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Heute schon geknutscht? Dann herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich vermutlich etwas sehr Gutes getan. Egal ob zart, leidenschaftlich, gehaucht oder mit Zunge – küssen fördert das Wohlbefinden und kann die Gesundheit stärken. Deshalb sollte Küssen nicht nur am Internationalen Tag des Kusses am 6. Juli im Mittelpunkt stehen, sondern an jedem Tag im Jahr.

Paare schenken sich im Schnitt nur rund zwei bis drei Küsse pro Tag. Eindeutig zu wenig. Auf ein Leben hochgerechnet berühren unsere Lippen rund 76 Tage unseres Lebens andere Lippen. Zum Vergleich: Gelacht wird weniger, nur etwa 60 Tage.

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"Die kleinen Momente sind die großen"

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Seit wann küssen sich die Menschen?

Ein Forschungsteam untersuchte das Kussverhalten von 168 Kulturen und fand heraus, dass bei nicht einmal der Hälfte ein Kuss auch Ausdruck von romantischer Liebe ist. Es muss auch nicht immer auf dem Mund sein. In Frankreich gibt man sich zur Begrüßung zum Beispiel rechts und links ein „Bisous“. Und wenn Eltern ihre Kinder liebevoll küssen, stecken wohl auch keine romantischen Gefühle dahinter.

Aber wer ist eigentlich auf den Kuss gekommen? So genau wisse man das nicht, meint Prof. Dr. Julia Zwank. Sie lehrt Entwicklungspsychologie an der SRH Fernhochschule – The Mobile University. Es gibt dazu aber mehrere Theorien. „Eine Hypothese ist, dass Küssen eine evolutionäre Grundlage hat. In frühen menschlichen Gesellschaften könnte das Küssen als Mittel zur Stärkung sozialer Bindungen und zur Förderung der Paarbindung entstanden sein“, so Zwank. Schon vor 4500 Jahren haben sich Menschen geküsst. Das zeigen Erwähnungen romantischer Küsse auf Keilschrifttafeln aus Mesopotamien.

Forschende haben herausgefunden, dass die DNA des Partners oder der Partnerin nach einem intensiven Kuss selbst nach einer Stunde noch im Mund des anderen bleibt

Was bedeutet das Küssen für die Gesundheit?

Beim Küssen passiert aber noch mehr als nur Zuneigung zu zeigen. Bis zu 80 Millionen Bakterien wandern bei einem zehn Sekunden dauernden Kuss in den Mundraum des anderen. Das fordert das Immunsystem. Denn während des Küssens werden bestimmte Eiweiße produziert, die natürliche Killerzellen aktivieren. Diese Armee ist dafür da, schädliche Bakterien oder Viren zu bekämpfen.

Feuchte Schmatzer können aber noch viel mehr: „Forschende haben herausgefunden, dass die DNA des Partners oder der Partnerin nach einem intensiven Kuss selbst nach einer Stunde noch im Mund des anderen bleibt“, sagt Expertin Zwank. und weiter: „Es wird angenommen, dass durch den Austausch von Speichel und Pheromonen wichtige Informationen über den Gesundheitszustand und die genetische Eignung des Partners oder der Partnerin übertragen werden.“

Küssen weckt Glücksgefühle

Warum wir gern küssen und nicht etwa stundenlang die Nasen oder Wangen aneinander reiben, hat etwas damit zu tun, dass Lippen sehr empfindlich sind. Viele Nerven enden dort. Zwank dazu: „Diese Sensibilität hat die Lippen als ideal für den Austausch von Zärtlichkeiten und Intimität auserkoren.“ Auch würden sich auf Lippen und Zunge sehr viele sensorische Rezeptoren befinden, mehr sogar als auf der Haut. Und weil dem so sei, würde Küssen dann auch dazu führen, dass so genannte Glückshormone ausgeschüttet werden. Kurz um: Es kribbelt im Bauch, wir fühlen uns wohl und entspannt.

Küssen stärkt die Bindung

Der längste Kuss der Welt dauerte 58 Stunden. So lang hat sich ein thailändisches Pärchen am Stück geküsst und es damit ins Guinessbuch der Rekorde geschafft. Das klingt schon ein wenig anstrengend. So lang muss es gar nicht sein. Prof. Zwank sagt: „Forschende empfehlen den Sechs-Sekunden-Kuss, bei dem besonders viel Oxytocin ausgeschüttet wird, was ein Gefühl von psychologischer Sicherheit, Verbindung und Bindung schaffen kann.“ Beim Küssen werden nämlich spezielle Stoffe im Körper freigesetzt, etwa das Kuschelhormon Oxytocin, das Glückshormon Serotonin oder auch Dopamin und Adrenalin, das den Puls und Blutdruck leicht ansteigen lässt. Keine Bange: Langfristig ist Küssen aber eher gut für den Blutdruck, weil es den persönlichen Stresspegel senken kann.

