Sterilisation des Mannes: Die Vasektomie

Die Vasektomie ist eine Operation zur Verhütung. Sie zielt darauf ab, dass beim Mann keine befruchtungsfähigen Spermien mehr in den Samenerguss (Ejakulat) gelangen

von Dr. med. Dagmar Schneck, 12.11.2014

Ist die Verhütung gesichert, können manche Paare Sex unbeschwerter genießen


Bei der Suche nach einer geeigneten Verhütungsmethode wählen manche Menschen einen operativen Eingriff, der sie dauerhaft unfruchtbar macht. Die Operation zur Sterilisation von Männern heißt Vasektomie. Dabei durchtrennt der Arzt auf beiden Seiten die Samenleiter.

Vor der Entscheidung zur Vasektomie: gründlich überlegen

Es gibt mehrere mögliche Gründe für eine Sterilisation. Am häufigsten ist die abgeschlossene Familienplanung. Aber auch, wenn eine weitere Schwangerschaft die Partnerin gefährden würde, kann das den Ausschlag für die Vasektomie geben.

Bei der Entscheidung zur Vasektomie sollte der Mann aber auch überlegen, ob sich seine Lebensumstände nicht noch derart ändern könnten, dass er seinen Entschluss bereut. So ein Fall könnte beispielsweise eine zukünftige neue Partnerin mit Kinderwunsch sein.
Urologen führen die Vasektomie durch. Vor der Operation erläutert der zuständige Arzt in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch die Art des Eingriffes, seine Folgen und möglichen Nebenwirkungen.

Wie kommen die Spermien in die Samenflüssigkeit?
Die Hoden bilden die Spermien. Danach wandern die Spermien in den zugehörigen Nebenhoden, wo sie fertig reifen. Dort und in den Samenleitern werden sie gespeichert. Während des Geschlechtsaktes ziehen sich die Samenleiter stark zusammen. Dadurch gelangen die Spermien von dort in die Harnröhre, gemeinsam mit Flüssigkeit aus den Samenblasen und der Prostata. Der Samenerguss, die sogenannte Ejakulation, stößt die Samenflüssigkeit und die Spermien aus. Die Spermien bilden mit etwa fünf bis zehn Prozent nur einen geringen Teil der gesamten Samenflüssigkeit.

Wie führt der Arzt die Sterilisation durch?

Ein Samenleiter ist ein 30 bis 35 Zentimeter langer, kräftiger "Faden". Er hat in etwa die Dicke einer Spaghetti. Bei der Sterilisation durchtrennt und unterbindet der Arzt die Samenleiter auf beiden Seiten. Häufig entnimmt er dabei einen etwa einen Zentimeter langen Abschnitt. Die entnommenen Teilstücke des Samenleiters kann ein Gewebespezialist untersuchen. Diese Untersuchung ist nicht vorgeschrieben, aber sie bietet eine zusätzliche Sicherheit darüber, dass es sich wirklich um Stücke des Samenleiters handelt. Je nach Methode verödet der Arzt den Hohlraum des Gefäßes auch noch mit Hilfe von elektrischem Strom (Kauterisierung).

Die meisten Vasektomien erfolgen ambulant. Nachdem der Hodensack auf beiden Seiten örtlich betäubt wurde, ertastet der Arzt die Samenleiter durch die Haut des Hodensacks und schneidet dann die Haut links und rechts etwa ein bis zwei Zentimeter ein. Noch schonender soll die sogenannte no-scalpel-Vasektomie sein. Dabei wird die Haut des Hodensacks nur punktiert, und nicht geschnitten. Durch diese Hautöffnung führt der Arzt dann den Eingriff minimal-invasiv mit Spezialinstrumenten durch.

Nach der Operation haben die betroffenen Männer in der Regel kaum Schmerzen. Trotzdem sollen sie sich für ein bis zwei Tage körperlich schonen und für zehn Tage auf Sport verzichten. Duschen ist ab dem ersten Tag nach der Operation möglich, aber der Betroffene sollte drei Wochen lang nicht baden.

Risiken und unerwünschte Folgen einer Vasektomie

Bei einer Vasektomie treten nur selten Komplikationen auf. Möglich sind Blutergüsse oder Wundinfektionen. Selten leiden Männer nach einer Sterilisation unter bleibenden Schmerzen im Bereich des Hodensackes, einem sogenannten Post-Vasektomie-Syndrom. Manche Experten vermuten, dass nach dem Abbinden oder Veröden des Samenleiters ein Rückstau der Spermien in die Nebenhodenkanälchen das Syndrom auslöst. Andere glauben eher an eine psychische Ursache der Beschwerden.

