Volle Wartezimmer oder das ewige Besetztzeichen am Ohr: Der Gang zur Arztpraxis oder auch nur der Versuch, diese telefonisch zu erreichen, kann viel Zeit und Nerven kosten. Vor allem, wenn man schnellen Rat sucht. Videosprechstunden versprechen, eine Alternative zu sein: schnell, unkompliziert und sicher. Doch stimmt das wirklich?

Digitale Fernbehandlung ist nicht nur in ärztlichen Praxen, sondern auch auf telemedizinischen Plattformen möglich, die man zum Beispiel per App erreichen kann.

Die Stiftung Warentest hat vier Telemedizinanbieter unter die Lupe genommen und ihre Leistungen, von Terminbuchung bis zur eigentlichen Sprechstunde, getestet. Das Ergebnis: Nur eine Telemedizin-Plattform schnitt mit der Note 2,3 gut ab, alle anderen lieferten befriedigende Ergebnisse. Dennoch sieht Stiftung Warentest in den Angeboten eine echte Alternative zum Arztbesuch vor Ort.

Angebote bestehen den Praxistest

Für den digitalen Praxistest haben insgesamt sechs Personen die Videosprechstunde und anschließende Behandlung der telemedizinischen Plattformen „Teleclinic“, „Kry“, „Zava“ und „Fernarzt“ ausprobiert. Zwei medizinische Fachgutachter haben die medizinische Behandlung im Nachgang ausgewertet und dabei insbesondere die Anamnese, die Diagnose sowie die Verordnung von Medikamenten im Blick gehabt.

Am besten schnitt dabei die Plattform „Teleclinic“ ab: Nicht nur die medizinische Behandlung überzeugte die Expert:innen, auch beim Thema Service konnte der Anbieter punkten. Besonders positiv wurde das breite Behandlungsspektrum bewertet, außerdem wurden Patient:innen sehr gut mit Informationen zum allgemeinen Ablauf versorgt.

Datenschutz als Schwachstelle

Trotz der positiven Gesamtwertung gibt es bei „Teleclinic“ beim Umgang mit den sensiblen Daten der Patient:innen noch Verbesserungsbedarf. Das Nutzerkonto ist demnach nicht durch eine Multifaktor-Authentifizierung geschützt. Eine solche Zugangsberechtigung durch mehrere Passwörter macht den Zugang zu einem digitalen Konto sicherer. Diese Funktion erfüllte mit „Kry“ lediglich eine der vier getesteten Plattformen.

Ein weiteres Manko der Videosprechstunden: Sie stoßen immer dann an ihre Grenzen, wenn direkter Kontakt zwischen Mediziner:innen und Patient:innen nötig ist, zum Beispiel beim Abtasten des Bauchs oder der Blutentnahme.

Kosten im Blick behalten

Wer darüber hinaus wegen Krankheit eine Bescheinigung für den Arbeitgeber benötigt, kann sich diese bei allen Plattformen per Ferndiagnose ausstellen lassen, – aber nicht kostenlos. Der Kostenpunkt für die private „AU“: 5,36 Euro.

Des Weiteren warnt Stiftung Warentest vor Kosten für verschriebene Medikamente, denn für gesetzlich Versicherte kann das digitale Rezept teuer werden. Die darauf verschriebenen Arzneien müssen derzeit noch selbst bezahlt werden. Mit Einführung des E-Rezepts Anfang September könnte sich das aber bald ändern. Patient:innen sollten deswegen bei der Nutzung digitaler Angebote mit Ihrer Krankenkasse klären, welche Kosten übernommen werden – und welche nicht.

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