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Stabsichtigkeit (Astigmatismus)

Liegt eine Stabsichtigkeit vor, sieht der Betroffene Objekte in der Nähe und in der Ferne unscharf. Ursache ist meist eine Hornhautverkrümmung

aktualisiert am 04.05.2020

Stabsichtigkeit - kurz erklärt

Unter einer Stabsichtigkeit (Astigmatismus) versteht man eine spezielle Sehstörung. Meistens kommt es durch eine unterschiedlichen Wölbung der Hornhaut (Hornhautkrümmung) zu Fehlern bei der Abbildung und dadurch verzerrtes Sehen. Seltener liegt die Ursache im Bereich der Linse, sehr selten im Bereich des Augenhintergrundes. Die Stabsichtigkeit geht häufig mit einer Weit- oder Kurzsichtigkeit einher. Ursachen für eine Stabsichtigkeit können genetisch bedingt sein, in diesen Fällen ist sie angeboren. Aber auch Narbenbildungen oder bestimmte Erkrankungen können zu einem Astigmatismus führen. Diagnostiziert wird die Sehstörung, indem das Auge mit speziellen Geräten untersucht wird. Es gibt verschiedene Formen der Stabsichtigkeit. Je nach Form wird die Stabsichtigkeit entweder mit einer Brille mit speziell geschliffenen Gläsern oder geeigneten Kontaktlinsen behandelt, in bestimmten Fällen kommen auch Operationen mit oder ohne Implantate infrage.

Was ist eine Stabsichtigkeit?

Die Stabsichtigkeit ist eine Sehstörung, die meistens durch eine unregelmäßig geformte Hornhaut entsteht. Ist die Hornhaut verschieden stark gekrümmt, werden ins Auge einfallende Lichtstrahlen (das Gesehene) auf der Netzhaut nicht in einem Punkt gebündelt. Dadurch sieht der Betroffene Gegenstände in der Nähe und in der Ferne verzerrt oder unscharf. Als weitere Symptome können Kopfschmerzen und Augenbrennen dazu kommen.

Auge

Wie kommt es zu einer Stabsichtigkeit?

Normalerweise wölbt sich die Hornhaut kugelförmig und ist in allen Richtungen gleichermäßig gekrümmt. Treffen Lichtstrahlen, die von einem Objekt ausgehen, auf die Hornhaut auf, werden sie auch gleichmäßig gebrochen und auf der Netzhaut zu einem Punkt gebündelt. Ist die Krümmung der Hornhaut jedoch unregelmäßig, bricht sie die eintreffenden Lichtstrahlen verschieden stark. So entsteht auf der Netzhaut aus dem Gesehenen nicht mehr ein Punkt, sondern stattdessen eine Linie, beziehungsweise ein Stab - das Bild wird verzerrt. Mediziner sprechen deshalb von Stabsichtigkeit.

Welche Formen von Stabsichtigkeit werden unterschieden?

Am häufigsten krümmt sich die Hornhaut in der Senkrechten stärker als in der Horizontalen. In diesem Fall liegt eine Stabsichtigkeit (Astigmatismus) nach der Regel vor. Ist die waagrechte Ebene stärker gebogen, handelt es sich um einen Astigmatismus gegen die Regel.

Des Weiteren unterscheiden Augenärzte zwischen einem regulären sowie einem irregulären Astigmatismus. Bei Ersterem stehen die unterschiedlich gekrümmten Ebenen senkrecht zueinander. Bei Letzterem ist die Hornhaut an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark gebogen.

Ursachen: Was führt zu einer Stabsichtigkeit?

Der Astigmatismus nach der Regel ist in den meisten Fällen angeboren und wird vererbt. Doch es gibt auch Auslöser, die nichts mit den Genen zu tun haben:

  • So kann sich die Hornhaut zum Beispiel unregelmäßig krümmen, wenn das Oberlid zu stark auf diese drückt.
  • Narben (beispielsweise nach Operationen) und Krankheiten können Krümmung der  Hornhaut verändern. Beim sogenannten Keratokonus wölbt sich die Hornhaut mit der Zeit so stark, dass sie einem Kegel ähnlich sieht.
  • Hornhauttrübungen, wie sie beim grauen Star (Katarakt) vorkommen, stellen manchmal ebenfalls die Ursache dar.

Nicht immer liegt der Stabsichtigkeit eine verformte Hornhaut zugrunde. Selten kann auch die Linse oder der Augenhintergrund Auslöser für eine Stabsichtigkeit sein.

Symptome: Welche Beschwerden bereitet eine Stabsichtigkeit?

Wer nur leicht stabsichtig ist, bemerkt dies oft gar nicht. Erst wenn die Sehstörung stärker ausgeprägt ist, fällt es auf. Betroffene sehen dann in der Ferne unscharf, aber auch in der Nähe. Gegenstände können entweder verschwommen oder verzerrt aussehen.

Da die Linse permanent versucht, das verzerrte Bild scharf abzubilden, werden die Muskeln im Augen oft angespannt. Das Sehen strengt an und die Augen schmerzen. Betroffene haben auch häufig Kopfschmerzen und ihre Augen brennen. Menschen, die stabsichtig sind, leiden in vielen Fällen gleichzeitig an einer Kurz- und Weitsichtigkeit.

