Musterung ab 2027: Was bedeutet das für junge Männer?
Der Wehrdienst in Deutschland ist zurzeit auf freiwilliger Basis. Ab dem 1. Juli 2027 sollen alle Männer, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden, zur Musterung.
© DPA picture alliance / SZ Photo | Catherina Hess
Wer muss ab dem Jahr 2027 zur Musterung?
Ab dem 1. Juli 2027 sollen alle Männer, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden, zur Musterung. Geplant ist, dass im Jahr 2027 nur dieser Jahrgang gemustert wird. Männer, die in Frage kommen, erhalten ein Schreiben.
Was passiert bei der Musterung?
Bei der Musterung prüft eine Ärztin oder ein Arzt der Bundeswehr, ob man gesundheitlich für den Wehrdienst geeignet ist. Dazu gehört eine umfassende medizinische Untersuchung.
Diese findet in sogenannten Karrierecentern sowie in den neu aufzubauenden Musterungszentren der Bundeswehr statt. An einem Tag wird eine bestimmte Anzahl von Personen gemustert. Dabei werden die körperliche, psychische und intellektuelle Eignung der jeweiligen Person festgestellt. Am Ende des Tages gibt es ein konkretes Ergebnis. Dieses wird der zu musternden Person mitgeteilt. In einem abschließenden Beratungsgespräch wird erläutert, wie es für sie weitergehen kann.
Wie läuft die Musterung künftig genau ab?
Zunächst müssen alle freiwilligen Bewerberinnen und Bewerber und Wehrpflichtigen Bewerbungsunterlagen einreichen. Dazu gehört ein Anamnesebogen zur persönlichen Krankengeschichte mit Angaben zu früheren Erkrankungen, Operationen, Allergien, Medikamenten und Suchtmitteln. Erst nachdem die medizinischen Angaben geprüft wurden, erfolgt die Einladung zum Auswahlverfahren.
Eine Voruntersuchung umfasst:
Nach der Voruntersuchung folgt die körperliche Hauptuntersuchung („Musterung“). Dazu gehören:
- Gespräch über die Angaben im Anamnesebogen
- Fragen zu Allergien, Krankheiten, familiären Vorerkrankungen
- Fragen zu Drogen- und Alkoholkonsum
- Durchsicht vorhandener medizinischer Befunde
- Es erfolgt eine körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß. Unter anderem werden Blutdruck und Puls gemessen und Lunge und Gelenke überprüft. Auch eine Tastuntersuchung der Hoden, umgangssprachlich „Eierkontrollgriff“ genannt, wird gemacht. Die vollständige Liste aller Untersuchungen können Sie auf der Website der Bundeswehr ansehen.
Was bedeuten die Tauglichkeitsgrade?
Nach allen Untersuchungen stuft der ärztliche Dienst jede Person in einen Tauglichkeitsgrad ein:
- wehrdienstfähig: Die Person ist gesundheitlich geeignet
- vorübergehend nicht wehrdienstfähig: Die Person hat eine gesundheitliche Einschränkung, die sich voraussichtlich bessert
- nicht wehrdienstfähig: Die Person ist gesundheitlich dauerhaft ungeeignet
Was genau sind Verwendungsgrade?
Während der Tauglichkeitsgrad die Frage beantwortet, ob eine Person überhaupt zur Bundeswehr kann, sagt der Verwendungsgrad, für welche militärischen Tätigkeiten die Person geeignet ist.
T1 – voll wehrdienstfähig und voll verwendungsfähig
Die Person hat keine Gesundheitsstörungen. Zudem hat sie keine Zahnspange oder eine Fehlsichtigkeit.
T2 – wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit Einschränkungen
Personen, die kleiner als 175 Zentimeter oder großer als 184 Zentimeter sind, werden als T2 eingestuft. Das passiert auch bei leichten Gesundheitsstörungen wie Wirbelsäulen- oder Gelenkveränderungen, Allergien oder einer Fehlsichtigkeit bis zu einem bestimmten Grad. Für die Offizierslaufbahn ist mindestens T2 erforderlich.
T3 – verwendungsfähig mit Einschränkung in der Grundausbildung und für bestimmte Tätigkeiten (nur für freiwilligen Wehrdienst)
T4 – vorübergehend nicht wehrdienstfähig
Eine Person hat im Moment eine Erkrankung, bei der noch nicht absehbar ist, welche Auswirkung sie auf die Wehrdienstfähigkeit hat.
T5 – nicht wehrdienstfähig
Eine Person hat eine schwere chronische Erkrankung oder Einschränkungen wie Asthma, Epilepsie oder schlecht eingestellter Diabetes. Eine vollständige Liste können Sie auf der Website der Bundeswehr ansehen.
T6 – verwendungsfähig als Reservist oder Reservistin
Für Reservisten eingeführt. Erlaubt Teilnahme an Wehrübungen und bestimmten Einsätzen.
Wer wird ausgemustert?
Man wird ausgemustert, wenn man den Tauglichkeitsgrad 5 (nicht wehrdienstfähig) hat. Größe und Gewicht können weitere Ausschlussgründe sein.
Müssen Frauen zur Musterung?
Frauen müssen in Deutschland nicht zur Musterung. Sie bekommen trotzdem den Fragebogen zur persönlichen Krankengeschichte. Den können sie freiwillig ausfüllen.
Bei welchen Ärztinnen und Ärzten kann man die Untersuchung machen?
Grundsätzlich wird die ärztliche Untersuchung bei der Musterung zentral organisiert — zum Beispiel durch den ärztlichen Dienst der Bundeswehr beziehungsweise durch von der Bundeswehr beauftragte Ärztinnen und Ärzte.
Quellen:
- Bundewehr: Bundeswehr ärztliche Untersuchung. https://einstellungstest-bundeswehr.de/... (Abgerufen am 19.11.2025)



