Feinstaub: Folgen für die Gesundheit

Verkehr, Industrie, aber auch Raucher und Drucker blasen Feinstaub in die Luft. Die Mini-Partikel können Herz und Lunge schädigen. Was Sie über die feinen Teilchen wissen sollten

von Michael Aust / Dr. Roland Mühlbauer, 23.01.2017

Verkehr und Industrie tragen wesentlich zur Feinstaubbelastung bei


Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, und auch die Schleimhäute und Härchen in der Nase halten sie nicht ab: Feinstaubpartikel unterscheiden sich vom Grobstaub durch ihren Durchmesser von weniger als 0,01 Millimeter, also 10 Mikrometern.

Weil sie so winzig sind, wandern sie über die Atemwege in den menschlichen Körper und dort bis in die Bronchien. Noch kleinere Teilchen mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometer (PM 2,5) können in die Lungenbläschen und Teilchen unter 1 Mikrometer sogar in die Blutgefäße vordringen.

Wie Feinstaub den Körper schädigt

Vor allem kann der Feinstaub Atembeschwerden auslösen. Darüber hinaus erhöht er das Risiko für Herzinfarkte und für Lungenerkrankungen bis hin zu Lungenkrebs.

Setzen sich die Staubkörner etwa in den Bronchien fest, ziehen sich die Atemwege zusammen. Ein gesunder Mensch kann das ausgleichen, Asthmatiker werden dadurch kurzatmig. Dringen die bakteriengroßen Partikel in die Lungenbläschen ein, fährt der Körper seine ganze Abwehr auf, um sie wieder loszuwerden. Damit schädigt er sein eigenes Gewebe – was wiederum das Risiko für Krebs erhöht. Jährlich sterben 47.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Luftverschmutzung durch Feinstaub und Stickstoffoxide, schätzte das Umweltbundesamt im Jahr 2014.

Umstrittene Grenzwerte

Aber wie viel Feinstaub darf höchstens in der Luft schweben, damit das Atmen nicht zur Gefahr wird? Darüber streiten Experten seit Jahren. Während die Europäische Union einen zulässigen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter verabredet hat, hält die Weltgesundheitsorganisation WHO schon alles über 20 µg/m³ für bedenklich. Ein unterschiedlicher Maßstab, der radikal verschiedene Bewertungen zur Folge hat, was die Belastung in Deutschland angeht.

Welche, das zeigte kürzlich die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Peter Meiwald der Partei Die Grünen. Demnach hat die mittlere Feinstaubbelastung in Deutschland seit dem Jahr 2000 kontinuierlich abgenommen. "Der Grenzwert für das Jahresmittel 40 μg/m³ wurde 2014 an keiner Messstation überschritten", schreibt die Bundesregierung. Und nur an drei Prozent der Messstellen sei der Grenzwert für das Tagesmittel erreicht worden. Er liegt bei 50 μg/m³ und darf laut Bestimmung bis zu 35 Mal im Jahr überschritten werden. So liest sich die Statistik als Erfolgsgeschichte.

Laut WHO auch niedrige Werte riskant

Gemessen nach der WHO-Empfehlung, muss die Bundesregierung ihre Daten allerdings relativieren: So sei die Empfehlung von maximal 20 μg/m³ im Jahresmittel an fast der Hälfte der Messstationen überschritten worden. Der WHO-Richtwert, der schon eine Belastung von 50 μg/m³ im Tagesmittel an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen für bedenklich hält, überschritten sogar 89 Prozent der Messstellen.

Beim sehr kleinen Feinstaub PM 2,5 wird die Latte der Weltgesundheitsorganisation sogar an fast allen Stationen gerissen. "Ich finde das sehr beunruhigend", sagt Peter Meiwald. "Zumal sowohl die Bundesregierung als auch die EU darauf hinweisen, dass es keinen Grenzwert gibt, unter dem der sehr kleine Feinstaub PM 2,5 keine Gefahr für die Gesundheit darstellt."

Herzinfarktrisiko schon bei geringer Konzentration erhöht

Auch das Umweltbundesamt, Deutschlands zentrale Umweltbehörde, sieht die Werte mit Besorgnis: "Das Gesundheitsrisiko bleibt bestehen. Gesundheitsschäden treten auch bei geringen Feinstaubkonzentrationen auf", sagt Sprecher Felix Poetschke. Argumente für strengere Grenzwerte könnte die Gesundheitspolitik zum Beispiel der Studie eines internationalen Forscherkollektivs entnehmen, die 2014 im Fachmagazin British Medical Journal veröffentlicht wurde.

