Ohrgeräusche (Tinnitus) – Ursachen: Schäden im Ohr

Heftiger Lärm, Ohrentzündungen und andere Erkrankungen im Ohrbereich sind häufige Auslöser für einen akuten und mitunter auch chronischen Tinnitus
aktualisiert am 03.04.2017

Wattestäbchen haben im Gehörgang nichts zu suchen. Damit entfernen Sie nur zu viel schützendes Ohrschmalz oder drücken es zu einem Pfropf zusammen - und der kann Tinnitus auslösen

Thinkstock/Pixland

Tinnitusursachen im Ohr: Verletzungen, Entzündungen, Schwerhörigkeit

Tritt ein Tinnitus akut auf, sind die Auslöser zuerst direkt im Ohr zu suchen. Hier beeinträchtigen harmlose oder ernsthafte Störungen die Schallweiterleitung unmittelbar.

– Ohrschmalzpfropf, Hindernisse im Gehörgang:

Ein einfacher Ohrschmalzpropf ist häufig der Grund, wenn Sie vorübergehend schlechter hören und Ohrgeräusche bekommen. Manche Menschen neigen verstärkt dazu. Aber auch wenn Sie Ihre Ohren gerne mit Wattestäbchen säubern, schieben Sie oft im Gegenteil das Ohrschmalz nur noch fester zusammen. Den Stöpsel im Ohr löst fachgerecht der HNO-Arzt. Dann legen sich auch die Beschwerden. Wer andererseits mit dem Wattestäbchen zu viel von dem wichtigen, schützenden Ohrschmalz entfernt, erleichtert es Keimen vorzudringen und verletzt möglicherweise die empfindliche Haut. Es kann zu Entzündungen im Gehörgang mit Hörproblemen und Ohrgeräuschen kommen.

Menschen, die viel in kaltem, oft zudem noch gechlortem Wasser schwimmen, haben häufiger mit Gehörgangsentzündungen und sogenannten Exostosen zu tun. Diese Knochenwucherungen stellen sich dem Schall quasi in den Weg und können ebenfalls für Tinnitus verantwortlich sein.

Das ist auch der Fall bei Fremdkörpern im Gehörgang. Sie behindern das Hören und haben oft Tinnitus zur Folge.

– Entzündungen, Verletzungen in Mittel- und Innenohr

Ein gewöhnlicher Schnupfen mit dick verstopfter Nase kann schon Ohrgeräusche auslösen, vor allem wenn auch die Tube, die Mittelohr und Nasenrachenraum verbindet, zu ist. Wird die Nase durch Nasentropfen oder andere abschwellende Maßnahmen wieder frei, geht meist mit der besseren Belüftung auch der Tinnitus zurück. Insbesondere Nasennebenhöhlenentzündungen können auf Mittel- und Innenohr übergreifen.

Eine akute Mittelohrentzündung geht mit starken Ohrenschmerzen und oft mit Tinnitus einher. Versteifte Gehörknöchelchen im Mittelohr (Otosklerose) können neben Ohrgeräuschen auch eine Mittelohrschwerhörigkeit (Schallleitungsschwerhörigkeit) nach sich ziehen. Das gilt ebenso für eine chronische Mittelohrentzündung.

Das Innenohr entzündet sich manchmal infolge einer Mittelohrentzündung. Aber auch über Verletzungen oder Tumore dringen, wenn auch seltener, bisweilen Krankheitserreger in den geschützten Innenohrraum vor. Ohrenschmerzen, akuter Tinnitus, Schwerhörigkeit, Schwindelgefühle sowie ein starkes Krankheitsgefühl mit Fieber und Übelkeit sind häufige kennzeichnende Symptome einer Innenohrentzündung (Labyrinthitis). Es handelt sich dabei um eine sehr ernste Erkrankung, die unverzüglich behandelt werden muss.

Kopfverletzungen, die das Mittel- und Innenohr erfassen, rufen ebenfalls des öfteren Tinnitus hervor. Auch Verletzungen des Trommelfells gehen häufig mit Ohrgeräuschen einher.

