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Die weiteren Inhalte dieses Textes beziehen sich auf Haushalte, in denen es keinen Corona-Verdacht gibt.

Desinfektion von Oberflächen zuhause meist nicht sinnvoll

Nicht nur sauber, sondern "hygienisch rein" – so werden antibakterielle Wischtücher, Toilettensprays oder Waschmittel für zu Hause beworben. Die chemischen Inhaltsstoffe sollen Keime abtöten oder zumindest in ihrem Wachstum hemmen und auf diese Weise Infektionen verhindern.

Die Desinfektion von Toilettensitzen, Türklinken oder Küchenoberflächen ist in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen sinnvoll und notwendig, wo alte, schwer kranke und immungeschwächte Menschen eng zusammenleben.

Deutsche übertreiben mit der Sauberkeit

In privaten Haushalten halten Hygieneexperten sie jedoch nur in absoluten Ausnahmefällen für angebracht – und auch dann nur zeitlich begrenzt und in Absprache mit dem Arzt.

"Das ist etwa der Fall, wenn ein Bewohner eine hochansteckende Infektion mit Noroviren hat – und ein anderer eine geschwächte Immun­abwehr, weil er Medikamente nimmt, die diese unterdrücken", sagt Dr. Ralf Dieckmann. Er arbeitet am Bundesinstitut für Risikobewertung in der Fachgruppe für Produkthygiene und ­Desinfektionsstrategien und weiß: Deutsche Haushalte übertreiben es manchmal mit der Sauberkeit.

Die regelmäßige Reinigung mit sanften Mitteln reicht laut Experten wie Dieckmann aus, um das Zuhause gesund und sauber zu halten. Gegen kalkhaltige Verunreinigungen helfen Essigreiniger, bei fest Anhaftendem, ­­etwa Fett, eignen sich zum Beispiel Scheuermittel. Hat eine Person im Haushalt einen Magen-Darm-­Infekt oder Fußpilz, genügt es, Kleidung, Handtücher und Bettzeug bei mindestens 60 Grad zu waschen.

Weniger ist manchmal mehr

Von den vielen Reinigungsprodukten, die in den Supermarktregalen stehen, braucht man nach Auskunft der Verbraucherzentrale NRW nur ­einen Bruchteil: neutralen Allzweck­reiniger, Scheuerpulver oder Kratzschwamm, Essigreiniger oder Zitronensäure. Und für das Geschirr ein Handspülmittel, das auch den Allzweckreiniger ersetzen kann.

Für saubere Hände genügt es, sie oft und gründlich mindestens 20 Sekunden lang mit Seife zu waschen, vor allem vor dem Kochen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang und dem Kontakt mit Tieren. Dabei Nägel und Fingerzwischenräume nicht vergessen. Dass antibakterielle Seifen das Ansteckungsrisiko der "Normalbevölkerung" nicht verringern, zeigten große Studien schon vor Jahren.

Hinzu kommt: "Antibakterielle Mittel töten nicht nur Keime ab, die wir loswerden wollen, sondern können auch die Hautgesundheit und die natürliche Haut­flora beeinträchtigen", sagt Dieckmann. In der Folge kann die Hautbarriere geschädigt werden, Keime dringen möglicherweise sogar leichter ein.

Resistent gegen Desinfektionsmittel

Werden Desinfektionsmittel falsch eingesetzt, kann dies darüber hinaus zu sogenannten Resistenzen führen. Das bedeutet, dass zum Beispiel Bakterien Abwehrmechanismen gegen die Mittel bilden können. Dieckmann hält es auch deshalb für sehr wichtig, zu Hause bei Desinfektionsmitteln zu sparen: "Dann entfalten die Substanzen dort weiterhin ­ihre Wirkung, wo sie wirklich dringend benötigt werden: auf der Intensivstation einer Klinik etwa."

Denn alles, was wir im Haushalt verwenden, gelangt über die Luft oder das Abwasser auch in die Natur, wo es für andere Lebewesen und Pflanzen giftig sein kann.

Richtig mit Lebensmitteln umgehen

In der Küche muss nicht desinfiziert werden. Dort garantiert nicht nur das Putzen, sondern auch der richtige Umgang mit Lebensmitteln ­ein ausreichendes Maß an Hygiene: rohes Hühnerfleisch etwa, das mit Salmonellen belastet sein kann, auf einem eigenen Brett mit einem eigenen Messer schneiden, danach gleich Hände, Brett und Messer gründlich reinigen.

Für andere Lebensmittel neue ­Gerätschaften benutzen, um zu vermeiden, dass Verunreinigungen übertragen werden. "Wenn Sie auf derselben Unterlage Salat schneiden, der vor dem Essen nicht erhitzt wird, kann es zu Infektionen kommen", sagt Dieckmann.

Alle Gegenstände, die mit rohen Eiern oder deren Schalen in Berührung kommen, sollten umgehend gereinigt, Reste sofort in den Müll gegeben werden – den man regelmäßig entleert. "Behalten Sie auch Ihren Kühlschrankinhalt im Blick", rät Dieckmann. Verdorbenes Fleisch und Gemüse haben darin nichts zu suchen.

Mikroorganismen gehören dazu

Im Übrigen, bemerkt der Experte, halte der Effekt von Desinfektionsmitteln im Haushalt nie lange an: Egal ob in der Toilette oder im Hundenapf – bei der nächsten Nutzung gelangen wieder Keime hinein.

Abgesehen davon, dass Mikroorganismen zu unserem natürlichen Umfeld gehören, bieten viele Desinfektionsmittel ohnehin keinen kompletten Schutz. Manche beseitigen nur Bakterien und Pilze, aber keine Sporen, oder sie wirken nur mäßig gegen Viren. Gut also, dass wir mit den allermeisten Keimen die allermeiste Zeit über allein klarkommen.

Weitere Informationen bei der Bundeszentrale für gesundheit­liche Aufklärung: www.infektionsschutz.de/hygienetipps/desinfektionsmittel