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Schlafstörungen sind weit verbreitet. Sie warten des Nachts in einer Reihe von Varianten auf uns: Manche Betroffene schlafen erst gar nicht ein, andere wachen vorzeitig auf oder sie empfinden ihre Schlafqualität als schlecht. So oder so kann schlechter Schlaf auf Gemüt und Wohlbefinden schlagen. Wenn die Probleme länger anhalten, sollte man also etwas dagegen unternehmen.

Aber was? In schweren Fällen verordnen Ärztinnen und Ärzte Schlafmittel. Schlafmittel können Nebenwirkungen haben und sollten wegen der Gefahr einer Abhängigkeit nicht über längere Zeit eingenommen werden. Auch Training für eine bessere Schlafhygiene (also das Erlernen einer Reihe von Ritualen, die beim Einschlafen helfen sollen) oder die kognitive Verhaltenstherapie kommen in Frage. In weniger schweren Fällen ist es jedoch sinnvoll, es erst einmal mit einfacheren Mitteln zu versuchen.

Was ist Cochrane?

Cochrane ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das seit über 30 Jahren systematische Übersichtsarbeiten – die sogenannten Cochrane Reviews – erstellt. Diese Übersichtsarbeiten fassen den aktuellen, weltweiten Wissensstand der Forschung zu Fragestellungen aus Medizin und Gesundheit zusammen und bewerten die Vertrauenswürdigkeit der zugrundeliegenden Studienergebnisse. Damit bilden Cochrane Reviews eine zentrale Grundlage der evidenzbasierten Medizin.

In dieser Kolumne für die Apotheken Umschau stellen Mitarbeitende von Cochrane Deutschland in Freiburg die Ergebnisse aktueller Cochrane Reviews vor.

Gerade gegen Einschlafstörungen gibt es fast so viele Hausmittel wie Schlafgestörte. Die einen wollen einfach nur ihre Ruhe, andere zählen Schäfchen, trinken eine Tasse heiße Milch oder schwören auf einen sanft vor sich hin murmelnden Fernseher (dumm nur, wenn dann im Krimi ein Schuss und man selbst vor Schreck aus dem Bett fällt).

Studien verglichen Musik mit anderen Einschlafhilfen

Ein weiteres beliebtes Mittel für besseren Schlaf ist Musik. Es muss ja nicht Heavy Metal oder quirliger Jazz sein, wobei die Geschmäcker auch bei Schlafmusik auseinander gehen. Im Netz gibt es längst ein riesiges Angebot von sanft dahinsäuselnder Musik, die speziell für diesen Zweck zusammengestellt wurde.

Die Autorinnen und Autoren eines aktuellen Cochrane Reviews wollten wissen, inwieweit wissenschaftlich belegt ist, dass Musik bei Schlafstörungen hilft. Sie fanden für ihre Übersichtsarbeit 13 relevante Studien mit insgesamt gut 1000 Teilnehmern, in denen die Wirkung des Musikhörens mit einer anderen oder keiner Behandlung verglichen wurde. Zu den Vergleichsbehandlungen zählte beispielsweise eine Schulung für bessere Schlafhygiene. Die Studien untersuchten die Wirkung von täglich 25 bis 50 Minuten Musikhörens (in der Regel direkt zum Einschlafen). Die Ergebnisse wurden über Behandlungszeiträume von drei Tagen bis drei Monaten erfasst.

Wie verbessert Musik den Schlaf?

Sie deuten darauf hin, dass Musik zu einer Verbesserung der Schlafqualität beitragen kann. Das Hören von Musik könnte demnach die Einschlafzeit, die Schlafdauer und die sogenannte Schlafeffizienz (also den Anteil der Schlafzeit im Vergleich zur gesamten Zeit, die man im Bett verbringt) leicht verbessern. Allerdings ist das Vertrauen in diese Evidenz nach dem bei Cochrane üblichen GRADE-Ansatz (dazu demnächst mehr) nur gering, die Ergebnisse sind also mit recht hoher Unsicherheit behaftet.

Moderat vertrauenswürdige Evidenz gibt es für eine deutliche Verbesserung des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Dabei handelt es sich um einen etablierten Fragebogen zur Selbstbeurteilung, dessen Ergebnis Werte zwischen Null (perfekter Schlaf) und 21 annehmen kann. Das Hören von Musik verbesserte diesen Index bei Patienten mit Schlafproblemen um durchschnittlich knapp drei Punkte – kein dramatischer, aber ein für Betroffene durchaus spürbarer Unterschied. Zudem berichtet keine der eingeschlossenen Studien von negativen Auswirkungen des Musikhörens – zusammen mit der leichten Verfügbarkeit dieser Therapie spricht das dafür, es einfach einmal auszuprobieren.

Die Art der Musik scheint (fast) egal

Offen bleibt übrigens, welche Art von Musik am förderlichsten für guten Schlaf ist. Die meisten der für den Review ausgewerteten Studien beschrieben die verwendete Musik jedenfalls als „entspannend“ – was das bedeutet, liegt natürlich im Ohr des Betrachters. Vielleicht kommt es auch gar nicht so darauf an: Jedenfalls hatten Studien mit festgelegter Musikauswahl keine wesentlich anderen Ergebnisse wie solche, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Musik selbst auswählen durften.

Nur von einem Stück des klassischen Repertoires sollte man sich beim Einschlafen fernhalten: Joseph Haydns Symphonie Nr. 94. Einem zeitgenössischen Biografen zufolge war der Komponist darüber verdrossen, dass bei seinen Konzerten regelmäßig „der Gott des Schlafs seine Flügel über die Versammlung ausgebreitet hielt“. Darum komponierte er in die berühmte Pianissimo-Melodie des langsamen zweiten Satzes dieser Sinfonie einen plötzlichen Paukenschlag im Fortissimo, der dem Stück den Titel „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ einbrachte. Eine bei der Londoner Premiere im Jahre 1791 selig eingeschlummerte Dame soll dadurch so sehr erschrocken sein, dass sie gleich wieder in Ohnmacht fiel – und das ist sicher nicht das Ziel einer Therapie gegen schlechten Schlaf.

Hier geht es zum Cochrane Review: „Musikhören bei Schlafstörungen von Erwachsenen“