– Schwerhörigkeit

Eine Altersschwerhörigkeit oder eine Lärmschwerhörigkeit ist sehr häufig chronisch mit Tinnitus verbunden (mehr dazu im Ratgeber "Schwerhörigkeit").

Lärmschäden: Häufige Tinnitusursache bei jungen Menschen

Schwerhörigkeit und Tinnitus entwickeln sich gerade auch bei jungen Leuten oft durch übermäßige und/oder dauerhafte Lärmeinwirkung, etwa durch sehr laute Musik. Extreme Lautstärken rufen meist akute, zunächst noch vorübergehende Ohrgeräusche hervor. Mit der Zeit kann der Lärm aber Hörorgan und Hörsinneszellen dauerhaft schädigen.

Zu bleibenden Hörstörungen führen nicht selten auch Knall- und Explosionstraumata, die sofort behandelt werden müssen.

Hörsturz: Akute Schwerhörigkeit, Druck im Ohr, Tinnitus

Eine heftig erlebte, plötzliche Hörminderung meist auf einem Ohr, dazu oft Töne in Ohr und Kopf, ein Druckgefühl im Ohr und auch Schwindel sind kennzeichnend für einen Hörsturz. Bei diesen Anzeichen ist es ratsam, einen Hals-Nasen-Ohrenarzt oder eine Klinik aufzusuchen, auch um eine krankhafte Ursache auszuschließen.

Bisweilen heilen Hörstürze von selbst wieder aus, allerdings seltener als bisher angenommen. Sie können aber auch dauerhafte Schäden hinterlassen, die dazu führen, dass der Tinnitus weiterhin im Hörsystem erzeugt wird.

Stress spielt eventuell eine auslösende Rolle für diese akute Innenohrstörung, die Ursachen sind jedoch vielfältig und noch nicht eindeutig geklärt. Ein Hörsturz tritt möglicherweise auch im Zusammenhang mit Entzündungsvorgängen oder Autoimmunreaktionen auf. Wiederholte Beschwerden, die einem Hörsturz vergleichbar sind, können bei chronischen Erkrankungen wie der Menière-Krankheit oder einer Multiplen Sklerose vorkommen. Außerdem sind solche Hörsturzsymptome im Rahmen genetisch bedingter Innenohrerkrankungen möglich, bei denen sich die Hörschwelle in Schüben fortschreitend verschlechtert.

Menière-Krankheit: Schwindelattacken, Ohrgeräusche, Hörprobleme

Ohrgeräusche gehören zu den Leitsymptomen der Menière-Krankheit, einer relativ seltenen Innenohrerkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch schubweise auftretende Anfälle von Drehschwindel, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, Hörminderung und Tinnitus.

Die Ärzte behandeln zunächst akute Phasen mit Medikamenten, unter anderem gegen Schwindel und Erbrechen, gegebenenfalls auch mit Kortison. Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche können aber chronisch bestehen bleiben. Die weitere Therapie richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Morbus Menière (Menière-Krankheit)".

Akustikusneurinom: Seltene Ursache für Tinnitus

Ein gutartiger Tumor am Hörnerv (Akustikusneurinom) verursacht Hörverlust in einem Ohr und Tinnitus, auch als Ohrensausen. Die Geschwulst entsteht zwar am Gleichgewichtsnerv, drückt aber oft auf den Hörnerv und breitet sich im inneren Gehörgang aus. Sie kann Symptome auslösen, die denen eines Hörsturzes ähneln.

Weitere Tinnitusauslöser im Ohrbereich

Veränderte Druckverhältnisse im Ohr, zum Beispiel beim Fliegen oder Tauchen, bewirken häufig auch Tinnitus, entweder durch Unterdruck im Mittelohr (Baro-Krankheit) oder Überdruck im Innenohr (Druckluftkrankheit oder Caisson-Krankheit). Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Ratgeber "Tauchunfall (Dekompressionskrankheit)".


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