Sie heißen „Silent-Night“, „SnoreClock“ oder „SnoreLab“ und sind nur eine kleine Auswahl des üppigen Angebots für Anti-Schnarch-Apps in den App-Stores von Apple oder Google. Sie versprechen vor allem eines: nie wieder Schnarchen – oder zumindest den Weg dahin zu ebnen. Denn wer schnarcht, bringt sich selbst und andere oft um den Schlaf. Doch wie funktionieren diese Apps und können sie wirklich Ruhe ins Schlafzimmer bringen?

Apps analysieren Geräusche im Schlaf

Der Großteil der digitalen Schnarch-Helfer basiert auf dem gleichen Prinzip: Sie nehmen Schnarch-Geräusche im Verlauf der Nacht auf und analysieren diese. Einige Apps bieten zudem Tipps für geeignete Hilfsmittel oder machen Lösungsvorschläge, wie das Schnarchen zu stoppen sein könnte. Prof. Boris Stuck, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Marburg, zweifelt an der Aussagekraft solcher Daten. „Eine akustische Analyse von Schnarch-Geräuschen ist technisch anspruchsvoll, seit etwa 30 Jahren versucht sich die Medizin daran – bisher vergeblich“, sagt Stuck.

Schnarchen ist nicht immer harmlos

Das Problem: Im Schlaf kommt es zu diversen Nebengeräuschen, wie zum Beispiel raschelnde Bettdecken oder andere Geräusche der Bettnachbar:innen. Selbst hoch empfindliche Richtmikrofone hätten in der Vergangenheit keine eindeutigen Daten geliefert, so der HNO-Experte. Auch die Idee, Menschen gezielt auf bestimmte Schnarch-Geräusche zu trainieren und sie dann für die Analyse einzusetzen, war laut Stuck vergebens.

Dass nun frei verfügbare Apps entsprechende Daten liefern und sogar Tipps für eine Behandlung geben, besorgt den Facharzt. Neben dem harmlosen Schnarchen kann auch eine Schlafapnoe der Grund für die störenden Geräusche sein – und das kann schwere Folgen für die Gesundheit haben. „Was nicht passieren darf, ist, dass Patient:innen mit einer manifesten Erkrankung nicht zum Arzt gehen, sich nicht untersuchen und therapieren lassen, weil sie irgendeine ungeprüfte App heruntergeladen haben, die Ihnen sagt: Halb so wild, du schnarchst nur“, warnt Stuck.

KI hilft bei Ursachenforschung

Doch es ist Bewegung im Markt: Die neue App „Somnofox“ des Start-Ups Diametos könnte in Zukunft neue Maßstäbe setzen. Sie gleicht die aufgezeichneten Atemgeräusche von Betroffenen mit einer Datenbank ab, in der tausende Schnarch-Geräusche hinterlegt sind. Per Künstlicher Intelligenz (KI) erkennt die App dann laut Herstellerangaben die passende anatomische Ursache für das Schnarchen – und soll somit den entscheidenden Hinweis für die richtige Therapieform liefern.

Auch für die Wissenschaft klingt „Somnofox“ vielversprechend. „Es ist ein interessanter Ansatz. Ob er funktioniert, kann ich allerdings nicht sagen, denn gibt noch keine publizierten, belastbaren Daten“, sagt Stuck. Überhaupt gebe es erschreckend wenige wissenschaftliche Daten in der Therapie des harmlosen Schnarchens, so Stuck. „Wirklich gut untersucht und empfehlenswert sind vornehmlich die Rückenlage-Verhinderung mit einem Positionstrainer, die Unterkiefer-Vorverlagerung mit einer Schiene sowie diverse Operationsverfahren am Gaumen“, sagt er.

Große Vielfalt an Hilfen

So unterschiedlich die Ursachen für das Schnarchen sind, so groß ist auch die Zahl der Hilfsmittel und teils unkonventionellen Tipps dagegen. Wurde eine Schlafapnoe vorab ausgeschlossen, gelte hier grundsätzlich: Ausprobieren! „Wenn es hilft, soll es mir recht sein“, sagt der Marburger Klinikdirektor Stuck. Von Anti-Schnarch-Apps, die wie ein Wecker funktionieren, rät er allerdings ab.

Die Idee dahinter: Oft reicht bei Betroffenen schon ein kurzes Anstupsen – und das Schnarchen hört schlagartig auf. Bei „Silent Night“ übernimmt genau das die Smartwatch am Handgelenk der Schnarchenden. Sie vibriert immer dann, wenn sie Schnarch-Geräusche registriert. „Aber jemand, der schnarcht, schnarcht quasi bei jedem Atemzug“, sagt Stuck. Eine solche Vibration birgt daher die Gefahr, dass ein tiefes Schlafstadium nicht mehr erreicht wird. „Wenn man das Schnarchen beseitigt, in dem man den Schlaf unterbricht, ist dem Betroffenen nach meiner Erfahrung nicht geholfen“ sagt Stuck.

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