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Farbenschwäche / Farbenblindheit

Bei einer Farbenschwäche (Farbsinnstörung) erkennen Menschen bestimmte Farben nur eingeschränkt. Wenn eine Rot- oder Grünblindheit vorliegt, haben die Betroffenen ein stark reduziertes Farbensehen und können viele Farben nicht unterscheiden

von Carolin Collin, aktualisiert am 14.08.2020

Farbsinnstörung / Farbenblindheit – kurz erklärt

Bei der Farbensehschwäche handelt es sich um eine Farbsinnstörung (Anomalie), bei welcher bestimmte Farbtöne aufgrund einer Fehlfunktion der Zapfen schlechter gesehen werden können, wie beispielsweise Grün. Dann ist von einer Grün-Schwäche die Rede. Bei einer teilweise bestehenden Farbenblindheit kann eine Farbe gar nicht gesehen werden, da die Zapfen funktionslos oder gar nicht erst angelegt sind. Bei einer kompletten Farbenblindheit, werden gar keine Farben wahrgenommen, sondern lediglich hell-dunkel Kontraste, der Betroffene sieht seine Welt in unterschiedlichen Grautönen.

Ursächlich für eine Störung des Farbensehens sind meist genetische Veranlagungen (angeborene Form), seltener können sie durch andere Erkrankungen oder Medikamente (erworbene Form) ausgelöst sein.

Um eine Farbsinnstörung zu diagnostizieren, kommt der augenärztlichen Vorsorgeuntersuchung eine große Bedeutung zu, da Menschen mit angeborenen Farbsinnstörungen ihre Einschränkung häufig nicht bemerken. Bei einer kompletten Farbenblindheit sehen die Betroffenen sehr verschwommen und sind deutlich blendempfindlich, sodass die Diagnose meist früh im Kindesalter gestellt wird.

Eine Therapie der Farbensehschwäche und -blindheit ist nicht möglich. Tierexperimentelle Studien der Universitäten Tübingen und München sind sehr vielversprechend und es besteht die Hoffnung, dass in einigen Jahren eine Gentherapie auch für den Menschen zur Verfügung steht.

Was sind Farbsinnstörungen? Was ist eine Farbenblindheit?

Auch wenn viele Menschen unter den Begriffen Farbsinnstörung (Farbsehstörung, Farbsehschwäche) und Farbenblindheit dasselbe verstehen, liegen dennoch verschiedene Störungen zugrunde.

  • Farbsinnstörung (Farbsehstörung)

Ein Mensch, der eine Farbsinnstörung oder -schwäche hat, erkennt manche Farbtöne nur eingeschränkt. Dabei sind alle Sinneszellen in der Netzhaut, mit denen er farbig sieht (Rot-, Grün- und Blau-Zapfen), vorhanden. Allerdings funktioniert ein Teil von ihnen fehlerhaft – bei einer Grünschwäche (Deuteranomalie) sind die "Grün"-Zapfen betroffen, bei einer Rotschwäche (Protanomalie) die "Rot"-Zapfen. Zirka acht Prozent aller Männer, aber nur 0,5 Prozent der Frauen sind von einer Farbsinnstörung betroffen.

  • Farbenblindheit

Hier sind die Zapfen für eine bestimmte Farbe funktionslos oder gar nicht angelegt. Man spricht dann auch von einer teilweise bestehenden Farbenblindheit (partielle Farbenblindheit). Der Betroffene hat dann beispielsweise eine Grün-Blindheit (Deuteranopie). Von einer kompletten Farbenblindheit (Achromasie) dagegen spricht man, wenn keine Farben gesehen werden können. Der Betroffene sieht seine Umgebung nur in unterschiedlichen Grau-Schattierungen. Grund hierfür ist meist ein komplettes Fehlen der Zapfen auf der Netzhaut, seltener eine Störung in Regionen, welche für das Sehen zuständig sind (beispielsweise Erkrankungen des Sehnervs oder Gehirnregionen).

Auge

Funktion der Stäbchen und Zapfen

In der Netzhaut des Auges befinden sich zwei verschiedene Sinneszellen (Photorezeptoren), die für die Sehfähigkeit sorgen: die Zapfen und die Stäbchen. Während die Zapfen für das farbige Sehen bei Tag zuständig sind, unterscheidet das Auge über die Stäbchen zwischen Hell und Dunkel, was vor allem in der Dämmerung und nachts wichtig ist.

