Baby und Familie

Frisch renoviert und liebevoll eingerichtet steht das Kinderzimmer bereit fürs Baby. Doch mit all dem neuen Glanz zieht manchmal auch ein merkwürdiger Geruch ein. Was einem da in die ­Nase steigt, sind Ausdünstungen, sogenannte leichtflüchtige organische Verbin­dungen. Diese winzigen chemischen Partikel befinden sich in der Farbe für die Wand und im ­Holz der neuen Wickelkommode. Nun schweben sie in der Luft und verderben im wahrsten Sinn des Wortes das Klima im Raum.

In Wohnräumen ist die Luft oft schlecht

Die Luft, die wir im gesamten Wohnbereich ein- und ausatmen, ist oftmals schlechter als die draußen. Der Grund sind neben den leichtflüchtigen organischen Verbindungen auch Schimmelpilze und schwerflüchtige Verbindungen wie etwa Weichmacher oder Holzschutzmittel. Einige dieser Subs­tanzen können der Gesundheit ziemlich zusetzen oder auch Aller­gien verursachen. "Wir verbringen 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Ein guter Grund, sich Gedanken um die Luft dort zu machen", sagt Dr. Heinz-Jörn Moriske. Er ist Geschäftsführer der Kommission Innen­raumlufthygiene des Umweltbundesamtes in Berlin. Zusammen mit seinen Kollegen erarbeitet der Umwelthygieniker Empfehlungen und Stellungnahmen zu verschiedenen Fragen und Problemen der Luft in Innenräumen.

Neue Fußböden können schädlich sein

In der Vergangenheit zeigten immer mehr Studien, dass besonders Schwangere, Babys und Kleinkinder durch die Ausdünstungen im Wohnbereich gefährdet sind. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig wiesen nach, dass Renovierungen und besonders das Verlegen von Fußböden für Ungeborene schädlich sein können. Bei den Kindern stieg das Risiko für Atemwegsbeschwerden im ersten Lebensjahr deutlich an, so die Forscher. Die Ursache können die leichtflüchtigen Verbindungen sein, die aus Böden und Klebern ausdünsten. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, während einer Schwangerschaft und kurz danach nicht zu renovieren.

Kindermöbel gut ausdünsten lassen

Babys und Kleinkinder sind aus mehreren Gründen stärker von Schadstoffen im Wohnbereich betroffen: Sie bewegen sich viel näher am Boden, häufig auch mit den Händen, und nehmen so den Hausstaub auf. Außerdem ist ihr Immunsystem noch nicht so kräftig wie das eines Erwachsenen. Um langfristigen Gesundheitsschäden wie etwa Allergien vorzubeugen, sollten auch alle ­neuen Möbel mindestens acht Wochen vor der Geburt angeschafft werden und in einem separaten, gut gelüfteten Raum ausdünsten.

Wichtig: Das richtige Lüften

Das energieeffiziente Bauen­ führt dazu, dass schnellflüchtige Verbindun­gen kaum ­eine Chance haben zu verfliegen. Umso wichtiger ist es, ­regelmäßig zu lüften. So gelangt auch Feuchtigkeit – eine Quelle für Schimmelpilze – aus dem Raum. Mindestens zwei Mal am Tag sollte man alle Fens­ter ganz öffnen (nicht nur kippen), etwa 30 Minuten lang. Feuchte Räume brauchen noch mehr Lüftung.

Siegel kennzeichnen schadstoffarme Produkte

In Farben finden sich ebenfalls schwerflüchtige Substanzen – und zwar  auch in denen, die laut Hersteller lösungsmittelfrei sind. Die Farben  beinhalten dann zwar weniger leichtflüchtige Substanzen, aber dafür die  oftmals nicht weniger gefährlichen Weichmacher. Sie zählen zu den  Schwerflüchtern. "Hier sollte man auf den Blauen Engel achten, der  Farben als emissionsarm deklariert", rät Moriske.

Böden sind häufig eine Quelle für Schadstoffe in der Luft. So werden  viele Wollteppiche mit Insektenschutzmitteln behandelt, die dann im Lauf  der Zeit ausdünsten. Wer sichergehen will, kann bei Teppichen auf  bestimmte Siegel wie das GuT-Signet oder das TÜV-Umwelt-Siegel achten.  Kurz­florige Teppiche können gründlicher gereinigt werden. So lassen  sich Schadstoffe, die sich im Hausstaub sammeln, durch Staubsaugen gut  entfernen.

Im Zweifelsfall Werte messen lassen

Aber es geht nicht immer ohne: PVC-Böden müssen Weichmacher  enthalten, sie würden sonst sofort zerfallen. "Heute gibt es für ­diese  Produkte strenge Vorgaben. ­Einige Stoffe wirken auf das Hormonsys­tem",  sagt Moriske. "Man weiß, dass sie sich im Körper anreichern und sich  nur schwer abbauen."

Wer Krankheitssymptome an sich bemerkt und Schadstoffe als Auslöser  im Verdacht hat, kann ­die Werte in der Wohnung messen lassen.  Anbieterlisten liefern zum Beispiel Umweltberatungsstellen.

Wie lange sind Schadstoffe in der Luft?

Wer eine Renovierung plant, sollte ein paar Dinge beachten: Die  leichtflüchtigen Substanzen, die sich häufig in frischen Farben und  Lacken befinden, aber auch in bestimmten Holzprodukten,  Desinfek­tionsmitteln oder Teppi­chen vorkommen, dünsten meist schnell  aus. Sie sind spätestens nach ­einigen Monaten vollständig verschwunden.  Trotzdem können sie auch bei Erwachsenen, gerade in hoher  Konzentration, Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen,  Infektionsanfälligkeit oder tränende Augen verursachen. 

Schwerflüchtige organische Verbindungen – der Name­ sagt es –  verschwinden nicht so schnell. "Dass sie ausgedünstet werden, merkt man  unter Umständen jahrelang nicht", erklärt ­Moriske. Ihre Geruchlosigkeit  macht die schwerflüchtigen Substanzen aber nicht harmlos: Sie reichern  sich im Körperfett an und können so auch die Gesundheit beeinflussen.

Nur geprüfte Baustoffe verwenden

Mittlerweile regeln zahlreiche Ver­ordnungen die Verwendung von  Baustoffen, die flüchtige und schwerflüchtige organische Verbindungen  ausdünsten. Ein Beispiel: das sehr giftige PCB, welches unter anderem in  Holzschutzmitteln steckte. Es darf seit 1989 in Deutschland für  Innenräume nicht mehr benutzt werden. PCB und weitere  krankheitserregende Verbindungen werden in anderen Ländern, vor allem  außer­halb Euro­pas, jedoch weiterhin eingesetzt und gelangen über den  Handel auch wieder in deutsche Haushalte.

Das Zeichen "Goldenes M" der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e. V. hilft, schadstoffarme Pro­dukte zu finden. Bei Textilien steht zum Beispiel das Siegel "LGA-schadstoffgeprüft" für Stoffe mit  unter anderem begrenzten Mengen an leichtflüchtigen Verbindungen und  Pestiziden. "Einige Emissionen kann man auch direkt verhindern", sagt  Moriske. Beispiel Kaminofen: Hier sollte man nur trockenes Holz nehmen.  Bei der Verbrennung von feuchtem oder behandeltem Holz entstehen  krebserregende Verbindungen.

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