Schlafkrankheit (afrikanische Trypanosomiasis)

Bei der Schlafkrankheit handelt es sich um eine durch Tsetsefliegen übertragene Infektionskrankheit mit Parasiten (Trypanosomen). Sie kommt ausschließlich in Afrika vor und verläuft ohne Therapie in der Regel tödlich

von Dr. Markus N. Frühwein, 07.01.2014

Trypanosomiasis: Die Erreger der Infektionskrankheit verbreiten sich im Körper und lösen schwere Entzündungen aus


Schon in einem frühen arabischen Werk von 1406 wird "illat elnom", die Schlafkrankheit, als Todesursache eines arabischen Fürsten erwähnt. In der west- und zentralafrikanischen Geschichte taucht die Schlafkrankheit immer wieder auf. Als Ursache der Erkrankung wurde jedoch meist Zauberkunst, häufig in Form eines verhexten oder bösen Windes, vermutet.

Immer wieder kam es zu größeren Epidemien wie zum Beispiel in Uganda, als zwischen 1898 und 1906 fast 200.000 Menschen der Krankheit zum Opfer fielen. Heute spielt die afrikanische Trypanosomiasis immer noch eine große Rolle in den betroffenen Gebieten und die Eindämmung stellt Ärzte vor eine große Herausforderung. Versuche, der Tsetsefliege durch Rodung von Waldgebieten und großflächigem Einsatz von Insektiziden Herr zu werden, zeigten bisher keine ausreichenden Erfolge.

Ursachen: Wie wird die Schlafkrankheit übertragen?

Beim Erreger der Schlafkrankheit handelt es sich um die Trypanosomen Trypanosoma brucei gambiense (westafrikanische Trypanosomiasis) und Trypanosoma brucei rhodesiense (ostafrikanische Trypanosomiasis), die sich in ihrem Krankheitsverlauf und der geographischen Verbreitung unterscheiden.

Übertragen werden beide Formen ausschließlich durch weibliche und männliche Tsetsefliegen (Glossina). In Westafrika vorwiegend von Glossina palpalis, die feuchte Gebiete und Gewässer als Lebensraum bevorzugt, in Ostafrika von Glossina morsitans, die in trockeneren Gebieten heimisch ist. Die tagesaktiven Stechfliegen, die eine Lebensdauer von bis zu fünf Monaten haben, infizieren sich beim Menschen mit dem Erreger der Schlafkrankheit. Im Körper der Fliege macht dieser Parasit eine mehrere Wochen andauernde Entwicklung und Wanderung in die Speicheldrüsen durch, bis er erneut durch den Speichel beim Stich auf den Menschen übertragen werden kann.

Dort vermehren sich Trypanosomen außerhalb von Zellen durch Zellteilung, verbreiten sich im Körper und lösen schwerwiegende Entzündungsreaktionen aus. Durch einen besonderen Tarnmechanismus mit ständig wechselnder Oberfläche des Erregers (Surface coat switch) in unterschiedlichen Erregergenerationen, wird das Immunsystem des Menschen umgangen.

Bei der westafrikanischen Trypanosomiasis ist vorwiegend der Mensch das Reservoir des Erregers, auch wenn andere Säugetiere befallen sein können. Tsetsefliegen infizieren sich vor allem an Erkrankten im frühen Stadium, die über einen längeren Zeitraum noch wenig Symptome haben können.

Bei der Infektion mit Trypanosoma brucei rhodesiense, der "ostafrikanischen" Variante, handelt es sich dagegen um eine Zoonose. Das ist eine Erkrankung, bei der Tiere das Hauptreservoir bilden, die aber von ihnen auf den Menschen übertragen werden kann und umgekehrt. Vor allem Antilopen, Böcke und andere Savannenbewohner sind betroffen. Die Wildtiere selbst erkranken dabei nicht. Auch wenn der Mensch nicht der eigentliche Wirt für den Erreger ist, können sich Tsetsefliegen infizieren und so lokale Epidemien auslösen. Auch Nutztiere können infiziert werden, erkranken dabei jedoch meist nur leicht.

Seit 2009 sind die Erkrankungszahlen erstmalig rückläufig. Nach Schätzungen beläuft sich die Zahl an Neuerkrankungen auf zirka 30.000 pro Jahr. Nur ein geringer Teil davon wird jedoch diagnostiziert.

Verbreitung: Wo kommt die Schafkrankheit vor?

Die Gebiete der durch Trypanosoma brucei gambiense ausgelösten westafrikanischen Trypanosomiasis liegen in West- und Zentralafrika. Die der ostafrikanischen Trypanosomiasis, die durch Trypanosoma brucei rhodesiense verursacht wird, sind in Ostafrika und den nördlichen Teilen Südafrikas zu finden. Die Krankheit beschränkt sich hierbei auf einzelne Gegenden in den jeweiligen Regionen. Dabei ist die geographische Ausbreitung direkt abhängig vom Lebensraum der Tsetsefliege. Insbesondere in ländlichen und schlecht entwickelten Regionen kommt die Erkrankung gehäuft vor – sie ist hier endemisch.

Symptome: Wie verläuft die Schlafkrankheit?

