Ohrgeräusche (Tinnitus) – Auslöser: Ohrerkrankungen, Gehörschäden

Heftiger Lärm, Ohrentzündungen und andere Erkrankungen oder Schäden im Ohrbereich sind häufige Auslöser für einen akuten und mitunter auch chronischen Tinnitus

aktualisiert am 19.03.2018

Schwimm- und Tauchsport: Gehörgangsentzündungen und in der Folge Ohrgeräusche können bisweilen die Freude trüben


Es gibt vielfältige Tinnitusauslöser im Ohr

Tritt ein Tinnitus akut auf, sind die Auslöser zuerst direkt im Ohr zu suchen. Hier beeinträchtigen harmlose oder ernsthafte Störungen die Schallweiterleitung unmittelbar. Schädigungen des Innenohrs gehen mit einer Schallempfindungsstörung einher. In beiden Fällen kann es zu krankhaft übersteigerter Aktivität im Hörsystem und damit zu Tinnitus kommen.

Ohrschmalzpfopf, Schnupfen, Entzündungen, Verletzungen

  • Ohrschmalzpfropf: Ein einfacher Ohrschmalzpfropf (Cerumen) ist häufig der Grund, wenn Sie vorübergehend schlechter hören (Schallleitungsschwerhörigkeit) und Ohrgeräusche bekommen. Manche Menschen neigen verstärkt dazu. Aber auch wenn Sie Ihre Ohren gerne mit Wattestäbchen säubern, schieben Sie oft das Ohrschmalz nur noch fester zusammen, was zu einer Verschlimmerung der Gehörgangsverstopfung führt. Den Stöpsel im Ohr löst fachgerecht der HNO-Arzt. Dann legen sich auch die Beschwerden, der Tinnitus wird wieder unhörbar.

    Wer andererseits mit dem Wattestäbchen zu viel von dem wichtigen, schützenden Ohrschmalz entfernt, erleichtert es Keimen vorzudringen und verletzt eventuell die empfindliche Haut. Mögliche Folgen: Entzündungen im Gehörgang mit Hörproblemen und Ohrgeräuschen. Also: Wattestäbchen haben im Gehörgang nichts zu suchen.
  • Schnupfen, Entzündungen des Mittelohrs: Ein gewöhnlicher Schnupfen mit dick verstopfter Nase kann schon Ohrgeräusche auslösen, vor allem wenn auch die Ohrtrompete oder Tube, der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum, "dicht" ist. Wird die Nase durch Nasentropfen oder andere abschwellende Maßnahmen wieder frei, geht meist mit der besseren Belüftung auch die Hörbehinderung und damit der Tinnitus zurück.

    Insbesondere eine Nasennebenhöhlenentzündung kann auf das Mittel- und Innenohr übergreifen. Eine akute Mittelohrentzündung ist mit starken Ohrenschmerzen und oft mit Tinnitus infolge von Flüssigkeit im Mittelohr verbunden. Versteifte Gehörknöchelchen im Mittelohr (Otosklerose) können neben Ohrgeräuschen auch eine Mittelohrschwerhörigkeit (Schallleitungsschwerhörigkeit) nach sich ziehen. Das gilt ebenso für eine chronische Mittelohrentzündung.
  • Das Innenohr entzündet sich manchmal infolge einer Mittelohrentzündung. Aber auch über Verletzungen oder Tumore dringen, wenngleich seltener, bisweilen Krankheitserreger in den geschützten Innenohrraum vor. Ohrenschmerzen, akuter Tinnitus, Schwerhörigkeit, Schwindelgefühle sowie ein starkes Krankheitsgefühl mit Fieber und Übelkeit sind häufige kennzeichnende Symptome einer Innenohrentzündung (Labyrinthitis). Es handelt sich dabei tatsächlich um eine sehr ernste Erkrankung, die unverzüglich behandelt werden muss.

  • Auch Verletzungen des Trommelfells gehen häufig mit Ohrgeräuschen einher. Kopfverletzungen, die das Mittel- und Innenohr mit erfassen, können ebenfalls Tinnitus hervorrufen.

Tinnitus und Schwerhörigkeit: Eine leidige Kombination

Eine Altersschwerhörigkeit, eine Lärmschwerhörigkeit, ein Hörsturz oder die Menière-Krankheit sind sehr häufig mit Tinnitus verbunden.

