Yoga: Was Laien sich häufig fragen

Muss man für Yoga esoterisch interessiert sein oder sehr gelenkig? Darf ich vorher etwas essen? Antworten auf häufig gestellte Fragen

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 17.05.2017

Die innere Qualität einer Übung zählt beim Yoga mehr als die äußere Form der Ausführung


Längst hat sich die altindische Yoga-Lehre im Westen als Bewegungs- und Entspannungsform etabliert, der positive Effekt auf Körper und Seele wurde in Studien nachgewiesen. So groß das Angebot unterschiedlicher Kurse ist, so zahlreich sind auch die Vorstellungen, die der Einzelne mit Yoga verbindet. Angelika Beßler, Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes der Yogalehrenden in Deutschland e.V. (www.yoga.de*), beantwortet Fragen, die sich wohl jeder Yoga-Interessierte schon mal gestellt hat:

Muss man esoterisch interessiert sein, um Yoga zu praktizieren?

Ein klares Nein! Yoga hat sicher eine spirituelle Komponente, aber der Begriff Esoterik ist mir zu undifferenziert. Wer sofort an Klangschalen, Götterbilder und Räucherstäbchen denkt, hat nur ein mögliches Bild im Kopf. Es gibt so viele verschiedene Schulen und Traditionen. Wie Yoga im Einzelnen praktiziert und gelehrt wird, ist individuell völlig verschieden. Trotz allem würde ich eine Grenze zur reinen Körpergymnastik ziehen. Schließlich hat Yoga nicht nur eine physische Intention, sondern durch das achtsame Üben verändert sich auch mein Blick auf die Welt, auf meine Beziehungen und auf mich selbst.

Was, wenn ich überhaupt nicht gelenkig bin?

Das ist kein Problem. Beim Yoga geht es ja gerade mal nicht um einen leistungsorientierten Ansatz. Viel wichtiger ist es, bereitwillig in die Übungen einzutauchen und den Empfindungen nachzuspüren. Wer immerzu nach rechts und links schaut und vergleicht, wie viel tiefer sich die Nachbarin mit gestreckten Knien zum Boden beugen kann, verpasst es, bei sich zu bleiben und die innere Qualität einer Übung zu erfassen.

Kann jeder den Kopfstand lernen?

Gegenfrage: Kann jeder Mensch mit Skiern von einer Schanze springen? Die Antwort ist: Ja, man weiß nur nicht, wie es ausgeht und ob es sinnvoll ist. Viele Lehrer bieten den Kopfstand in ihren Kursen nicht an, da diese Position gefährlich für die Halswirbelsäule werden kann. Es braucht eine gute Anleitung durch einen erfahrenen Yogalehrer, dazu genügend Kraft im Bereich von Rumpf, Schultern und Oberarmen. Das Körpergewicht sollte keinesfalls auf dem Kopf und den Halswirbeln liegen. Oft ist bei falscher Ausführung ein Schaden an den Bandscheiben oder den Blutgefäßen nicht sofort erkennbar, sondern zeigt sich erst mit Verzögerung. Ich persönlich denke nicht, dass der Kopfstand als eine Art Königsdisziplin Bestandteil einer vollständigen Yogaschulung sein muss.

Wie hoch ist generell die Verletzungsgefahr?

Die steigt dann, wenn Yogaschüler zu großen Ehrgeiz an den Tag legen. Viele eifern vor allem einer äußeren Form nach und achten dabei zu wenig auf die Grenzen des eigenen Körpers. Ich würde dazu raten, die Leistungsorientierung anderer Sportarten nicht mit auf die Yogamatte zu bringen. Am besten bespricht man mit dem Yogalehrer auch vorher individuelle Schwachstellen wie Knie, Hüfte oder Lendenwirbelsäule. Dann kann er bei möglicherweise belastenden Übungen schonende Alternativen vorschlagen.

Es heißt ja immer, man solle bis zu zwei Stunden vorher nichts essen. Aber was tun, wenn mir auf nüchternen Magen flau wird?

Eine Portion fette Pommes direkt vor dem Kurs würde ich nicht empfehlen. Dann ist der Körper mit der Verdauung beschäftig und Übungen, bei denen man auf dem Bauch liegt, können unangenehm werden. Trotzdem muss es auch kein knurrender Magen sein. Das sollte jeder für sich herausfinden, in welcher Verfassung er sich am wohlsten fühlt. Vielleicht probieren Sie mal Banane, Knäckebrot oder Zwieback als kleinen Snack vorab oder trinken noch eine Tasse Tee, falls Sie direkt von der Arbeit auf die Yogamatte fallen.

Macht Yoga schlank?

Nein, allein durch die Bewegungen nehmen Sie nicht ab. Im Gegenteil, der Grundumsatz sinkt teilweise sogar ein wenig, wenn man regelmäßig Yoga praktiziert. Durch die  Übungen wird der Körper darin geschult, sich immer wieder schnell in einen ruhigen, ausgeglichenen Modus einzufinden. Wir vermeiden unnötigen Kraftaufwand und nutzen stattdessen die vorhandene Energie effizient. Das überträgt sich auch in den Alltag und verringert so das übliche "Gerenne". Deshalb eignet sich Yoga nicht zum Abnehmen im üblichen Sinn. Allerdings kann sich das Essverhalten trotzdem zum Positiven verändern – einfach, weil viele Menschen durch Yoga lernen, innezuhalten und alte Gewohnheiten wie Essen aus Frust oder Langeweile zu überdenken.

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