Die Beschwerden variieren bei beiden Erkrankungen stark in ihrer Ausprägung. Meist beginnt die Schlafkrankheit in einem ersten Stadium mit Fieber und Begleitsymptomen (hämolymphatisches Stadium). Schließlich führt sie zu schwerer Symptomatik, wenn sich der Erreger ins zentrale Nervensystem (meningoenzephalitisches Stadium) ausbreitet.

Im Bereich der Einstichstelle entsteht gelegentlich, insbesondere bei der westafrikanischen Trypanosomiasis, eine gerötete, schmerzhafte Schwellung. Das ist der sogenannte Trypanosomenschanker, der sich innerhalb der nächsten Wochen wieder zurückbildet.

Im Rahmen einer Infektion mit Trypanosoma brucei gambiense (westafrikanische Trypanosomiasis) kommt es meist innerhalb weniger Wochen zu immer wieder auftretendem Fieber und Schüttelfrost. Die Lymphknoten schwellen an. Stark geschwollene Lymphknoten im Nackenbereich werden Winterbottom-Zeichen genannt. Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Ödeme, Juckreiz und Hautveränderungen (Trypanide) können auftreten. Häufig zeigt sich auch eine Vergrößerung von Leber und Milz.

Bei Trypanosoma brucei rhodesiense-Infektionen (ostafrikanische Trypanosomiasis) sind die Krankheitszeichen meist deutlich schwächer ausgeprägt und treten teilweise erst viele Monate nach der Infektion auf. Denn, während sich die westafrikanische Form meist akut entwickelt, schreitet die ostafrikanische Form langsam voran und bereitet anfangs zum Teil keine oder nur wenige Beschwerden. Gelegentlich treten Kopfschmerzen oder leichte Fieberschübe auf. 

Erreichen die Trypanosomen das Gehirn (meningoenzephalisches Stadium), treten neurologische Symptome in den Vordergrund. Während der Zeitraum bis zum Einsetzen dieser Phase bei westafrikanischer Trypanosomiasis häufig nur einige Wochen beträgt, kann es bei der ostafrikanischen Form bis zu Jahre dauern.

Häufig beginnen die vom Gehirn ausgehenden Symptome schleichend mit Schlafstörungen, insbesondere einem Wechsel des Tag und Nacht-Rhythmus, Unruhe, Reizbarkeit, Persönlichkeitsstörungen, Verlangsamung und Lethargie. Hinzu kommen im weiteren Verlauf Bewegungsstörungen, Zittern (Tremor), Muskelzuckungen und Koordinationsstörungen, insbesondere beim Gehen. Die Sprache wird unverständlich. Epilepsien können hinzukommen.

Im Endstadium nehmen Schläfrigkeit und Abwesenheit weiter zu und gehen schließlich in ein Koma über, das mit dem Tod endet.

In der letzten Phase der Erkrankung ist der Körper durch fehlende Nahrungsaufnahme und die Infektion stark geschwächt. Viele Infizierte sterben in dieser Phase an anderen Infektionen wie Lungenentzündungen oder, insbesondere bei der ostafrikanischen Trypanosomiasis, an einer Herzbeutelentzündung und Herzversagen.

Diagnose: Wie lässt sich die Schlafkrankheit feststellen?

Der Erreger lässt sich durch verschiedene Anreicherungs- und Färbeverfahren mikroskopisch in Blut, Lymphknotengewebe und der das Gehirn umgebenden Flüssigkeit (Liquor) nachweisen. Auch mittels Polymerase chain reaction (PCR) können Trypanosomen identifiziert werden. Zur Bestimmung von Antikörpern stehen verschiedene Labormethoden zur Verfügung – zum Beispiel der indirekte Fluoreszenzantikörpertest (IFAT) oder der Enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA). In diesem Verfahren lässt sich Trypanosoma brucei rhodesiense gut nachweisen. Für die Diagnostik in ärmsten Regionen gibt es verschiedene Testkits zur Bestimmung von Antigenen und Antikörpern.

Wichtig: Treten bei Touristen fieberhafte Erkrankungen auf, die in entsprechendem zeitlichen Zusammenhang mit einem Aufenthalt in einem Risikogebiet stehen, sollte eine Trypanosomiasis in Betracht gezogen werden.

Therapie: Wie lässt sich die Schlafkrankheit behandeln?

Die Therapie erfolgt abhängig davon, wie die Schlafkrankheit fortschreitet. Je nach Erreger setzen Ärzte im hämatolymphatischen Stadium die Medikamente Suramin und Pentamidin ein, im meningoenzephalitischen Stadium Melarsoprol und Difluoromethylornith. Alle Mittel können starke Nebenwirkungen hervorrufen. Die Heilungschancen unter Therapie sind im hämatolymphatischen Stadium und im frühen meningoenzephalitischen Stadium sehr gut.

Vorbeugen: Wie können sich Urlauber schützen?

Für Reisende besteht grundsätzlich ein sehr geringes Risiko, an einer Trypanosomiasis zu erkranken. In Deutschland tauchen Fälle bei Reiserückkehrern alle paar Jahre vereinzelt auf. Wer sich in entsprechenden Risikogebieten aufhält, sollte Repellentien und Insektizide verwenden. Da die Tsetsefliege dunkle Farben bevorzugt, sollten Urlauber helle, am besten lange Kleidung tragen. Eine Impfung gibt es derzeit nicht.

Autor und Experte: Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.