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Endlich Freitag! Endlich Zeit, um schöne Dinge zu unternehmen, zu entspannen und von der Arbeit abzuschalten. Meist klappt das auch ganz gut – bis zum Sonntag. Dann ploppt er meist auf: Der Gedanke, dass es ja am nächsten Tag schon wieder losgeht mit Arbeit, Uni oder Schule. Und plötzlich denkt man an die vielen Aufgaben, die bevorstehen und wie lange es bis zum nächsten Wochenende dauern wird.

Dieses Phänomen, das dahintersteckt, wird häufig als Sonntagsangst oder Sonntagsblues beschrieben. Die Folge: Statt den Sonntag mit schönen Aktivitäten (oder Müßiggang) zu verbringen, sind wir frustriert, schlecht gelaunt oder traurig. Einer britischen Studie zufolge leiden 67 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich regelmäßig unter solchen „Sunday Scaries“, unter den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 74 Prozent. Das legt nahe, dass auch diejenigen betroffen sind, die ihre Arbeit eigentlich gerne mögen. Woran liegt das?

So entsteht der Sonntagsblues

„Allein der Gedanke an die Arbeit kann schon eine Stressreaktion auslösen“, sagt Psychologin Bettina Löhr, die sich auf den Bereich der individuellen und betrieblichen Gesundheitsförderung spezialisiert hat. Dadurch werde der Körper automatisch in Alarmbereitschaft versetzt – und reagiere ähnlich wie in der Steinzeit. Nur, dass uns heutzutage in der Regel keine Bären jagen, sondern psychosoziale Stressfaktoren. Denn die Entspannung am Wochenende falle uns zum Teil so schwer, weil wir das Gefühl haben, nicht alles erledigt zu haben: Nicht jede Mail haben wir am Freitag beantwortet, nicht jeden Rückruf erledigt. Am Samstag kann man das noch ganz gut ignorieren, aber spätestens am Sonntag holt uns der Gedanke an all die unerledigten Dinge ein.

Welche Rolle spielt Einsamkeit?

Gerade sonntags können auch Langeweile und Einsamkeit aufs Gemüt schlagen. Vielleicht hat man nichts geplant, Familie oder Bekannte leben weit weg oder sind anderweitig eingebunden. Weil Geschäfte geschlossen haben, kann man auch keine Besorgungen machen. Diese unfreiwillige Entschleunigung kann dazu führen, dass wir grübeln und uns vor allem auf die Dinge konzentrieren, die uns Sorgen machen oder für Stress sorgen.

Auswirkungen auf den Körper

Manchmal macht sich der Sonntagsblues auch körperlich bemerkbar, zum Beispiel in Form von Kopf- oder Bauchschmerzen, Herzrasen, Verspannungen oder Schlafproblemen. Es ist übrigens eine ganz normale Reaktion des Körpers, in solchen Stressmomenten auf Alarm zu schalten, quasi als Überlebensstrategie. „Unser Gehirn unterscheidet aber nicht zwischen einer nur vorgestellten und einer tatsächlichen Bedrohung“, sagt Löhr. Die Grenzen zwischen freier Zeit und Arbeit würden immer mehr verschwimmen, erst recht in Zeiten von Homeoffice.

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Warum der Schlafrhythmus so wichtig ist

Mittlerweile gibt es sogar einen Begriff für diesen Übergang von Sonntag auf Montag: Smonday – eine Kombination aus Sunday und Monday. Der erste Tag der Arbeitswoche beginnt für manche quasi schon am Sonntag – und damit auch die vielen Anforderungen und unerledigten Dinge, mit denen wir konfrontiert werden.

„Einerseits spielt es eine Rolle, welche Aufgaben in der Woche auf mich zukommen. Andererseits können die Veränderungen im Wohlbefinden von Sonntag zu Montag auch auf die Umstellung des Schlafrhythmus zurückgehen“, sagt der Arbeits- und Organisationspsychologe Dr. Oliver Weigelt, Juniorprofessor an der Fakultät für Verhaltens- und Sozialwissenschaften der Universität Groningen.

Am Wochenende gehen wir oft viel später ins Bett und stehen entsprechend später auf als unter der Woche. Dadurch entstehe eine Art Jetlag, der es schwerer mache, am Montag wieder in die Gänge zu kommen. Weigelt verweist auf Studien, die belegen, dass Mitarbeiter montags häufiger Fehler machen, und es vermehrt zu Unfällen kommt.

Den Auslösern auf die Spur kommen

Wer bemerkt, dass er oder sie jede Woche stark unter dem Sonntagsblues leidet, sollte sich überlegen, woran das liegen könnte. Was macht besonders viel Angst, was stresst am meisten? Oder kommt vielleicht unter der Woche einfach die Erholung viel zu kurz? Diese Fragen können dabei helfen, den Auslösern auf die Spur zu kommen – und nach Lösungen zu suchen.

„Der Übergang vom Wochenende in die neue Arbeitswoche wird wesentlich durch die Erwartungen der Beschäftigten bestimmt. Entsprechend sollte man mit Aufgaben in die neue Woche starten, die einem leicht von der Hand gehen und die einem helfen, schnell in einen guten Arbeitsfluss zu kommen“, rät Weigelt. Was ebenfalls hilft: Sich bereits am Freitag auf den Montag vorbereiten. Schreiben Sie alle Aufgaben, die in der neuen Arbeitswoche Priorität haben, auf. Dann wissen Sie am Montag gleich, was zu tun ist, ohne das ganze Wochenende darüber nachdenken zu müssen.

Mit Ritualen für Entspannung sorgen

Auch Rituale können helfen. Nehmen Sie sich zum Beispiel ganz bewusst für den Sonntagabend etwas vor, das Ihnen Freude macht und entspannt. Am Anfang braucht es vielleicht etwas Übung, sich wirklich darauf einzulassen. Aber mit der Zeit klappt es immer besser. „Wir können unser Gehirn bewusst umprogrammieren“, erklärt Psychologin Löhr.

Sobald man anfängt, sonntags an die Arbeit zu denken, sollte man die Gedanken konsequent beiseite schieben – und sich klarmachen, dass man sich um berufliche Dinge guten Gewissens am Montag kümmern kann. Laut Löhr auch wichtig: „Erlauben Sie sich selbst, Ihre Freizeit zu genießen.“ Denn wer sich am Wochenende wirklich erholt, startet mit mehr Energie in die neue Woche – und reagiert damit vielleicht auch gelassener auf stressige Situationen.


Quellen:

  • Department of Health and Social Care: Every Mind Matters campaign urges people to be kind to their mind . Online: https://www.gov.uk/... (Abgerufen am 21.06.2024)
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Gegen den Sonntagabend-Blues. Online: https://publikationen.dguv.de/... (Abgerufen am 21.06.2024)