Es existieren drei verschiedene Sorten von Zapfen: Rot-, Grün- und Blauzapfen. Jede dieser drei Sorten reagiert auf einen eigenen Farbbereich empfindlich – entweder Rot, Grün oder Blau. Werden die Zapfen durch Licht einer bestimmten Wellenlänge angeregt, wandeln sie diesen Reiz in elektrische Impulse um. Die gelangen in das Gehirn, wo die eigentliche Farbempfindung stattfindet.

Bei einer Farbsehschwäche sind die betroffenen Zapfen in ihrer Funktion eingeschränkt. Liegt eine teilweise (partielle) Farbenblindheit vor besitzen die Betroffenen nur zwei funktionstüchtige Zapfentypen, wodurch das Farbsehen erheblich reduziert ist. Bei einem Grünblinden (Deuteranopie) fehlen beziehungsweise arbeiten die Grünzapfen nicht, bei einem Rotblinden (Protanopie) entsprechend die Rotzapfen.

Nur sehr selten können Menschen gar keine Farbnuancen wahrnehmen – sehen also nur schwarz, weiß und Grautöne. In diesem Fall liegt eine totale Farbenblindheit (Achromasie) vor.

Ursachen: Wie kommt es zu Farbsinnstörungen / Farbenblindheit?

Farbsinnstörungen können angeboren oder erworben sein. Angeborene Farbsinnstörungen werden genetisch über das X-Chromosom vererbt. Fast immer handelt es sich um eine Rot-Grün-Störung (siehe Hintergrundinformation Vererbung weiter unten). Bei den angeborenen Formen sind beide Augen betroffen.

Bei den erworbenen Farbsinnstörungen steht vor allem eine Blau-Gelb-Sinnstörung (Tritanopie) im Vordergrund. Zu den Auslösern einer erworbenen Farbsinnstörung zählen zum Beispiel Krankheiten der Netzhaut (Retina) wie die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) oder Krankheiten des Sehnervs (Nervus opticus). Aber auch Medikamentennebenwirkungen können zu einer erworbenen Farbsinnstörung führen. Ebenso kann ein Grauer Star (Katarakt) das Farbsehen abschwächen, insbesondere das der Farbe Blau. Betroffene erkennen diese Farbe erst, wenn es sich um ein deutliches kräftigeres Blau handelt. Nach dem erfolgten Austausch der getrübten Linse (Katarakt-Operation) werden neben der Verbesserung der Sehschärfe auch wieder die normalen Farben bemerkt.

In diesem Artikel behandeln wir überwiegend die angeborenen Farbsinnstörungen, das heißt, vor allem Einschränkungen im Rot-Grün-Bereich. Bei erworbenen Farbsinnstörungen handelt es sich häufig um eine Beeinträchtigung des Blau-Gelb-Sinns.

Vererbung: Farbsehstörung

Vererbung der Rot-Grün-Schwäche

Die Rot-Grün-Schwäche ist eine x-chromosomal rezessiv vererbbare Erkrankung. Das bedeutet, dass die Erkrankung über ein Gen auf dem X-Chromosom (Geschlechtschromosom) vererbt wird und nur zur Ausprägung kommt, wenn es nicht von einem gesunden Gen eines X-Chromosoms ausgeglichen wird.

Ein Mann hat ein X- und ein Y-Chromosom (XY).

Eine Frau zwei X-Chromosomen (XX).

Hat eine Frau ein defektes und ein gesundes Gen auf dem X-Chromosom (xX), dann überdeckt das gesunde Gen das kranke und sie hat keine Farbsehschwäche. Sie kann aber das defekte Gen über das betroffene Chromosom an ihre Kinder vererben, sie ist eine sogenannte Konduktorin (siehe unser Bildbeispiel oben).

Hat ein Junge / Mann ein defektes Gen auf dem X-Chromosom (xY), kann dies nicht ausgeglichen werden und es kommt daher zur Ausprägung der Farbsinnschwäche.

Somit ist auch erklärbar, warum eine Farbsinnschwäche deutlich häufiger bei Männern als bei Frauen auftritt. Eine Frau kann diese nur entwickeln, wenn sie von beiden Eltern ein defektes Gen auf dem X-Chromosom erhält (xx).

Symptome: Welche Beschwerden bereiten eine Farbsinnstörung / Farbenblindheit?

