Erythropoetin (EPO): Hormon für die Bildung von Erythrozyten

Rote Blutkörperchen entstehen aus Stammzellen des Knochenmarks. Das körpereigene Hormon Erythropoetin, kurz Epo, fördert diese Entwicklung
von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 30.03.2017

Erythropoetin erlangte als unerlaubtes Mittel der Leistungssteigerung im Radsport größere Bekanntheit

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

Das Hormon Erythropoetin (Epo) fördert die Entwicklung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Erythropoetin wird in der Niere produziert. Wenn der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt oder wenn zu wenige rote Blutkörperchen vorhanden sind, bildet die Niere vermehrt Erythropoetin. Es kann auch als Medikament unter die Haut gespritzt werden. Verbotenerweise wird Erythropoetin immer wieder im Leistungssport als Doping-Mittel eingesetzt.

Was ist Erythropoetin (Epo)?

Erythropoetin ist ein Hormon, das die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) fördert. Die roten Blutkörperchen sind die "Sauerstoffträger" des Blutes. Sie enthalten den roten Farbstoff Hämoglobin, der wiederum Eisen enthält, an das sich der Sauerstoff binden kann.

Erythropoetin wird hauptsächlich in der Niere produziert, in geringen Mengen auch in der Leber. Ein niedriger Sauerstoffgehalt im Blut führt zur vermehrten Bildung von Erythropoetin. Das passiert zum Beispiel bei einem Aufenthalt im Hochgebirge, wo die Luft relativ wenig Sauerstoff enthält. Der Sauerstoffmangel macht sich durch einen schnellen Puls, durch Kurzatmigkeit und Leistungsschwäche bemerkbar. Sobald der Körper vermehrt rote Blutkörperchen nachgebildet hat, fühlt man sich wieder wohler.

Vielen bekannt wurde Erythropoetin durch die Doping-Skandale im Sport. Immer wieder verwenden Ausdauersportler unerlaubterweise gentechnisch hergestelltes Erythropoetin (= "rekombinantes" Erythropoetin), um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Sie spritzen es sich unter die Haut oder in die Vene. Erst seit Anfang 2000 ist es möglich, gentechnisch hergestelltes Epo direkt im Urin nachzuweisen. Dabei werden die Epo-Moleküle des Menschen (= humanes Epo) und das rekombinante  Epo in einem elektrischen Feld voneinander getrennt.

Welcher Wert ist normal?

Der Normalwert von Erythropoetin liegt bei 6 bis  25 U/l.

Wann steigt der Wert?

Der Erythropoetin-Wert steigt an, wenn der Körper vermehrt Sauerstoff benötigt, zum Beispiel bei einem Aufenthalt im Hochgebirge. Die Folge ist eine erhöhte Konzentration von roten Blutkörperchen im Blut. Der Arzt kann das unter anderem an einem erhöhten Hämatokrit-Wert erkennen: Hämatokrit ist die Bezeichnung für den Anteil der Blutzellen am gesamten Blutvolumen. Eine erhöhte Anzahl an Erythrozyten macht den Körper zwar in bestimmten Grenzen leistungsfähiger, birgt aber auch Gefahren: Zum Beispiel kann das Blut schneller verklumpen, was mit einem erhöhten Thromboserisiko in Verbindung gebracht wird.

Der Erythropoetin-Wert ist außerdem bei manchen Erkrankungen erhöht, bei denen zu wenig Blut gebildet wird 
(Anämie). Das kann zum Beispiel bei einem Eisenmangel der Fall sein (Eisenmangelanämie).

Bei einer so genannten "aplastischen Anämie" bildet das Knochenmark zu wenig oder gar keine Erythrozyten mehr. Die aplastische Anämie kann angeboren sein oder infolge von Vergiftungen (zum Beispiel mit Benzol) auftreten. Auch einige Medikamente können eine aplastische Anämie verursachen. Hier bildet der Körper vermehrt Erythropoetin, um die Blutbildung anzukurbeln.

Die Erythropoetin-Konzentration im Serum kann auch bei einer bösartigen Veränderung der Nieren- oder Leberzellen erhöht sein (Nierenzellkarzinom, Leberzellkarzinom).

Wann ist der Wert zu niedrig?

Der Erythropoetin-Wert ist zum Beispiel bei schweren Nierenerkrankungen erniedrigt. Es kommt zur so genannten renalen Anämie (Blutarmut). Patienten, die auf eine Dialyse ("Blutwäsche") angewiesen sind, erhalten Erythropoetin als Medikament.

Auch bei Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen zu viele Erythrozyten produziert werden, ist der Erythropoetin-Wert erniedrigt. Eine solche Erkrankung ist zum Beispiel die Polycythaemia vera. Die Therapie besteht unter anderem aus Aderlässen.

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München


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