Der kleine Archie (6 Monate)  war von der sogenannten Sagittal-Synostose betroffen, wie die britische BBC in einem sehenswerten Beitrag zeigt. Dabei verwachsen die Wachstumsfugen des Schädels zu früh. Das ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber in der Folge kann der Hirndruck  steigen und sich die Sprach- und Sprechentwicklung verzögern. Zudem verformt sich der Kopf. Seine Eltern standen nun vor der Wahl: Operation – ja oder nein?

Um diese schwierige Entscheidung zu treffen, bekamen sie besondere Hilfe: Sie konnten sich vorab in der virtuellen Realität ansehen, wie die Veränderungen an Archies Schädel aussehen würden. Laut BBC waren die Eltern die Ersten, die im Londoner Great Ormond Street Hospital for Children die neue Plattform für künstliche Intelligenz nutzen konnten.

Erfahrungen aus 60 Operationen in sieben Jahren

Sie konnten eine virtuelle Konstruktion von Archies Kopf aus allen Blickwinkeln anschauen. Erstellt wurde diese anhand von Scans aus dem Computertomographen. Außerdem wurde eingeblendet, wie der Schädel ihres Sohnes nach dem Eingriff aussehen würde. Die Algorithmen zur Erstellung der Bilder basieren auf 60 Operationen aus sieben Jahren.  So konnte das Paar den EIngriff besser verstehen. Dr. Noor Ul Owase Jeelani ist der Arzt, der das Verfahren vor 13 Jahren erfunden und seither entwickelt hat.

VR verkürzt Operationszeit

Bei dem Eingriff setzten die Ärzt:innen eine kleine Feder in Archies Schädel ein, die seine Kopfform korrigierte. Nach vier Wochen wurde sie wieder entfernt. Dank der Technik von Dr. Jeelani hat sich die Operationszeit von drei auf eineinhalb Stunden verkürzt, auch der Einsatz von Bluttransfusionen ist deutlich gesunken. Denn auch für die Mediziner:innen sind derartige Eingriffe durch VR vorhersehbarer geworden. "Als Chirurg würde ich mir wünschen, dass in 10 oder vielleicht in 20 Jahren die meisten chirurgischen Eingriffe auf diese Weise durchgeführt werden", sagt Dr. Jeelani.

Die Möglichkeit modernste Technik wie VR zu nutzen habe sie in ihrer Entscheidung bestärkt und ihnen Druck genommen, sagen die Eltern. Archie ging es laut BBC zwei Wochen nach dem Eingriff gut. "Man hat uns gesagt, dass es keine Probleme mit der Entwicklung und anderen Dingen geben sollte, also sind wir wirklich zufrieden damit, wie es gelaufen ist."