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Warum gelten Paranüsse als gesund?

Paranüsse haben einen hohen Fettanteil, beim Verzehr nimmt man deshalb verhältnismäßig viele Kalorien auf. Es handelt sich jedoch überwiegend um ungesättigte Fettsäuren, die teilweise entzündungshemmend wirken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können.

Allerdings ist das Verhältnis zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Fettsäuren bei Paranüssen nicht besonders günstig. Immerhin, die meisten anderen Inhaltsstoffe von Paranüssen sind gesund: Sie enthalten viel pflanzliches Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Vor allem wegen ihres hohen Selengehalts werden Paranüsse immer wieder als gesund angepriesen. Bei einer ausgewogenen Ernährung hat man aber in aller Regel keinen Selenmangel.

Weshalb ist Selen für den Körper wichtig?

Selen ist ein wichtiger Bestandteil vieler Enzyme in unserem Körper. Das sind komplexe Eiweißmoleküle, die im Körper wichtige Funktionen übernehmen. Ein paar Beispiele:

  • Selen hilft dabei, Zellen vor schädlichen Verbindungen (sogenannten freien Radikalen) zu schützen, die unter anderem durch Nikotin, Alkohol oder bei intensiver Sonneneinstrahlung gebildet werden.
  • Selenhaltige Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Schilddrüsenhormonen, die wiederum an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt sind.
  • Selen trägt dazu bei, dass das Immunsystem richtig funktioniert. Es stimuliert unter anderem die Bildung von Antikörpern und Immunzellen.
  • Selen trägt zur Produktion und Funktion von Spermien bei.

Fehlt dem Körper Selen, kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen: Muskelfunktion und Immunsystem können beeinträchtigt werden, zudem steigt das Risiko für verschiedene Erkrankungen, unter anderem der Schilddrüse.

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Paranuss: Selenreiche Frucht

Weil die Paranuss relativ kalorienreich ist, sollte man sie nur in Maßen genießen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil sie recht viel radioaktives Radium enthält. zum Artikel

Warum rät das Bundesamt für Strahlenschutz zur Vorsicht?

Nahrungsmittel enthalten natürlicherweise radioaktive Stoffe, sogenannte Radionuklide. In Paranüssen aber kommen diese, insbesondere Radium, in deutlich erhöhtem Maße vor. Das liegt daran, dass Paranuss-Bäume über ihr weit verzweigtes und feines Wurzelsystem vermehrt Radionuklide aus dem Boden aufnehmen.

Das in Paranüssen enthaltene, radioaktive Radium kann ähnlich wie Kalzium in Knochen und Zähne eingelagert werden. Daher empfiehlt das BfS, auf den übermäßigen Verzehr von Paranüssen zu verzichten. Das gelte besonders dann, wenn die Knochen wachsen.

Wer sollte Paranüsse meiden?

Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern empfiehlt das BfS, auf Paranüsse zu verzichten. Weil Kinder – wie oben beschrieben – das Radium in wachsende Knochen einlagern, kann es zu einer erhöhten Strahlendosis kommen.

„Aus Vorsorgegründen ist Kindern daher zu empfehlen, Paranüsse zu meiden“, sagt Dr. Martin Steiner, der den Bereich Radioökologie am Bundesamt für Strahlenschutz leitet. Bei Schwangeren sollte das ungeborene Kind vor einer unnötigen Strahlendosis geschützt werden. Und stillende Mütter geben die Radioaktiviät zum Teil über die Muttermilch weiter. Für alle anderen Erwachsenen gilt laut BfS: „Ein maßvoller Verzehr von Paranüssen ist unbedenklich.“

Ab und zu – also nicht täglich – eine Handvoll Paranüsse zu essen, ist völlig in Ordnung

Wie viele Paranüsse darf man essen?

Was „maßvoll“ bedeutet, muss laut BfS jeder und jede ein Stück weit selbst abschätzen.

Eine Modellrechnung: Verzehrt ein Erwachsener ein Jahr lang täglich zwei Paranüsse, bekommt er dadurch eine zusätzliche Strahlendosis von 160 Mikrosievert ab. Bei einer durchschnittlichen Ernährung (ohne Paranüsse) nimmt man jährlich etwa 300 Mikrosievert auf. Berücksichtigt man alle natürlich vorkommenden Strahlungsquellen, ist jeder Mensch in Deutschland im Jahr einer Strahlendosis von 2100 Mikrosievert ausgesetzt.

Dies sei allerdings nur ein Durchschnittswert, betont Steinert: Je nachdem, wo und wie man lebe, könne man auch einer Strahlendosis von bis zu 10 000 Mikrosievert ausgesetzt sein. „Je nach persönlicher Risikoabwägung kann man zu dem Schluss gelangen, dass angesichts dieser Schwankungen zwei Paranüsse am Tag keine Rolle spielen. Jemand anderes hält eine Paranuss am Tag und damit ein Mehr von 80 Mikrosievert im Jahr für unbedenklich. Oder man will die Strahlung insgesamt so gering wie möglich halten und verzichtet ganz auf Paranüsse. Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Steiner. Seine Einschätzung: „Ab und zu – also nicht täglich – eine Handvoll Paranüsse zu essen, ist völlig in Ordnung. Die zusätzliche Strahlendosis ist in diesem Fall sehr gering.“

Linsen

Spurenelemente: Dafür brauchen wir sie

Spurenelemente sind Mineralstoffe, die unser Körper nur in sehr geringer Menge enthält und benötigt. Dazu gehören zum Beispiel Eisen, Zink oder Jod zum Artikel

Welche anderen Selenquellen gibt es?

Selen kommt nicht nur in Paranüssen, sondern beispielsweise in Fleisch, Fisch und Eiern vor. Auch pflanzliche Lebensmittel können einen erhöhten Selengehalt aufweisen, etwa Brokkoli, Weißkohl, Knoblauch, Zwiebeln, Pilze, Hülsenfrüchte und Spargel. Der Gehalt an Selen variiert dabei je nach Anbaugebiet. So sind die Böden in Europa selenärmer als etwa in den USA.

Natürlich gibt es auch Nahrungsergänzungsmittel mit Selen. Grundsätzlich sollten Vitamine und Mineralstoffe über die normale Nahrung aufgenommen werden. Angesichts der vielen Lebensmittel, in denen Selen vorkommt, dürfte es meist nicht nötig sein, zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen. In manchen Fällen, etwa bei Menschen, die eine Dialyse brauchen, Essstörungen oder Krankheiten, die die Nährstoffaufnahme im Darm beeinträchtigen, kann eine Ergänzung sinnvoll sein. Dies sollte man mit Arzt oder Ärztin besprechen. Denn zu viel Selen kann schaden. Führt man sich dauerhaft zu viel von dem Spurenelement zu, kann dies unter anderem zu Nervenstörungen, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall führen.


Quellen:

  • Mehdi Y, Hornick J-L, Istasse L et al. : Selenium in the Environment, Metabolism and Involvement in Body Functions . In: Molecules 13.03.2013, 18: 3292-3311
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Selen, Ausgewählte Fragen und Antworten zu Selen. Online: https://www.dge.de/... (Abgerufen am 10.06.2024)
  • Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Natürliche Radioaktivität in Paranüssen. Online: https://www.bfs.de/... (Abgerufen am 10.06.2024)
  • Verbraucherzentrale Bayern e.V. : Wie gesund sind Paranüsse?, Essen, Trinken und Genuss – hätten Sie‘s gewusst?. Online: https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/... (Abgerufen am 10.06.2024)