Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Mensch selbst bilden kann. Es ist streng genommen ein Hormon und wichtig für den Knochenaufbau und viele andere Vorgänge im Körper. Seine Produktion erfolgt zu 80 bis 90 Prozent in unserer Haut. Für diesen Prozess benötigen wir aber Sonnenlicht – genauer: UV-B-Strahlen, die aber auch Hautkrebs begünstigen.

12 Minuten in die Sonne

Damit unser Körper genug Vitamin D herstellen und für die Wintermonate speichern kann, benötigt er jedoch nur sehr kurze, ungeschützte Sonnenaufenthalte. Es reicht, Gesicht, Hände und Arme zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche der Sonne auszusetzen. Und zwar nur die Hälfte der Zeit, in der ein Sonnenbrand entstehen würde, so die Empfehlung des Bundesamts für Strahlenschutz. Bei blonden, blauäugigen Menschen zum Beispiel sind dies etwa zwölf Minuten.

Sonnencreme verlängert die natür­liche Schutzdauer der Haut, und ein Teil der UV-Strahlung dringt trotzdem ein. Deshalb gilt als gesichert, dass UV-Schutz die Vitamin-D-Bildung nicht blockiert und niemand aus Sorge vor einem Mangel darauf verzichten sollte.

Wie viel Sonne brauchen wir?

Wie viel Sonne brauchen wir?

Professor Eckhardt Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention

Professor Eckhardt Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention

Herr Professor Breitbart, sind Menschen in Deutschland besonders gefährdet, durch einen Vitamin-D-­Mangel an Knochenschwund zu ­erkranken?

Die wenigsten. Die Sonneneinstrahlung im Sommerhalbjahr reicht in der Regel, damit im Fett- und Muskelgewebe genug Vitamin D gespeichert werden kann, um über den Winter zu kommen. Dazu muss man weder ins Solarium noch durch Sonnenbäder Hautkrebs riskieren.

Sonnenschutz stört die Vitamin-D-Produktion nicht?

Sonnencreme kann UV-Strahlen nicht zu 100 Prozent abblocken. Zudem tragen die wenigsten Menschen genug auf – zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut –, und viele halten sich im Sommer mehr als dreimal pro Woche länger als 15 Minuten im Freien auf. Gegen Vitamin-D-­Mangel kann man Tabletten ­nehmen, gegen Hautkrebs nicht.

Empfehlen Sie die Einnahme der Tabletten?

Sie ist sinnvoll bei Kindern unter drei Jahren, bei Menschen mit Osteoporose oder Osteoporoserisiko sowie bei Menschen, die bettlägerig sind und nicht mehr so oft ins Freie kommen.

Was die Vitamin-D-Bildung erschwert

Äußere Faktoren
Ungünstige Wetterverhältnisse wie starke Bewölkung, niedrige Höhenlage, hoher Ozongehalt der Luft, starke Luftverschmutzung

Individuelle Faktoren
Höheres Lebensalter, dunklere Hautfarbe, chronische Magen-, Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen, bestimmte Medikamente (etwa Antiepileptika oder Zytostatika) sowie Kleidungsgewohnheiten mit wenig nackter Haut

Mangelhaft versorgt sind circa 15 Prozent der deutschen Erwachsenen. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Rachitis, Osteomalazie, Osteoporose.

Suboptimal versorgt sind circa 40 Prozent. Es besteht ein mögliches ­Risiko für die Knochengesundheit. Zusammenhänge mit Infektanfälligkeit, Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden diskutiert.

ausreichende Versorgung
20 ng/ml bis 50 ng/ml

suboptimale Versorgung
12 ng/ml bis 19 ng/ml

mangelhafte Versorgung
unter 12 ng/ml

Quelle: Robert-Koch-Institut

Fazit

Sonnencreme hält UV-Strahlen nicht zu 100 Prozent ab und verlängert die Eigenschutzzeit je nach Hauttyp. Zwei bis drei kurze Aufenthalte pro Woche in der Sonne reichen dem Körper, um genug Vitamin D zu produzieren und zu speichern. Wer länger draußen ist, sollte Sonnenschutz auftragen, um das Hautkrebsrisiko klein zu halten.

Bei Risikogruppen und nach ärzt­licher Rücksprache kann eine zusätzliche Vitamin-D-Einnahme sinnvoll sein. Bei Unterversorgung drohen Knochenschwund (Osteoporose) und Knochenerweichung (Osteomalazie) sowie Rachitis bei Kindern. Umstritten ist, wie viele Deutsche tatsächlich an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Laut Robert-Koch-Institut sind 15 Prozent der deutschen Erwachsenen mangelhaft versorgt.

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