Sieht ein Mensch von Geburt an bestimmte Farben schwächer oder gar nicht, ist ihm dies oft nicht bewusst. Schließlich hat er nie erlebt, wie die Farben normalerweise aussehen. Erst wenn Angehörige oder Bekannte den Betroffenen darauf ansprechen, fällt ihm auf, dass er Farben anders oder überhaupt nicht wahrnimmt. Daher kommt der Früherkennung eine große Bedeutung zu.

  • Rotsinnschwäche / Rotblindheit

Bei einer Rotsinnschwäche wird die Farbe Rot schlechter wahrgenommen und kann zudem schlecht von grün unterschieden werden. Rot liegt am Ende des sichtbaren Spektrums. Das heißt, ein Rotblinder hat ein verkürztes (kleineres) sichtbares Spektrum und für ihn verliert das Rot zunehmend auch an Helligkeit. Ein typisches Beispiel ist der vermeintlich "dunkelrote" Pullover, den eine Person mit einer Rotsinnschwäche eingekauft hat. In Wirklichkeit ist der Pullover aber hell und pink.

Der Rotblindheit kommt eine besondere Bedeutung zu, denn Menschen, die diese Farbe nicht wahrnehmen, erkennen auch ein kräftiges Rot nicht. Sie sehen zum Beispiel bei Nebel nicht das rote Rücklicht des vor ihnen fahrenden Autos und erkennen somit erst viel später, dass ein Auto vor ihnen fährt.

  • Grünsinnschwäche / Grünblindheit

Menschen, die Grün schwächer wahrnehmen, beschreiben diesen Farbton nur dann richtig, wenn er sehr kräftig ist, je nachdem, wie stark die Schwäche ausgeprägt ist.

Sind sie von einer Grünblindheit betroffen, können sie Grün und Rot ebenfalls schlecht voneinander unterscheiden.

  • Komplette Farbenblindheit (Achromasie)

Total farbenblinde Menschen, sogenannte Achromaten, haben eine auf zehn bis 20 Prozent reduzierte Sehschärfe und sehen Gegenstände bei Tageslicht unscharf und farblos. Zudem leiden die Betroffenen oft an einem Augenzittern (Nystagmus) und sind stark lichtempfindlich. Bei schwachen Lichtverhältnissen – zum Beispiel nachts – sehen sie fast genauso gut wie eine Person, die Farben ganz normal erkennt.

Personen, die eine bestimmte Farbe gar nicht oder nur eingeschränkt erkennen, eignen sich für manche Berufe nur bedingt. Diese dürfen erst nach dem Bestehen umfangreicher Prüfungen ausgeführt werden. Auch im Straßenverkehr haben sie teils Probleme. Für Zugführer, Piloten und auch für den privaten Bootsführerschein ist ein korrektes Farbensehen unabdingbar.

So sieht die Welt bei einer Grünschwäche aus.
Farbsehtest Ishihara Rot-Grün-Farbschwäche

Diagnose: Wie wird eine Farbsinnstörung / Farbenblindheit festgestellt?

  • Pseudochromatische Test-Tafeln

Bei der Früherkennung von Farbsinnstörungen helfen sogenannte pseudoisochromatische Tafeln (zum Beispiel Ishihara-Tafeln, Vellhagen-Tafeln). Diese Farbtafeln basieren auf der Tatsache, dass ein Mensch mit beeinträchtigtem Farbsehen Farbtöne auch aufgrund der Helligkeit beurteilt und damit sogar oft die richtige Farbe benennen kann.

Daher enthalten die verwendeten Farbtafeln verschieden große Farbkreise, die aus unterschiedlichen Farben mit unterschiedlichem Farbkontrast, aber identischer Helligkeit bestehen. Personen, deren Farbensinn gestört ist, wird damit ihr Hilfsmittel – der Helligkeitsunterschied zur Erkennung der Farben – genommen. Auf den Tafeln befinden sich Buchstaben oder Zahlen, die aus zahlreichen Farbpunkten zusammengesetzt sind. Eine Person mit normaler Sehfähigkeit kann aus den Punkten eine Zahl oder einen Buchstaben erkennen. Für Kleinkinder gibt es Tafeln, auf denen keine Buchstaben oder Zahlen zu erkennen sind, sondern beispielsweise Tiere oder Figuren. Liegt eine Farbsehstörung vor, nimmt der Betroffene die dargestellten Symbole nicht oder nicht richtig wahr. Diese Tafeln eignen sich gut als Screening-Test (=Vorsorgetest). Mit ihnen lässt sich feststellen, ob eine Farbsehschwäche oder -blindheit vorliegt.