Extrem selten können auch nach einer Sterilisation die Samenleiter wieder zusammenwachsen, so dass einige Zeit nach einer erfolgreichen Sterilisation doch wieder Spermien im Ejakulat vorhanden sind.

Wie geht es nach der Sterilisation weiter?

Noch einige Monate nach einer Vasektomie können befruchtungsfähige Spermien in der Samenflüssigkeit vorhanden sein. Das sind Spermien, die bereits vor der Sterilisation in die Samenwege gelangt sind. Daher ist in der ersten Zeit noch eine zusätzliche Verhütung nötig. Ein ungeschützter Geschlechtsverkehr ist erst dann sicher, wenn das Labor in wiederholten Kontrolluntersuchungen des Samenergusses keine befruchtungsfähigen Spermien mehr finden kann. Der Mann sollte mit dem Arzt besprechen, ab wann es für ihn sicher ist, auf Verhütungsmittel zu verzichten.

Welche Kosten entstehen durch eine Vasektomie?

Eine Vasektomie kostet etwa 500 Euro. Diese Summe schließt auch die Nachuntersuchungen der Samenflüssigkeit mit ein. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten in aller Regel nicht.

Lässt sich eine Vasektomie wieder rückgängig machen?

Grundsätzlich kann nach einer Vasektomie ein spezialisierter Urologe die Samenleiter unter dem Mikroskop wieder zusammennähen. Dieser Eingriff ist jedoch sehr aufwändig und kostet zwischen 2000 und 5000 Euro. Bei 90 bis 98 Prozent der so behandelten Männer kann das Labor nach dem Eingriff auch wieder ein positives Spermiogramm nachweisen. Dennoch liegt die Chance, danach noch einmal Vater zu werden, deutlich niedriger.

Wer trotz einer Vasektomie einen etwaigen späteren Kinderwunsch nicht ausschließen will, kann vor der Operation Spermien gewinnen und einfrieren lassen. Dieses Verfahren heißt Kryokonservierung. Spezielle Labore bieten die Lagerung der Spermien an.

Vorteile einer Vasektomie

Insgesamt geht die Vasektomie im Vergleich zu vielen anderen Verhütungsverfahren mit geringen Komplikationen einher. Insbesondere ist sie deutlich einfacher und weniger aufwändig als die Sterilisation der Frau. Die Vasektomie hat auch keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt. Damit bleiben das Lustempfinden und die Erektionsfähigkeit in der Regel unbeeinträchtigt.

Die Sicherheit der Verhütung per Vasektomie liegt mit einem Pearl Index von 0,1 in etwa im Bereich der Antibabypille. Der Pearl Index gibt bei Verwendung einer Verhütungsmethode an, wie viele von hundert Frauen dennoch innerhalb eines Jahres schwanger werden.

Wenn ein Paar den Wunsch nach einer dauerhaften Verhütung hat, gehört die Vasektomie zu den Verhütungsmethoden mit den wenigsten unerwünschten Wirkungen.

Nachteile einer Vasektomie

Abgesehen von möglichen Komplikationen des Eingriffs (siehe oben) haben manche Männer nach der Sterilisation seelische Probleme damit, unfruchtbar zu sein. Und wie beschrieben, lässt sich die Fruchtbarkeit im Falle eines Kinderwunsches nur mit viel Aufwand und nicht in jedem Fall wieder erlangen. Diese Aspekte sollte der Mann vor der Entscheidung zu einer Vasektomie bedenken.

Beratender Experte: Professor Dr. med. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology.

Quellen:
1. Hautmann R, Urologie, 4. Auflage, Heidelberg 2010,
Die Sterilisation des Mannes, Patienteninformation. Online: www.dgu.de/sterilisation.html (abgerufen am 13.05.2014)
2. Wieder W., Schroder-Printzen I, Schuppe HC, Leitlinien international – Zwei neue Leitlinien zur Vasektomie und ihre Relevanz für die Andrologische Tätigkeit, Aktuel Urol 2012; 43(05):287-290. Online: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0032-1329376 (abgerufen am 13.05.2014)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.