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Mittlerweile bieten manche Sonnencremes einen Lichtschutzfaktor (LSF) von bis zu 100. Das Versprechen: noch besserer Schutz vor Sonnenbrand als mit den bisher üblicheren LSF-50-Cremes. Die Zahl hinter dem LSF zeigt an, wie viel länger man sich nach dem Eincremen in der Sonne aufhalten kann, bevor die Haut sich rötet.

Welche Rolle spielt der Lichtschutzfaktor?

Je nach Hauttyp gibt es einen Eigenschutz: Menschen mit ganz heller Haut können durchschnittlich weniger als eine Viertelstunde ungeschützt in der Sonne sein, bevor sie Sonnenbrand bekommen. Bei dunkleren Hauttypen ist es etwas über eine Stunde. Der Lichtschutzfaktor verlängert diese Eigenschutzzeit. Je höher er ist, desto länger ist die Haut vor Sonnenbrand geschützt. Auch das Hautkrebsrisiko sinkt. Der Lichtschutzfaktor selbst gibt aber keine Auskunft darüber, um wie viel Prozent das Krebsrisiko vermindert wird.

Wie gut schützt eine LSF-50-Creme?

Wie stark profitiert man also von Cremes mit sehr hohem LSF? „Sonnencremes mit einem LSF von 50 sind in der Regel ausreichend“, so die Dermatologin Prof. Dr. Bernadette Eberlein von der Technischen Universität München. „Alles darüber hinaus hilft nicht viel mehr.“

Das zeigt sich in folgender Rechnung: Ein Mensch mit einem Eigenschutz von 20 Minuten und LSF-50-Creme könnte sich theoretisch bereits über 16 Stunden in der Sonne aufhalten. Praktisch sollte diese Schutzdauer nur zu 60 Prozent ausgenutzt werden, da oft zu wenig Sonnencreme aufgetragen und diese außerdem durch Wasser, Schweiß, die Kleidung oder Sand abgetragen wird. Selbst dann läge der Schutz einer LSF-50-Creme noch bei circa zehn Stunden.

Ist die Vitamin-D-Produktion durch Sonnencremes eingeschränkt?

Um die Vitamin-D-Produktion muss man sich bei der Anwendung von Sonnencremes mit hohem LSF keine Sorgen machen. Um diesen wichtigen Stoff selbst im Körper herzustellen, sind Sonnenstrahlen auf der Haut zwar nötig. Aber man riskiert mit einem hohen LSF nicht automatisch einen Mangel. Offenbar haben Sonnencremes wenig Einfluss auf die Bildung des Vitamins.

„Ein deutlich größeres Risiko ist unser Lebensstil selbst“, sagt Dr. Helger Stege vom Hautkrebszentrum Lippe, der auch Mitglied der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ist. „Die meisten Menschen verbringen viel zu wenig Zeit draußen und haben deshalb einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel“, erklärt der Experte.

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Worauf sollte man bei der Anwendung von Sonnencreme achten?

Wichtig für guten Schutz ist vor allem, genügend Sonnencreme aufzutragen: Der LSF wird bei einer Auftragsmenge von 2 Milligramm pro Quadratzentimeter bestimmt. Das sind bei einem Erwachsenen etwa vier gehäufte Esslöffel für den ganzen Körper. Und selbst bei einem hohen Faktor reicht es nicht, sich einmal einzucremen und sich dann für mehrere Stunden sicher zu fühlen, betont Dermatologe Helger Stege. Er empfiehlt, zusätzlich auf Wasserfestigkeit und Abriebschutz zu achten und sich nach dem Schwimmen erneut einzucremen.

Oft wäre außerdem der erste Schritt, überhaupt Sonnencreme zu verwenden. Studien legen nahe, dass Sonnenschutz im Alltag eher vernachlässigt wird als im Urlaub – obwohl Sonnenbrand im Garten, beim Spaziergang und auf dem Schulhof ebenso entstehen kann. „Häufiges Nachcremen ist vielleicht an einem normalen Tag nicht immer praktikabel“, so Bernadette Eberlein. „Aber wenn man morgens für einen Grundschutz sorgt, kann das schon viel helfen.“

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Was sagt der UV-Index über den Lichtschutzfaktor aus?

Um zu bestimmen, welchen Lichtschutzfaktor man braucht, hilft eine Orientierung am UV-Index, den der Deutsche Wetterdienst täglich voraussagt. „Mit einem hellen Hauttyp multipliziert man den Wert des UV-Index mit vier, um auf einen sinnvollen LSF zu kommen“, schlägt Eberlein vor. Bei dunklerer Haut reiche es, den UV-Index doppelt zu nehmen. Liegt also an einem wolkenlosen Junitag der Indexwert bei acht, sind die meisten Leute mit einem LSF von 30 bereits gut bedient. Höheren Sonnenschutz mit LSF 50+ empfiehlt Eberlein vor allem Menschen, die bereits Vorstufen von Hautkrebs haben.

Die Expertin betont zudem: „Sonnenschutz über die Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrillen und das Verhalten – also mittags nicht in die pralle Sonne zu gehen – sind weitere sinnvolle Maßnahmen.“ Babys und Kleinkinder sollte man überhaupt nicht der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen, da ihre Haut noch sehr empfindlich ist.


Quellen:

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