Die Wissenschaftler verglichen die Gesundheitsdaten von mehr als 100.000 Menschen, die über fast zwölf Jahre beobachtet worden waren, mit der Luftqualität an ihren jeweiligen Wohnorten. Laut ihren Berechnungen erhöht ein Anstieg der jährlichen Konzentration an Partikeln des mikrokleinen Typs (unter 2,5 Mikrometer) um fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft das Risiko eines Herzinfarkts um zwölf Prozent.

Feinstaubverursacher im Freien

Hauptverursacher von Feinstaub ist der Verkehr: Vor allem Autos und Fahrzeuge mit Dieselmotoren sind für die Mikropartikel verantwortlich. Auch Reifen- und Bremsenabrieb von Autos trägt dazu bei. Hinzu kommen Partikelschleudern wie Kraftwerke oder Prozesse in der Metall- und Stahlerzeugung. Aber auch Kamine und Holzöfen wirbeln feinste Partikel in die Luft, ebenso die Landwirtschaft beim Düngen.

Zur Feinstaubbelastung in Deutschland gibt es auf der Internetseite des Umweltbundesamts eine Karte, die laufend aktualisiert wird. Auch die Feinstaubbelastung der letzten Monate kann damit angezeigt werden.

Drinnen Feinstaub vermeiden

Was kann man tun für eine ungefährlichere Atemluft im Zimmer? Tabak- und Kerzenrauch, sogar Toaster und Staubsauger erhöhen die Belastung mit Feinstaub. Deshalb sollte man zum Beispiel auf Rauchen in Räumen verzichten, bei Kaminöfen emissionsarme Produkte erwerben und richtig mit dem Brennholz umgehen – und Teppich verlegen. Dessen Fasern wirken offenbar als Staubfänger, wie ein Test des Deutschen Asthma- und Allergikerbunds vor einigen Jahren zeigte.

Die Tester untersuchten die Raumluft von 100 Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmern auf Feinstaubpartikel und kamen zu dem Ergebnis: In Wohnungen mit Parkett, Laminat oder Fliesen enthielt ein Kubikmeter Atemluft mehr als doppelt so viel Mikrogramm Feinstaub wie ein Kubikmeter Luft in Räumen, wo Teppich den Boden bedeckte.

Als Feinstaubproduzent in Verruf geraten sind auch manche Laserdrucker. Sie sollten nur in speziell belüfteten Räumen betrieben werden. "Ich empfehle, sich vor dem Kauf eines Laserdruckers zu informieren, ob die Drucker mit dem Umweltzeichen Blauer Engel zertifiziert sind, oder gleich auf einen Tintenstrahldrucker auszuweichen", rät Peter Meiwald.

Extremwerte in China

Eine gute Nachricht gibt es indes: Verhältnisse wie in chinesischen Großstädten muss hierzulande noch niemand fürchten. Dort heizt ein Großteil der Bevölkerung noch mit Kohleöfen, während sich durch die Stadtautobahnen Millionen von Autos schieben.

Wozu das führt, konnte man wieder vergangenen Dezember beobachten: Die Hauptstadt Peking etwa versank unter einer Wolke aus Feinstaub. Zu Spitzenzeiten erreichte die Belastung dort Werte von über 500 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Der deutsche Spitzenreiter, die Messstation "Stuttgart Am Neckartor", erreichte 2014 einen Jahresmittelwert von 89 Mikrogramm. Der Tagesmittelwert lag am 22.01.2017 zum Beispiel bei 134 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Neue EU-Richtlinie

Seit Anfang 2017 ist eine EU-Richtlinie in Kraft getreten, durch die die Emissionen folgender Luftschadstoffe bis 2030 reduziert werden sollen: Schwefeldioxid um 79 Prozent, Ammoniak um 19 Prozent, flüchtige organische Verbindungen um 40 Prozent, Stickoxide um 63 Prozent und Feinstaubpartikel unter 2,5 Mikrogramm um 49 Prozent. Dadurch sollen die negativen Einflüsse der Luftverschmutzung auf die Gesundheit halbiert werden.