Ohrgeräusche (Tinnitus): Was Sie selbst tun können

Ein Tinnitus zeigt oft an, dass es etwas zu verändern gibt: Stress abbauen, sich vor Lärm schützen, Gesundheitsprobleme angehen – Sie können selbst viel tun und eine Therapie aktiv unterstützen

aktualisiert am 19.03.2018

Nicht überfordern, ausreichend entspannen – das ist gut für Körper und Seele


Gelegentliche Ohrgeräusche, akuter Tinnitus: Was tun?

Wenn Sie manchmal Ohrgeräusche haben, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollten Sie nach einer HNO-Untersuchung einschließlich Hörtest das Symptom als Warnsignal Ihres Körpers und Ihrer Seele ernst nehmen.

Fragen Sie sich, was Ihnen das Pfeifen, Rauschen oder Summen sagen will, und überlegen Sie, wie Sie mit Stress und Überforderungen besser umgehen könnten. Gönnen Sie sich zwischendurch immer wieder mal eine kurze Pause und meiden Sie die Stille, aber auch übermäßigen Lärm und allzu laute Musik.

Setzt der Tinnitus sich fest, zeigt er sich in immer kürzeren Abständen oder tritt er plötzlich heftig auf, sollten Sie sich spätestens dann innerhalb von ein, zwei Tagen bei einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten eingehender untersuchen lassen.

Wenn die Ohrgeräusche chronisch geworden sind

Wenn die ungebetenen Dauertöne sich dauerhaft einnisten, lassen Sie sich nicht entmutigen. Versuchen Sie zuerst, sie anzunehmen und mehr über sie zu erfahren. Lassen Sie sich eingehend von Ärzten und Psychotherapeuten, die auf Tinnitus spezialisiert sind, beraten.

In einem weiteren Schritt gilt es, wenn nötig mit fachlicher Unterstützung, die ständigen inneren Geräusche in Ihr Alltagsleben mit einzubinden. Denn je mehr Aufmerksamkeit Sie dem Tinnitus schenken, desto mehr kann er Sie plagen.

Familienmitglieder, Arbeitskollegen und Bekannte fühlen sich durch häufige Berichte über Ihre gesundheitlichen Sorgen oftmals überfordert. Sprechen Sie deshalb hauptsächlich mit ausgewählten Vertrauten, mit Fachleuten und mit anderen Betroffenen darüber, was Sie in Bezug auf den Tinnitus bedrückt.

Was im Umgang mit Tinnitus helfen kann

  • Unterbrechen Sie Ihren Tagesablauf mit angenehmen Aktivitäten und versuchen Sie, auch unangenehme Dinge gelassen zu nehmen.
  • In Selbsthilfegruppen können sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen. Die Deutsche Tinnitus-Liga in Wuppertal bietet zusammen mit ihren knapp 100 über ganz Deutschland verteilten Gruppen umfangreiche Informationen und persönliche Beratungen an (siehe Kapitel "Ohrgeräusche (Tinnitus): Übersicht").
  • Eine gesunde Lebensweise trägt dazu bei, besser mit bestehenden Ohrgeräuschen umzugehen beziehungsweise ihnen vorzubeugen. Dazu gehört, sich viel körperlich zu bewegen und sich ausgewogen zu ernähren.
  • Stärken Sie Ihre Psyche und Ihr inneres Gleichgewicht. Das gelingt oft mit Entspannungsmethoden und Stressmanagement, zum Beispiel unter Anleitung in speziellen Kursen.
  • Verhaltenstherapeutische Programme bieten bei subjektiv weniger stark belastenden chronischen Ohrgeräuschen, aber auch schon in der Anfangsphase eines Tinnitus wertvolle Unterstützung. Einige Forschungsinstitute haben computergestützte Selbsthilfeverfahren auf Grundlage strukturierter kognitiver Verhaltenstherapien entwickelt, die jedoch noch keinen Einzug in die Therapieangebote genommen haben.
  • Eine psychotherapeutische Beratung kann zudem helfen, den inneren Knoten und tiefergehende Probleme zu lösen.
  • Nehmen Sie bestehende gesundheitliche Störungen, die auch Ihre Hörempfindungen beeinflussen, ernst.
  • Halten Sie aber vor allem Faktoren, die das Gehör zusätzlich belasten oder nachhaltig schädigen können, in einem gesunden Rahmen.
  • Lärmschutz ist für bestimmte Berufsgruppen unerlässlich. Zunehmend leiden auch junge Menschen unter bleibender Schwerhörigkeit, oft verbunden mit Ohrgeräuschen. Der Grund ist überlaute Musik, sei es über Kopfhörer oder in der Diskothek. Der beste Schutz für ihr Gehör heißt deshalb: Runter mit der Lautstärke.