Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium)

Ein nach außen gewendetes Lid – meistens ist es das Unterlid – heißt Ektropium. Das Auge ist gereizt und tränt. Rechtzeitige Operation wendet weiteren Schaden ab
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 01.07.2015

Ektropium: vor (links) und nach Operation

W&B/Klaus G. Riedel

Überblick: Was ist ein Ektropium?

Als Ektropium wird ein vom Augapfel abstehendes, nach außen gewendetes und abgesenktes Lid bezeichnet. Meistens ist das Unterlid betroffen. Augenärzte unterscheiden verschiedene Formen (siehe unten). Am häufigsten ist das altersbedingte Ektropium.

Es entsteht, wenn das Lidgewebe im höheren Alter erschlafft. Die Folgen sind lästig, vor allem das Tränenträufeln – die Tränen fließen über den Lidrand ab –, eine Bindehautentzündung mit einem geröteten und trockenen Auge, eventuell auch eine Hornhautentzündung. Das Sehen kann beeinträchtigt sein. Die Lidfehlstellung stört Betroffene aber nicht nur wegen der Beschwerden, sondern auch kosmetisch.

Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel

UNSER EXPERTE: Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel, Facharzt für Augenheilkunde

W&B/Privat

Der Augenarzt stellt das Ektropium auf den ersten Blick fest. Als Therapie eignen sich bei milden Formen benetzende Augenmedikamente. Eine Korrektur ist nur operativ möglich und sollte rechtzeitig erfolgen. Denn je länger ein Ektropium besteht, desto mehr Probleme sind zu erwarten. Sie machen den Eingriff auch komplizierter.

Ektropium: Ursachen

Es gibt verschiedene Umstände, die zu einem Ektropium führen können. Häufig lassen sich dabei auch mögliche Ursachen ableiten:

  • Höheres Lebensalter: seniles oder atonisches Ektropium
  • Lähmung (Paralyse) des Gesichtsnerven: paralytisches Ektropium, zum Beispiel infolge einer Virusinfektion
  • Narben: durch Verletzungen oder infolge verschiedener Augenerkrankungen: Narbenektropium
  • Mechanisch, zum Beispiel bei entzündlich bedingter Schwellung des Lides und seiner Umgebung, bei schlecht sitzenden Brillengläsern, mitunter bei einem Tumor: mechanisches Ektropium
  • Angeboren: kongenitales Ektropium (selten)
  • Vermehrte Spannung des ringförmigen Lidschlussmuskels: spastisches Ektropium, zum Beispiel nach einer Lidverletzung oder bei vergrößertem Augapfel (ebenfalls eher selten)

Welche Symptome treten bei einem Ektropium auf?

Hat sich das Lid nachaußen gewendet, sind die Augen gereizt und tränen. Die frei liegenden Bereiche der Bindehaut und Hornhaut trocknen aus. Es kommt somit zu einem trockenen und geröteten Auge. Besteht ein Ektropium länger, entwickelt sich eine chronische Entzündung der Bindehaut und Hornhaut (chronische Konjuktivitis und Keratitis). Das Sehen wird durch die verschiedenen Faktoren beeinträchtigt oder gefährdet.

Diagnose bei auswärtsgedrehtem Lid

Das Ektropium erkennt der Arzt auf Anhieb. Um zu beurteilen, ob die Lidfehlstellung die Bindehaut oder Hornhaut geschädigt hat, überprüft er die vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe (Untersuchungsmikroskop). Ein Sehtest (Sehschärfenprüfung) sollte immer zur Augenuntersuchung gehören. Bei Bedarf schließen sich weitere Untersuchungen an.

Ektropium: Therapie

Benetzungsmittel in Form von Augentropfen, -gels und -salben halten die Augenoberfläche feucht und können die Beschwerden lindern. Hauptziel des Augenarztes ist es jedoch, die Lidabweichung zu beheben.

Bei einem altersbedingten Ektropium können verschiedene Operationen die verminderte Lidspannung erhöhen, die Lidfehlstellung dadurch korrigieren und Augenschäden vorbeugen.

Ein Ektropium aufgrund einer Gesichtslähmung (der sogenannten idiopathischen peripheren Fazialislähmung) bildet sich oft spontan zurück. Bis dahin kann jedoch einige Zeit vergehen. Bei fortbestehender Lähmung gefährdet vor allem der unzureichende Lidschluss die Hornhaut. Daher sind verschiedene, manchmal auch operative Maßnahmen notwendig, um die Hornhaut besser zu schützen, eingetretene Schäden abheilen zu lassen oder die Muskelfunktion, die den Lidschluss ermöglicht, bestmöglich wiederherzustellen.

Auch wenn Narben für ein Ektropium verantwortlich sind, kann eine Operation das verzogene Lid in die richtige Stellung bringen. Lidtumoren als Ursache eines Ektropiums werden ebenfalls chirurgisch behandelt. Die selten vorkommende angeborene Fehlstellung des Lides verschwindet oft von alleine. Manchmal hilft auch eine sanfte manuelle Lidmassage. Insbesondere wenn ein Ektropium zusammen mit anderen angeborenen Fehlbildungen des Auges auftritt, ist eine operative Korrektur sinnvoll.

Ein spastisches Ektropium kann sich von selbst lösen. Andernfalls hilft ein Eingriff, bei dem das Lid verkürzt wird.

Entzündlich bedingte Lidschwellungen sprechen häufig auf eine entzündungshemmende Therapie an; hat sich das Gewebe chronisch verändert, ist meist auch eine chirurgische Behandlung notwendig.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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