Eine Stabsichtigkeit verschlechtert sich im Normalfall nicht. Das heißt, die Betroffenen sehen immer gleich unscharf. Erkant man bereits im Kindesalter an Stabsichtigkeit, kann die Sehkraft allerdings mit der Zeit nachlassen.

Placidoscheibe bei Stabsichtigkeit

Diagnose: Wie wird eine Stabsichtigkeit festgestellt?

Einen ersten Eindruck kann sich der Augenarzt mit Hilfe der sogenannten Placido-Scheibe verschaffen. Auf ihr befinden sich mehrere Kreise, die ähnlich einer Zielscheibe angeordnet sind. In der Mitte ist eine kleine Öffnung, durch die der Augenarzt hindurchblickt.

Bei der Untersuchung nähert sich der Untersucher dem Patienten mit der Placido-Scheibe so weit, bis sich die Kreise auf der Hornhaut widerspiegeln. Ist das Auge gesund, erscheinen die Kreise genauso wie auf der Scheibe. Liegt ein Astigmatismus vor, wirkt das Spiegelbild eher oval verzerrt. Anhand der Placido-Scheibe lässt sich allerdings nur eine stark ausgeprägte Stabsichtigkeit erkennen.

Genauer kann der Augenarzt die Hornhautoberfläche mit einem Ophthalmometer untersuchen. Mit diesem Gerät kann er ausmessen, ob sich die Hornhaut gleichmäßig oder unregelmäßig krümmt. Auch wie stark die Stabsichtigkeit ist, kann der Arzt damit feststellen. Das Ophthalmometer projiziert zwei leuchtende Bilder auf die Hornhaut, die sich auf ihr spiegeln. Der Arzt verstellt den Abstand der Bilder so lange bis die Spiegelungen genau übereinanderliegen. Anschließend liest der Experte den Krümmungsradius ab. Dies wird in verschiedenen Achsen wiederholt und die Ergebnisse verglichen.

Noch genauer ist die sogenannte Hornhaut-Topografie. Hierbei wird die Oberfläche der Hornhaut vermessen und die Oberflächenstruktur im Bild sichtbar gemacht – ähnlich einer topographischen Landkarte, bei der Berge und Täler bildlich dargestellt werden.

Therapie: Wie wird eine Stabsichtigkeit behandelt?

Welche Therapie infrage kommt, hängt davon ab, welche Form der Stabsichtigkeit vorliegt. Welche Methode sich im Einzelfall am besten eignet, welche Vor- und Nachteile sie hat und ob die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden, bespricht Ihre Ärtzin oder Ihr Arzt mit Ihnen.

Brille

Handelt es sich um einen regulären Astigmatismus (siehe farbige Extrabox oben), lassen sich die Sehprobleme durch spezielle Brillengläser oder Kontaktlinsen ausgleichen. Zum Einsatz kommen hier Zylindergläser. Diese gleichen die falsche Krümmung aus, indem sie einfallende Lichtstrahlen so brechen, dass sie auf der Netzhaut punktförmig abgebildet werden. Dazu muss der Augenarzt oder Optiker vorher die Brechkraft des Auges sowie die Sehschärfe bestimmen.

Kontaktlinsen

Auch Kontaktlinsen können diese Form der Stabsichtigkeit korrigieren. Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt ist, verordnet der Augenarzt normale oder torische Linsen. Letztere sind – wie die speziellen Brillengläser – zylindrisch gewölbt. Kontaktlinsen haben den Nachteil, dass sie eine Hornhautentzündung auslösen können, wenn sie nicht richtig gepflegt und gereinigt werden.

Für Menschen, die an der irregulären Form der Stabsichtigkeit leiden, eignen sich keine Brillen. Harte (formstabile) Kontaktlinsen ermöglichen es jedoch auch diesen Patienten wieder deutlich zu sehen.

Operation

Die Stabsichtigkeit lässt sich auch operativ behandeln. Eine solche Operation kann den Brechkraftfehler der Hornhaut (gegebenenfalls auch der Linse) ausgleichen und bewirkt, dass der Betroffene Objekte nicht mehr verzerrt wahrnimmt. Augenärzte sprechen bei diesen OP-Verfahren von refraktiver Chirurgie. Es gibt unterschiedliche Methoden, mit denen sich die Hornhautkrümmung verändern lässt. Am häufigsten findet dieser Eingriff mit Hilfe eines Lasers statt. Der Chirurg trägt dabei mit einem Laser die Bereiche vorsichtig ab, die sich übermäßig krümmen, sodass die Hornhautoberfläche wieder gleichmäßig geformt ist.

Implantation

Immer öfter setzen Spezialisten zusätzliche Linsen in das Auge ("Add-on-Linsen") ein. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass Ärzte mit dem Vorgehen mehr Erfahrung haben.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Arthur Mueller

Unser beratender Experte:

Professor Dr. med. Dr. hc. Arthur Mueller ist Facharzt für Augenheilkunde und Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Augsburg. Er ist Mitglied in zahlreichen Fachgesellschaften. Sein beruflicher Schwerpunkt sind mikrochirurgische Eingriffe am hinteren (Netzhaut, Aderhaut, Glaskörper) sowie vorderen Augenabschnitt (Katarakt, Glaukom, Keratoplastik).

Quellen:

  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V, Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Online: http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/augenheilkunde/fehlsichtigkeit/hornhautverkruemmung-astigmatismus.html (abgerufen am 29. April 2020)

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.