Küssen ist ein Stresskiller

„Es wurde untersucht, dass Küssen helfen kann, den Cortisolspiegel im Körper zu senken. Chronisch erhöhtes Cortisol führt zu Angstzuständen, unter denen zunehmend viele Menschen leiden. Küssen hilft, die Ausschüttung dieses Hormons und damit die Stresslevel zu reduzieren“, erläutert Zwank.

Bei Depressionen könnte regelmäßiges Abschmatzen sogar ein Schlüssel zur Linderung der Symptome sein. Mehrere kleinere Studien weisen laut Psychologin Zwank darauf hin, dass eine Stimulation bestimmter Gehirnbereiche durch Küssen bei schwerer therapieresistenter Depression möglicherweise Teil eines aussichtsreichen zukünftigen Therapiekonzeptes sein könnte.

Küssen ist auch Sport

Naja, nicht ganz. Aber: Rund 30 Gesichtsmuskeln werden trainiert, wenn wir knutschen. Und dabei verbrennen wir natürlich auch Kilokalorien: 6,4 sind es bei einem unangestrengten, normalen Kuss pro Minute. Wer seinen Partner oder seiner Partnerin leidenschaftlich liebkost, der verbrennt sogar bis zu 20 Kilokalorien in einer Minute. Das entspricht rund vier Gummibärchen. Also busserln was das Zeug hält!

Küssen als Jungbrunnen

Regelmäßiges und ausgiebiges Küssen soll übrigens auch gut für die Haut sein. Denn: Dabei wird auch die Durchblutung gefördert. Das wiederum strafft die Haut und lässt uns jünger aussehen. Und ohnehin sehen glückliche, geküsste Menschen entspannter aus als Gestresste.

Kleiner Tipp: Bevor Sie zur Arbeit gehen oder ins Auto steigen, verordnen Sie sich doch eine Runde Küsschen. Dann kommen Sie bestimmt gelassener durch den Berufsverkehr am Morgen und der Erfolg im Job ist ob Ihrer zufriedenen Ausstrahlung programmiert!

Mund mit Lippen Schematische Darstellung

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Vorsicht, Tröpfchen!

Aber: Man sollte sich nur küssen, wenn man gesund ist. Bei jedem Kuss können über den Speichel auch Erreger übertragen werden, die wir nicht haben wollen. So erkranken Jugendliche häufig am Kissing Desease, dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Auch Influenza-Viren oder Herpes können zum Beispiel beim Busserln übertragen werden. Nichtsdestotrotz: Bei Gesunden überwiegen die Vorteile. Also: Viel Freude beim Küssen!


Quellen:

  • Jankowiak W R, Volsche S L, Garcia J R: Is the Romantic–Sexual Kiss a Near Human Universal?. In: American Anthropologist 06.07.2015, 117: 535-539
  • Arbøll T P und Rasmussen S L: The ancient history of kissing. In: Science 18.05.2023, 380: 688-690
  • Alpert J S: Philematology: The Science of Kissing, A Message for the Marital Month of June. In: The American Journal of Medicine 01.06.2013, 126: 466
  • Deutsche Apothekerzeitung: Ist Küssen gesund?. In: Online 06.07.2016, 1: 1
  • CBS News: 10 Facts For International Kissing Day. Online: https://www.cbsnews.com/... (Abgerufen am 28.09.2023)
  • Valerie Reiss, upwave.com : 8 health benefits of kissing . Online: https://edition.cnn.com/... (Abgerufen am 28.09.2023)
  • Parship: Tag des Kusses – Lippen sind zum Knutschen da, Umfrage unter Parship-Mitgliedern 2018. Online: https://www.parship.de/... (Abgerufen am 28.09.2023)
  • Kort R, Caspers M, van de Graaf A et al. : Shaping the oral microbiota through intimate kissing. In: Microbiome 17.11.2014, 2: 1-8
  • Deutsche Presseagentur: Mehr als 58 Stunden Lippenkontakt. WELT Online: https://www.welt.de/... (Abgerufen am 28.09.2023)
  • Narkprasert K: Am 6. Juli ist Tag des Kusses: Warum Küssen uns jünger, gesünder und glücklicher macht. Online: https://idw-online.de/... (Abgerufen am 02.07.2024)
  • Barmer GEK: Küssen - gut für Körper und Seele. Online: https://www.barmer.de/... (Abgerufen am 03.07.2024)