Sehtest: Prüfung der Sehschärfe

Bei einem Sehtest untersucht der Augenarzt mit einer genormten Sehprobentafel, wie gut eine Person sieht. Dabei kann er eine Kurz- oder Weitsichtigkeit erkennen

aktualisiert am 10.04.2017
Sehtest

Sehtest: Auf einer Sehtafel befinden sich unterschiedlich große Zeichen, zum Beispiel Kreise oder Buchstaben


Der Begriff Sehschärfe beschreibt die Fähigkeit des Auges, zwei Punkte getrennt voneinander wahrzunehmen. Die beiden Punkte bilden in der Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis) einen Winkel, den Sehwinkel. Die Sehschärfe wird als Kehrwert dieses Winkels angegeben.

Liegt zum Beispiel ein Sehwinkel von 1 Grad vor, ist die Sehschärfe 1/1. Das entspricht einer Sehschärfe von 1,0 beziehungsweise 100 Prozent. Besteht ein Sehwinkel von 10 Grad, liegt die Sehschärfe bei 0,1 beziehungsweise 10 Prozent. Menschen, die normal scharf sehen, haben eine Sehschärfe von 100 Prozent.

Der Augenarzt oder Optiker nimmt einen solchen Test vor, wenn der Verdacht auf eine Kurz- oder Weitsichtigkeit besteht. Aber auch, wenn Jugendliche ihre Sehkraft vor der Führerscheinprüfung untersuchen lassen müssen.

Wie läuft die Sehschärfenprüfung ab?

Bei einem Sehtest wird untersucht, wie gut eine Person in die Weite und in die Nähe sieht. Dabei bestimmt der Arzt den Fernvisus und den Nahvisus. Der Patient muss dafür verschieden große Zeichen – sogenannte Optotypen –  erkennen. Diese werden auf einer genau definierten Leuchttafel (Sehprobentafel) auf weißem Hintergrund dargeboten.

Möchte der Augenarzt die Sehschärfe für die Ferne ermitteln, befindet sich die Tafel in einer Entfernung von fünf Metern zur untersuchten Person. Der Arzt überprüft jedes Auge einzeln, weshalb der Patient jeweils eines mit der Hand abdeckt.

Die Zeichen, die sich auf der Tafel befinden, können Ziffern, Buchstaben, Kreise oder auch Bilder darstellen, die unterschiedlich groß sind und nach verschiedenen Richtungen zeigen. Meist kommen Buchstaben oder Ziffern zum Einsatz. Bei Kindern benutzen Augenärzte neben Bildern auch die sogenannten E- Haken. Dabei muss das Kind erkennen, wohin die offene Seite des Buchstabens E zeigt. Soll der Augenarzt ein Gutachten erstellen, muss er die sogenannten Landolt-Ringe verwenden, die genormt sind. Dabei handelt es sich um Kreise, die an einer Stelle unterbrochen sind. Die Lücke kann sich an unterschiedlichen Stellen des Kreises befinden.

Sehen in der Ferne und in der Nähe

Hat ein Mensch – bezogen auf die Ferne – eine Sehschärfe von 100 Prozent, erkennt er alle Zeichen in der angebrachten Sollentfernung von fünf Metern. Hat seine Sehkraft bereits nachgelassen, muss der Arzt  den Abstand zur Sehprobentafel verringern. Je nachdem, in welcher Entfernung der Untersuchte die Zeichen lesen kann, schließt der Arzt auf die Sehschärfe.

Um herauszufinden, wie gut ein Mensch  im Nahbereich sieht, wird ihm eine kleine Tafel in einem Abstand von 30 bis 40 Zentimetern vorgehalten. Darauf befinden sich entweder Ziffern oder ein Text. Kann der Untersuchte diese nicht richtig erkennen, ist sein Nahsehen eingeschränkt.

Welchen Nutzen hat der Sehtest?

Durch einen Sehtest kann der Augenarzt feststellen, ob jemand weit- oder kurzsichtig ist oder normal scharf sieht. Gegebenenfalls rät der Arzt anschließend zu einer Brille oder zu Kontaktlinsen. Fahrschüler müssen vor der Führerscheinprüfung einen Sehtest machen lassen.

Gibt es Nachteile?

Die Testergebnisse können je nach Tageszeit, Beleuchtung und individuellem Wohlbefinden unterschiedlich ausfallen.

Prof. Schönfeld

Beratender Experte: Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld ist Facharzt für Augenheilkunde in München

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.