pauschalbetrag oder auf Stundenbasis ab.

Gewarnt wird hingegen vor sogenannten Tarifwechselberatern. Deren Bezahlung hänge „von einer möglichst hohen Beitragsreduzierung ab. Ob der Leistungsumfang des neuen Tarifs tatsächlich zu den Bedürfnissen der Versicherten passt, ist für diese Anbieter hingegen oft zweitrangig“, heißt es beim PKV-Verband.

Was können Versicherte tun, um ihre Beiträge zu senken?

Es gibt fünf Möglichkeiten:

Die Leistungen reduzieren:

Grieble rät zunächst zu prüfen, welche Leistungen im Tarif verzichtbar sind: „Brauche ich wirklich ein Ein-Bettzimmer? Die Chefarzt-Behandlung oder Heilpraktiker-Leistungen?“ Kozina ergänzt: „Auch wenn das eine oder andere wegfällt, sollte die Versicherten weiter gut versorgt sein. Das ist in vielen Fällen möglich.“Risikozuschläge prüfen: Nicht selten zahlen Versicherte wegen bestimmter Beschwerden (Rücken, Bandscheibe, psychische Erkrankungen)

Risikozuschläge:

Wenn der Gesundheitszustand aber seit Längerem besser ist, können sie beantragen, dass der Zuschlag wegfallen soll. „Das sollte man schriftlich dokumentieren können und sich vom Hausarzt oder der Hausärztin beziehungsweise vom Facharzt bestätigen lassen“, sagt die Versicherungsberaterin.

Selbstbehalt erhöhen:

Wer die eigene Beteiligung (Selbstbehalt) erhöht, kann den monatlichen Beitrag senken. Der Versicherte muss in diesem Fall jedoch einen höheren Betrag der jährlichen Behandlungskosten selbst bezahlen, erst dann kommt die Versicherung für die weiteren Kosten auf. Das ist allerdings heikel:

  • So lohnt sich eine Erhöhung der eigenen Beteiligung nur, wenn die Einsparung bei den Beiträgen deutlich höher ist als die Summe, die zusätzlich bei einem vollständig ausgenutzten höheren Selbstbehalt zu zahlen ist.
  • Der Selbstbehalt lässt sich ohne Gesundheitsprüfung nicht einfach wieder verringern. „Hat man bis dahin ein paar neue Wehwehchen, sind höhere Risikozuschläge fällig oder sogar Leistungsausschlüsse“, warnt Kozina.
  • Hinzu kommt neben steuerlichen Nachteilen: Der Arbeitgeber steuert – anders als bei den Monatsbeiträgen – normalerweise keinen Euro zum Selbstbehalt bei. Kozina rät: „Den Selbstbehalt sollte man nur erhöhen, wenn man sich sicher ist, dass man sich das dauerhaft leisten kann und nicht drei Jahre später sagen muss, das wird mir zu viel.“ Nicht vergessen dürfe man auch, dass Versicherer bei Beitragserhöhungen den Selbstbehalt von sich aus erhöhen können.

In einen Sozialtarif wechseln:

„Das ist die letzte Möglichkeit, wenn alle anderen Einsparmöglichkeiten scheitern“, sagt Grieble. Zu unterscheiden sind zwei Sozialtarife:

  • Für Versicherte, die vor dem 1. Januar 2009 bereits Mitglied einer PKV waren, kommt der Standardtarif infrage. Damit sind überwiegend die Leistungen versichert, die auch die GKV im Portfolio hat. Der Beitrag darf deshalb auch nicht höher als der Höchstbeitrag in der GKV. Der Standardtarif kostet deshalb laut PKV-Verband 2025 genau 804,82 Euro.
  • Der Basistarif gilt als Alternative für PKV-Mitglieder, die sich nach dem 31.12.2008 privat versichert haben. Auch hier sind nur Leistungen versichert, die die GKV bietet. Der Beitrag beläuft sich laut PKV-Verband 2025 auf maximal 942,64 Euro.

Welcher Tarif für wen überhaupt in Frage kommt, sollten Versicherte in einer unabhängigen Beratung klären, empfiehlt Expertin Kozina. Grieble weist darauf hin, dass Versicherte mit einem PKV-Sozialtarif unbedingt in der Arztpraxis vorher darauf aufmerksam machen sollten, wie sie versichert sind. Sonst drohe ihnen, „dass sie einen Teil der Behandlungskosten selbst bezahlen müssen“.

Den Anbieter wechseln:

Grieble warnt davor, den Anbieter ganz zu wechseln. „Das ist langfristig fast immer mit Nachteilen verbunden, weil angesparte sogenannte Altersrückstellungen ganz oder großteils beim bisherigen Versicherer bleiben.“ Und diese Rücklagen sind ja gerade dafür da, die höheren Krankheitskosten im Alter auszugleichen und dafür zu sorgen, dass der Beitrag nicht zu stark steigt.