Wann Krankenkassen Taxifahrten erstatten

Nicht einfach drauflosfahren: Krankenkassen übernehmen nur noch in Ausnahmefällen die Kosten für eine Taxifahrt zum Arzt. Wann die Verordnung einer Fahrt möglich ist

von Michael Aust, aktualisiert am 03.11.2015
Taxi

Bitte einsteigen: Mit dem Taxi zum Arzt


Besonders ältere Patienten, die auf dem Land wohnen und regelmäßig zum Arzt müssen, kennen das Problem: Die nächste Praxis ist schon mal 20 Kilometer entfernt. Hat man kein eigenes Auto und kommt auch der Bus nur zweimal am Tag, stellt sich die Frage, ob die Krankenkasse ein Taxi bezahlt. Doch wer nachträglich versucht, sich die Fahrtkosten erstatten zu lassen, erlebt eine böse Überraschung: "Seit 2004 übernehmen die Krankenkassen Fahrten zu einer ambulanten Behandlung nur noch in Ausnahmefällen", erklärt Peter Kraft, Referent Leistungsmanagement des AOK-Bundesverbands.

Arzt muss Verordnung ausstellen

"Wie genau diese Ausnahmen beschaffen sind, ist für viele Patienten nicht leicht zu durchschauen", findet Michaela Schwabe, Beraterin bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) in Berlin. Eine einfache Regel aber sei: Nicht einfach drauflosfahren! Damit die Kasse die Kosten übernimmt, muss der Arzt zuvor eine Verordnung ausstellen. "Er muss bestätigen, dass die Behandlung medizinisch notwendig und eine Taxifahrt aus medizinischen Gründen erforderlich ist", sagt die UPD-Expertin. "Wer eine soziale Angststörung hat", schildert sie ein Beispiel, "dem ist eine Fahrt im Bus nicht zuzumuten."

Drei Fälle, in denen die Verordnung einer Taxifahrt möglich ist, nennt der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Kliniken und Krankenkassen in seiner "Krankentransport-Richtlinie": die Fahrt zur Behandlung in einer Klinik, zu einer ambulanten Operation oder zu einer vor- oder nachstationären Therapie – sofern dadurch ein Klinikaufenthalt vermieden oder verkürzt werden kann. Der Arzt darf jedoch kein Rezept ausstellen, wenn der Patient eine Klinik oder einen Arzt aufsucht, um Termine abzustimmen, Befunde zu erfragen oder ein Medikament oder Hilfsmittel abzuholen.

Daneben kann die Krankenkasse die Taxifahrten zu einer Behandlung mit vielen Terminen übernehmen, wenn "eine Beförderung zur Vermeidung von Schaden an Leib und Leben unerlässlich ist", so die Richtlinie.

Als Beispiele führt sie die Chemo- oder Strahlentherapie bei Krebspatienten sowie die Dialyse auf. Wichtig: In diesen Fällen genügt das ärztliche Rezept nicht, es ist zudem eine vorherige Genehmigung der Kasse erforderlich.

Kosten vorstrecken, Quittung einschicken

Auch Menschen, die laut Schwerbehindertenausweis außergewöhnlich gehbehindert (Merkzeichen: aG), blind (Bl) oder "hilflos" (H) sind, bekommen Taxifahrten nur mit Kassenerlaubnis bezahlt. Dasselbe gilt für Patienten, die in die Pflegestufe II oder III eingestuft sind. Ansonsten lasse sich nur noch in Fällen "von vergleichbarem Schweregrad" für einen Zuschuss argumentieren, sagt Peter Kraft.

Das Vorgehen zur Erstattung erklärt Michaela Schwabe so: "Zunächst streckt man die Kosten vor und schickt der Kasse die Quittung zur Erstattung." Zehn Prozent der Fahrtkosten – mindestens fünf und maximal zehn Euro – haben Patienten allerdings selbst zu tragen, wenn sie nicht von der gesetzlichen Zuzahlung befreit sind. Die Befreiung gibt es auf Antrag, wenn die Zuzahlungsgrenze von zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens (bei chronisch Kranken ein Prozent) erreicht ist. Zuzahlungsquittungen sollte man also stets aufbewahren.