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Gefährliches Mikroplastik: Riskante Winzlinge

Kunststoffe vermüllen unsere Umwelt. Kleinste Partikel davon landen auch auf unseren Tellern. Gegen die Flut des Mikroplastiks ergreifen manche privat die Initiative - und Forscher suchen nach plastikfreien Alternativen

von Ute Essig, 14.12.2018
Projekt: The Ocean Cleanup

Putzaktion im Meer: Ein Schlepper des Projekts "The Ocean Cleanup" fischt Plastik aus dem Wasser


Meerestiere verenden qualvoll, Traumstrände werden zu Müll­kippen – die Plastikflut, die sich in die Weltmeere ergießt, ist ein gewaltiges Problem für Mensch und Natur. Allein in Europa fallen nach Angaben der Europäischen Kommission pro Jahr 25 Mil­lionen Tonnen Plastikabfall an.

Weltweit wurden 2015 rund 322 Millionen Tonnen Plastik produziert, schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft. In Deutschland wirft jeder Einwohner jährlich im Mittel 37 Kilogramm Plastikverpackungen weg –sechs Kilogramm mehr als der EU- Durchschnitt. Ein Teil davon wird recycelt oder verbrannt. Der Rest vermüllt Meere und landet auf Deponien.

Mysterium Mikroplastik

Neben privaten Initiativen, die ein plastikfreies Leben propagieren, und internationalen Projekten, die versuchen, die riesigen Plastikteppiche wieder aus dem Meer zu fischen, sucht auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nach Lösungen.  Mit "Plastik in der Umwelt" startet ein Forschungsschwerpunkt, an dem 18 Verbundprojekte beteiligt sind. Die Wissenschaftler untersuchen zum Beispiel, auf welchen Wegen genau Kunststoffe durch Flüsse und Gewässer ins Meer gelangen.

Dr. Andreas Kiesow

Woher kommen sie? Wie verhalten sie sich im Wasser? Wie schädlich sind sie für Menschen, Tiere und die Umwelt? Diese Fragen wollen die Forscher-Teams klären. "Vor allem beim Thema Mikroplastik bestehen große Wissenslücken", berichtet Doris Knoblauch, Koordinatorin des wissenschaftlichen Begleitprojekts "PlastikNet". Mikroplastik entsteht, wenn der Zahn der Zeit den Kunststoff in weniger als fünf Millimeter große Partikel zerreibt.

Wie das Mikroplastik zu uns kommt

Bekannt ist bereits, dass Teilchen unterhalb einer Größe von einem Nano­meter vermehrt giftige Substanzen binden und in Zellen gelangen können. Fische und andere Meerestiere fressen das Mikroplastik mit ­ihrer Beute, sodass es in die Nahrungskette und auf die Teller der Menschen gelangt. Bis zu 11 000 winzige Plastikpar­tikel nehmen beispielsweise Europäer bei durchschnittlichem Fischverzehr pro Jahr auf. Auch in Meersalz und selbst in Bier und Trinkwasser hat man Rückstände entdeckt.

Doch Mikroplastik gelangt nicht nur durch den strömungs- und witterungsbedingten Zerfall von Kunststoffprodukten in die Umwelt. Es wird auch gezielt hergestellt und beispielsweise bei der Produktion von Kosmetika verwendet. Die Körnchen stecken in Körper­lotionen, Gesichts­cremes und Peelings. Sie lassen sich nach Wunsch modifizieren und in großen Mengen erzeugen. Dieses Mi­kro­plastik soll beispielsweise die Reinigungswirkung der Pro­dukte durch seine Schleifwirkung verstärken oder das Hautgefühl verbessern. Kläranlagen können die Kunststoffpartikel aber nicht aus dem Wasser filtern.

Natürliche Alternative

Hier versuchen Wissenschaftler Alternativen für den Problemstoff zu finden. Dem Team von Dr. Andreas Kiesow am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle/Saale ist es bereits gelungen, zusammen mit Industriepartnern Zellulose aus Buchenholz so aufzubereiten, dass es das Mikro­plastik in Kosmetikprodukten ersetzen kann. Kiesow und sein Team experimentieren in ihrem ebenfalls vom BMBF geförderten Projekt auch mit dem Holzbestandteil Lignin sowie mit Hafer, Weizen und Maisschrot.

"Zellulose erwies sich farblich und geruchlich als der beste Ersatz für Mi­­kroplastik in Pflegeprodukten", erläutert Andres Kiesow. Die relativ weichen Zellulosefasern fügen sich zum Beispiel gut in die Zusammensetzung von Produkten zur Haut­reinigung ein und entfernen Make-up dennoch zuverlässig.