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Die Parkinson‐Krankheit, kurz Parkinson, ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die meist Menschen über 60 Jahren betrifft. Die Erkrankung lässt sich nicht heilen, aber die Symptome lassen sich durch Medikamente oder eine Operation – das Einsetzen eines „Hirnschrittmachers“ – lindern. Außerdem können Menschen mit Parkinson von Physiotherapie und allgemein von Bewegung profitieren. Es war bislang aber unklar, ob bestimmte Bewegungsangebote besser funktionieren als andere.

Was ist Cochrane?

Cochrane ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das seit über 30 Jahren systematische Übersichtsarbeiten – die sogenannten Cochrane Reviews – erstellt. Diese Übersichtsarbeiten fassen den aktuellen, weltweiten Wissensstand der Forschung zu Fragestellungen aus Medizin und Gesundheit zusammen und bewerten die Vertrauenswürdigkeit der zugrundeliegenden Studienergebnisse. Damit bilden Cochrane Reviews eine zentrale Grundlage der evidenzbasierten Medizin.

In dieser Kolumne für die Apotheken Umschau stellen Mitarbeitende von Cochrane Deutschland in Freiburg die Ergebnisse aktueller Cochrane Reviews vor.

Parkinson-Symptome beginnen schrittweise. Dazu gehören vor allem Probleme mit der Bewegung, etwa zitternde Hände (Tremor), erhöhte Anspannung der Muskulatur (Rigor), Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) sowie eine Störung der aufrechten Körperhaltung und Schwierigkeiten, das Gleichgewicht beim Gehen und Stehen zu halten. Dadurch ist das Risiko erhöht, zu stürzen. Typisch ist kleinschrittiger, schlurfender Gang. Menschen mit Parkinson können auch psychische Veränderungen erleiden wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, erhöhte Müdigkeit oder Schlafstörungen. Auch das Denken kann verlangsamt sein.

Wie viele Studien wurden ausgewertet?

Gibt es Bewegungsarten, die Parkinson-Symptome besser als andere lindern? Das deutsche Cochrane-Team um Elke Kalbe, Professorin für Medizinische Psychologie an der Universitätsklinik Köln, hat zu dieser Frage einen systematischen Review[1] erstellt. Er ermöglicht es durch eine sogenannte Netzwerk-Metaanalyse, verschiedene Bewegungsangebote miteinander zu vergleichen.

Das Team wertete 156 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) aus, also Studien, bei denen teilnehmende Personen per Zufall auf verschiedene Untersuchungsgruppen verteilt werden. Die Studien verglichen ein bestimmtes Bewegungsangebot mit keiner Bewegung oder mit anderen Bewegungsangeboten. Insgesamt nahmen 7.939 Personen aus der ganzen Welt an den Studien Teil. Die Übersichtsarbeit ist damit der größte und umfassendste systematische Review über die Auswirkungen verschiedener Bewegungsangebote bei Menschen mit Morbus Parkinson.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden in den eingeschlossenen Studien lag zwischen 60 und 74 Jahren. Die meisten von ihnen waren leicht bis mittelschwer an Parkinson erkrankt und hatten keine schweren kognitiven Beeinträchtigungen. Die statistische Auswertung der Studienergebnisse ergab, dass die meisten Bewegungsangebote im Vergleich zu keiner Bewegung halfen.

Was bringt Bewegung bei Parkinson?

Strukturierte Bewegungsangebote bewirken leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität. Die Angebote reichten von Tanzen, Bewegung im Wasser, Krafttraining, Ausdauertraining, Beweglichkeitstraining, Gang-, Gleichgewichtstraining beziehungsweise funktionellem Training bis hin zu Tai Chi und Yoga, sowie einem sogenannten multimodalen Training (also eine Kombination mehrerer Bewegungsformen). In den Studien wurden die Bewegungsangebote meist zweimal pro Woche angeboten.

Welche Bewegung ist besonders gut?

Besonders gute Evidenz fand sich fürs Tanzen: Die Schwere der Bewegungssymptome verbesserte sich auf einer für Parkinson gängigen Skala um gut 10 Punkte – dabei gelten schon Veränderungen ab 2,5 Punkten als klinisch relevant.

Auf welche Art und Weise diese Effekte zustande kommen, war nicht Frage dieses Reviews. Doch offenbar fördern Musik, Rhythmus und akustische Signale (Schritte zählen) den Bewegungsfluss. Hinzu kommt der soziale Effekt: Bewegung in der Gruppe macht Spaß, verbindet mit anderen und stärkt die Selbstwirksamkeit, also das Selbstvertrauen, schwierigen Situationen gewachsen zu sein. All dies trägt zur Lebensqualität bei und beugt Depressionen vor.

Welche Alternativen gibt es zum Tanzen?

Tanzmuffel haben Alternativen: Bedeutsame Verbesserungen im Schweregrad motorischer Symptome ergaben sich für die meisten Bewegungsangebote. Allerdings ist die Datenlage hier weniger gut, weshalb die Größe des Effekts nicht gut abzuschätzen ist. Das gilt auch für die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität: Verschiedenste körperliche Betätigungen brachten durchaus relevante Verbesserungen mit sich.

Die Grundlage für diese Ergebnisse war nicht optimal. So waren viele Studien sehr klein und enthielten häufig nicht alle Informationen über den Schweregrad motorischer Symptome und die Lebensqualität aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die man sich wünschen würde.

Nach bestem Wissen

Trotz gewisser Einschränkungen sind die Ergebnisse eine gute Nachricht für Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson. Denn sie zeigen, dass diese von einer ganzen Reihe von strukturierten Bewegungsprogrammen profitieren können, um den Schweregrad der motorischen Symptome und die Lebensqualität zu verbessern. Dabei ist die genaue Art der Bewegung eher zweitrangig – die Betroffenen könnten sich deshalb weitgehend nach ihren persönlichen Vorlieben richten. Das Fazit lautet somit: „Hauptsache Bewegung!“


Quellen:

  • [1] Ernst M, Folkerts A-K, Gollan R et al.: Physical exercise for people with Parkinson’s disease: a systematic review and network meta‐analysis.. In: Cochrane Database of Systematic Reviews 2024: 08.04.2024, https://doi.org/...
  • Gallagher, J, Wright, E, Lewis H: Inside Health: Parkinson's and Ballet. BBC: https://www.bbc.co.uk/... (Abgerufen am 24.06.2024)