  • Lärmschäden: Häufige Tinnitusursache bei jungen Menschen: Schwerhörigkeit und Tinnitus entwickeln sich gerade auch bei jungen Leuten oft durch übermäßige und/oder dauerhafte Lärmeinwirkung, etwa durch sehr laute Musik. Extreme Lautstärken rufen meist akute, zunächst noch vorübergehende Ohrgeräusche hervor.
    Mit der Zeit kann der Lärm aber Hörorgan und Hörsinneszellen dauerhaft schädigen. Studien zufolge ist in Europa etwa jeder vierte Jugendliche von einer Hörminderung betroffen.

    Zu bleibenden Hörstörungen führen nicht selten auch Knall- und Explosionstraumata. Sie müssen rasch behandelt werden.
  • Hörsturz: Akute Schwerhörigkeit, Druck im Ohr, Tinnitus: Eine heftig erlebte, plötzliche Hörminderung meist auf einem Ohr, ein Druckgefühl im Ohr, dazu oft Töne in Ohr und Kopf, vermehrte Geräuschempfindlichkeit und auch Schwindel sind kennzeichnend für einen Hörsturz. Bei diesen Anzeichen ist es ratsam, einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufzusuchen, um das Krankheitsbild mittels Hörtest einzugrenzen.

    Die Ursachen der akuten Innenohrstörung sind vielfältig und noch nicht genau geklärt. Stress wird häufig eine Mitbeteiligung zugeschrieben. Bei von Anfang an nur leichtem Hörverlust oder bei Schwerhörigkeit im Tiefton- oder mittleren Frequenzbereich ist die Prognose hier aber meist recht günstig.

    Häufig heilen Hörstürze von selbst wieder aus. Dauerhafte Schäden im Ohr können aber auch dazu führen, dass der Tinnitus fortbesteht.

    Wiederholte Beschwerden, die einem Hörsturz vergleichbar sind, können sich zudem bei chronischen Erkrankungen wie der Menière-Krankheit (siehe nachfolgend) einstellen.

    Außerdem sind solche Hörsturzsymptome im Rahmen genetisch bedingter Innenohrerkrankungen möglich, bei denen sich die Hörschwelle in Schüben fortschreitend verschlechtert.
  • Akustikusneurinom – in einem Prozent der Fälle Ursache für Tinnitus: Ein gutartiger Tumor am Hörnerv (Akustikusneurinom) führt am betroffenen Ohr häufig zu Symptomen wie Tinnitus und wiederholter Hörverlust (Hörsturz). Die Geschwulst entsteht am Gleichgewichtsnerv, der im inneren Gehörkanal parallel zum Hörnerv verläuft und durch Druck die genannten Symptome auslösen kann.
  • Weitere Tinnitusauslöser im Ohrbereich: Veränderte Druckverhältnisse im Ohr, zum Beispiel beim Fliegen oder Tauchen, bewirken ganz selten auch Tinnitus, entweder durch Unterdruck im Mittelohr oder Überdruck im Innenohr (Druckluftkrankheit oder Caisson-Krankheit).
  • Menière-Krankheit: Schwindelattacken, Ohrgeräusche, Hörprobleme: Ohrgeräusche gehören zu den Leitsymptomen der Menière-Krankheit, einer relativ seltenen Innenohrerkrankung. Aus unklaren Gründen kommt es zu Ansammlungen der normalerweise gleichmäßig zirkulierenden Innenohrflüssigkeit (sogenannter Hydrops).

    Symptome: Die Krankheit ist gekennzeichnet durch schubweise auftretende Anfälle von heftigem Drehschwindel, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, Hörminderung und Tinnitus. Betroffen sind meist jüngere Menschen.

    Die Ärzte behandeln zunächst akute Phasen mit Medikamenten, unter anderem gegen Schwindel und Erbrechen. Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche können aber chronisch bestehen bleiben. Die weitere Therapie richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Morbus Menière (Menière-Krankheit)".

Besonderheit: Krankhafte Veränderungen am Verbindungsgang zwischen Rachen und Mittelohr

Mitunter weitet sich die Öffnung der Ohrtrompete im Rachen zu stark ("Tubenfunktionsstörung"). Dann hört man seinen Atem und seine Stimme unangenehm laut (Autophonie), was aber keinen Tinnitus bedeutet. Zu den möglichen Ursachen gehören ausgeprägter Gewichtsverlust oder ohrnahe Bestrahlungen des Kopfes.