Es ist aber nur beschränkt möglich, damit die genaue Ausprägung der einzelnen Farbsinnstörungen zu unterscheiden. Hat der Patient Probleme die Tafeln richtig zu lesen, kann ein Augenarzt mit einer zusätzlichen Untersuchung die vorliegende Farbsinnstörung genauer einteilen, und zwar mit dem sogenannten Anomaloskop.

  • Anomaloskopische Untersuchung

Dabei betrachtet der Patient über ein langes Rohr zwei Halbkreise. Der eine Halbkreis besteht aus einem reinen Gelb, der andere aus einer Mischung von Rot und Grün. Dem Patient wird ein bestimmtes Gelb im unteren Halbkreis angeboten und dieses Gelb soll er durch die Mischung von Rot und Grün im oberen Halbkreis angleichen. Mit diesem Test wird die Rot-Grün-Schwäche bestimmt. Hat ein Mensch zum Beispiel eine Grünschwäche, mischt er zu viel Grün dazu. Hat er eine Rotschwäche, fügt er zuviel Rot hinzu. Aus den Farbanteilen lässt sich der sogenannte Anomalie-Quotient errechnen und das Ausmaß der Farbsinnstörung bestimmen. Die Untersuchung ist nicht ganz einfach und kann bei kleineren Kindern nicht durchgeführt werden. Es gibt auch Anomaloskope zur Diagnostik einer Blau-Schwäche, welche aber nur sehr selten verwendet werden.

Die angeborene totale Farbenblindheit wird wegen ihrer ausgeprägten Symptome schon im Kleinkindalter diagnostiziert.

Therapie: Wie wird einen Farbsinnstörung / Farbenblindheit behandelt?

Für eine angeborene Farbsinnschwäche oder –blindheit gibt es bislang keine Therapie, welche die Ursache beheben kann, da es sich um einen genetischen Defekt handelt. Es kann jedoch in einigen Jahren mit einer Gentherapie gerechnet werden.

Immer wieder werden spezielle Brillen oder Kontaktlinsen zur Behebung einer Farbsinnstörung angeboten. Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Brillen nichts nützen. Sie ändern nur den Farbkontrast und nicht das Farbsehvermögen des Betroffenen. Mit dem veränderten Farbkontrast kann der Betroffene gegebenenfalls Farbtafeln (zum Beispiel Ishihara-Tafeln, siehe Abschnitt Diagnose) richtig lesen. Dafür sieht er dann andere Farben völlig falsch. Diese Brillen sind auch für Eignungstests – etwa für den Führerschein, den Segelbootschein oder den Flugschein – nicht zugelassen.

Bei Menschen, die vollständig farbenblind sind, können Brillen mit getönten Gläsern und entsprechender Stärke die Beschwerden – vor allem die starke Blendempfindlichkeit – lindern. Eine Verbesserung der Sehschärfe ist mit Brillen nicht möglich.

Es ist wichtig, dass Menschen von einer vorliegenden Farbsehstörung wissen beziehungsweise diese früh erkannt wird. Denn in vielen Berufen müssen Arbeitnehmer Farben normal erkennen können. Das gilt zum Beispiel für Busfahrer, Lokomotivführer, Piloten aber auch Elektroniker.

Unser beratender Experte:

Professor Dr. med. Thomas Berninger ist Facharzt für Augenheilkunde und seit 1991 als niedergelassener Augenarzt bei München tätig. Nach einer zweieinhalbjährigen Tätigkeit am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim begann er 1984 an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Professor Dr. med. Otto-Erich Lund seine Facharztausbildung. Diese wurde durch einen 18-monatigen Forschungsaufenthalt am Moorfields-Eye Hospital in London unterbrochen. Der wissenschaftliche Schwerpunkt dort: die objektive Untersuchung des Farbensehens.

1991 habilitierte er an der LMU in München in dem Fach Augenheilkunde. Thomas Berninger organisiert seit 30 Jahren Fortbildungsveranstaltungen für Augenärzte an der Universitäts-Augenklinik Mathildenstrasse (München) mit dem Schwerpunkt Farbensehen, Elektrophysiologie sowie Sehnerv- und Netzhautdiagnostik. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der objektiven Untersuchung der Sehfunktion, der Diagnostik und Therapie von Netzhauterkrankungen sowie der Kinderophthalmologie.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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