Erste Hilfe: Ausgeschlagenen Zahn retten

Es passiert schneller, als man denkt: Ein Sturz, ein Schlag, eine Kollision, und schon verliert man einen Zahn. Was Sie dann tun sollten

von Silke Droll, 06.04.2018

Im Zweifelsfall besser vorbeugen: Mit einem Mundschutz bei Kontaktsportarten


Laufen lernen, herumtoben, mit­einander balgen. "Immer dann wird es besonders gefährlich für die Zähne", sagt Professor Christian Gernhardt von der Universitätspoli­klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie in Halle. Zu Unfällen kommt es vor allem in jungen Jahren.

Schnell ist ein Stück Zahn abgebrochen, der Zahn gelockert und verschoben oder sogar herausgebrochen. Natürlich passiert das auch Erwachsenen. "Beispielsweise können Stöckelschuhe den Frauen zum Verhängnis werden", weiß Gernhardt aus Erfahrung mit gestürzten Patientinnen. Meistens trifft es die Frontzähne – bei schwereren Unfällen auch die Seitenzähne.

Mit Schiene schützen

Riskant sind vor allem Kontakt-, Kampf- und Risikosportarten, wie etwa Fuß-, Hand- und Basketball, Karate, Eis­hockey, Boxen, Mountainbiken und Skifahren. "Wer dabei mehr Sicherheit will, sollte sich eine Schutzschiene anfertigen lassen und diese regelmäßig tragen", rät Gernhardt. Am besten passen nach einem Abdruck beim Zahnarzt individuell angefertigte Schienen (circa 150 bis 300 Euro). Es gibt aber auch industriell hergestellte Modelle aus Silikon (ab 8 Euro).

Wenn es trotzdem kracht, heißt es: Ruhe bewahren, aber dennoch schnell und richtig handeln – vor allem, wenn es den gesamten Zahn, das Weichgewebe oder die Pulpa erwischt hat, das schmerzempfind­liche Innere des Zahns. Faustregel: Je schneller man zum Zahnarzt geht, desto besser die Prognose.

Ideal aufbewahren in der Zahnrettungsbox

"Man sollte den Zahn oder das aus­gebrochene Stück suchen und mit­­nehmen", sagt Gernhardt. Am besten in einer speziellen Rettungsbox. "Dann ist die Chance auf ein erfolgreiches Zurücksetzen und eine vollständige Ausheilung sehr hoch", sagt Professor Wolfgang Buchalla, Direktor der Poli­­­klinik für Zahnerhaltung und Parodon­tologie am Universitätsklinikum Regensburg.

Darin kann der Zahn mindestens 24 Stunden "überleben". So wird Zeit gewonnen. Denn oft sind bei einem Unfall nicht nur die Zähne betroffen, sondern weitere Verletzungen müssen schnell versorgt werden.

Tipps für den Notfall

  • Ausgeschlagenen Zahn nur an der Krone anfassen! An der Wurzel sitzen empfindliche Zellen, mit denen der Zahn wieder einen gesunden Halteapparat ausbilden kann.
  • Den Zahn nicht selbst säubern.
  • Den Zahn unbedingt feucht halten.
  • Idealerweise den Zahn in einer Zahnrettungsbox transportieren. Die Flüssigkeit darin enthält Stoffe, die die faserbildenden Zellen der Zahnwurzel vital erhalten.
  • Zahnrettungsboxen sind in vielen Schulen, Turnhallen, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen vorhanden. Erhältlich ebenso in jeder Apotheke.
  • Wenn keine Rettungsbox zur ­Verfügung steht, den Zahn in H-Milch legen und kühlen.
  • Sofort zum Zahnarzt oder in eine Zahnklinik gehen.
    Adressen unter www.zahnarzt-notdienst.de

Nie austrocknen lassen

Dank des Nährmediums in der Box bleiben die faserbildenden Zellen an der Zahnwurzel erhalten, können sich später wieder vermehren und mit dem Kieferknochen verbinden. Ob das gelingt, lässt sich trotzdem nicht mit Sicherheit vorhersagen. Es kommt auch darauf an, wie stark das umliegende Gewebe geschädigt ist.

Kühle H-Milch hat sich als zweitbeste Methode erwiesen, den Zahn oder das Teilstück zu lagern. "Sie ist fast keimfrei und enthält Salze und Nährstoffe, mit denen die Zellen für wenige Stunden ernährt werden können", erklärt Buchalla. Auf keinen Fall sollte der Zahn austrocknen. Deswegen ist es immer noch besser, ihn in medizinische Kochsalz­lösung oder gesammelten Speichel zu legen. Ein noch feuchter Zahn kann auch in Frischhaltefolie gewickelt werden. Ihn in die Wangentasche zu legen wird mittlerweile nicht mehr empfohlen. Die Gefahr des Verschluckens wäre zu groß. Absolut ungeeignet: den Zahn in ein Taschentuch wickeln oder in Wasser legen.

Auch wenn Zähne gelockert, verschoben oder in den Kiefer gestoßen wurden, muss der Zahnarzt eingreifen. Er setzt dann den Zahn in seine Position zurück und stützt ihn für ein bis drei Wochen mit einer elastischen Schiene. Wurde nur ein Stück abgebrochen, kann man es ankleben. Bei einem Längsbruch sieht es anders aus. Gernhardt: "Dann ist der Zahnerhalt leider nicht mehr möglich."