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IGeL Ultraschall der Eierstöcke

In deutschen Arztpraxen gehört er zu den häufigsten Selbstzahlerleistungen: der Ultraschall der Eierstöcke. Ist er sinnvoll?

von Sonja Gibis, 30.06.2020
Kostenfrage: Machen Schmerzen einen Ultraschall notwendig, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Die Kosten für Screening-Untersuchungen müssen Patientinnen dagegen selbst tragen

Kostenfrage: Machen Schmerzen einen Ultraschall notwendig, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Die Kosten für Screening-Untersuchungen müssen Patientinnen dagegen selbst tragen


Was wird da gemacht?

Untersuchungen mit Ultraschall (Sonographie) sind eine bewährte Methode, um Veränderungen im Unterbauch festzustellen. Um die Eierstöcke zu untersuchen, wird eine stabförmige Sonde in die Scheide der Frau eingeführt. "Man kommt so dichter heran als über die Bauchdecke", erklärt Professorin Barbara Schmalfeldt, Leiterin der Frauenklinik des Universitäts­­klinikums Hamburg-Eppendorf.

Die ausgesandten Schallwellen liefern dem Mediziner ein Bild des umliegenden Gewebes. Klagt eine Patientin über unklare ­Beschwerden im Unterbauch, wird die Untersuchung von der Krankenkasse erstattet. Beschwerdefreie Patientinnen, die den Ultraschall indes als sogenannte Screening-Untersuchung durchführen lassen, müssen diese selbst bezahlen. Erstattet wird in diesen Fällen lediglich die Tast­untersuchung.

Pro

  • Die Untersuchung ist einfach, strahlungsfrei und vergleichsweise kostengünstig. Die Patientin spürt in der Regel keine Schmerzen, sondern nur ein Druckgefühl.
  • Um Veränderungen an den Eier­stöcken zu erkennen, gilt der vaginale Ultraschall als Methode der ersten Wahl. Bei Beschwerden wird er in den Leitlinien daher empfohlen.
  • Über die Sonde lassen sich nicht nur Tumore und Zysten an den Eierstöcken erkennen. "Auch Myome, also gutartige Geschwülste der Gebärmutter, oder eine Blasensenkung sind sichtbar", sagt Expertin Schmalfeldt.

Contra

  • Durch die Sonografie werden bei beschwerdefreien Frauen Veränderungen an den Eierstöcken zwar früher und öfter erkannt. "Doch hat das keine Auswirkung darauf, wie viele Frauen an Eierstockkrebs sterben", sagt Dr. Andreas Waltering vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). So wurden in einer großen britischen Studie an 200 000 Frauen zwar mehr verdäch­tige Veränderungen entdeckt. Das Risiko, daran zu sterben, sank dadurch allerdings im Schnitt nicht. "Der Tumor wächst meist sehr schnell und bildet früh Absiedelungen", so Gynäkologin Schmalfeldt.
  • Die Untersuchung birgt das Risiko, dass Eierstöcke unnötig entfernt werden: Kann der Verdacht auf Krebs durch weitere Untersuchungen nicht ausgeräumt werden, wird die Frau in der Regel operiert. "Nur bei einer von zehn Patientinnen bestätigt sich der Krebsverdacht", sagt Waltering. Mög­­liche Folgen können Komplikationen und Unfrucht­barkeit sein. Hinzu kom­­men psychische Belastungen.
  • In den Leitlinien der Deutschen ­Gesellschaft für Gynäkologie und ­­Geburtshilfe wird die Ultraschall-­Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs ausdrücklich nicht empfohlen.

Kosten

Laut dem IGeL-Monitor kostet der Ultraschall der Eierstöcke zwischen 25 und 53 Euro. Teurer kann es ­werden, wenn gleichzeitig ein Tumormarker im Blut bestimmt wird, was manche Frauenarztpraxen anbieten.

Fazit

Eine Sonografie der Eierstöcke gilt als erste wichtige Untersuchung, wenn ­­eine Frau an unklaren Beschwerden im Unterleib leidet. Sie wird in diesem Fall von der Kasse erstattet. "Zur Früh­erkennung von Eierstockkrebs ist der Ultraschall nach derzeitigen Erkenntnissen nicht geeignet", betont Waltering.

Viele Frauenärzte sehen die Untersuchung dennoch aus anderen Gründen als eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme an. "Anhand von Ultraschall lässt sich zum Beispiel die Entwicklung von Myomen und Zysten beurteilen", sagt Schmalfeldt. Dies könne für die richtige Therapieentscheidung wichtig sein. Studien, die das belegen, fehlen allerdings.