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Gut vorbereitet fürs Arztgespräch

Mediziner haben oft zu wenig Zeit für ihre Patienten. So erfahren Sie trotzdem, was Sie wissen wollen - und verbessern damit Ihre Heilungschancen

von Silke Droll, 24.01.2019
Sprechstunde

Arztbesuch mit vorbereiteter Checkliste: Patienten können dem Arzt die Arbeit erleichtern


Patienten haben ganz verschiedene Probleme, Ärzte vor allem eines: keine Zeit. Und dazu wenig finanziellen Anreiz für eine lange Beratung. Die sogenannte sprechende Medizin wird gering vergütet. Gespräche in deutschen Praxen ähneln daher mitunter eher einem knappen Informationsaustausch als einem einfühlsamen Dialog. Viele Patienten ärgern sich dann, dass sie nicht alles erfahren haben, was sie wissen wollten. Doch Sie können selbst etwas dafür tun, dass der Arztbesuch zufriedenstellender verläuft. Das Wichtigste: sich gut vorbereiten.

"Damit leisten Patienten einen wesentlichen Beitrag", sagt Dr. Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Er rät
dazu, vorher aufzuschreiben, welche Fragen man klären will, und diese Liste mit in die Praxis zu nehmen. "Das hilft in der Stresssituation, die ein Arztbesuch bedeutet, nichts zu
vergessen."

Unterstützung gern gesehen

Auf dem Zettel lassen sich auch Stichpunkte zu den Antworten notieren. Lässt sich absehen, dass ein Arztgespräch schwieriger wird, kann man eine Vertrauensperson zur Unterstützung mitnehmen. "Man muss keine Angst haben, dass die Ärzte das nicht gerne hätten. Meistens ist das kein Problem", sagt Schenkel. Dem Freund oder Angehörigen fällt vielleicht noch eine wichtige Frage ein, oder er erinnert sich an wesentliche Symptome.

Medikamente

Wer nach einem Arztgespräch noch Fragen zu Medikamenten hat, kann diese auch mit einem Apotheker klären. Der Pharmazeut ist Fachmann für die Wirkweise, eventuelle Neben und Wechselwirkungen und gibt gern Einnahmetipps. Wer einen Medikamentenplan hat, sollte diesen auch immer dem Apotheker vorlegen. Er überprüft die Kombination der verschiedenen Wirkstoffe. Dank einem Strichcode darauf lässt sich der Plan einlesen, aktualisieren und neu ausdrucken.

Wenn dennoch bestimmte Aspekte unklar bleiben, sollten Patienten sich nicht scheuen, wiederholt nachzufragen. "Das ist ihr gutes Recht. Es geht immerhin um ihre Gesundheit", sagt Professorin Dr. Marie-Luise Dierks, Leiterin der Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover. Um Erfolg zu haben, rät sie, hartnäckig zu bleiben, aber zugleich freundlich und diplomatisch zu formulieren.

Wichtige Unterlagen nicht vergessen

Zur guten Vorbereitung auf einen Arztbesuch gehört außerdem, die wesentlichen Unterlagen dabeizuhaben. Zum Beispiel frühere Befunde, bereits erhobene Werte, MRT-, Röntgen- und CT- Bilder oder den Impfpass. Über seine Arzneimittel sollte der Patient ebenfalls Bescheid wissen. "Bringen Sie die Präparate, die Sie gerade einnehmen, mit zum Arzt. Auch rezeptfreie und Nahrungsergänzungsmittel", sagt Dierks.

Diese Information ist wichtig, um bei einer neuen Verordnung auf eventuelle Wechselwirkungen achten zu können. Wer einen Medikamentenplan hat, sollte ihn vorzeigen. Darauf hat Anspruch, wer drei oder mehr Arzneien verordnet bekommt. Ausstellen muss ihn zwar der Arzt, der das dritte Medikament verschreibt – aber übersichtlicher und vollständiger ist das Dokument, wenn es von der Stammapotheke gepflegt wird.

Nachfragen und Befürchtungen äußern

Informationen aus dem Arztgespräch selbst lassen sich oft besser aufnehmen und verarbeiten, wenn der Patient sich rückversichert und Zusammenhänge in eigenen Worten wiedergibt. Er kann zum Beispiel sagen: "Habe ich richtig verstanden, dass ... " oder "Das bedeutet für mich also ... ". Bei der eigenen Schilderung jedoch nicht, um Zeit zu sparen, besonders knapp und nüchtern Beschwerden benennen – sondern durchaus etwa Ängste ansprechen.

"Wer befürchtet, dass seine Kopfschmerzen von einem Gehirntumor kommen, sollte das auch sagen", meint UPD-Experte Schenkel. Nur dann kann der Arzt solche Zweifel gegebenenfalls ausräumen. Die Lebensumstände spielen mitunter ebenfalls eine Rolle, etwa für die passende Therapie. Schenkel: "Bei einer alleinerziehenden Mutter muss bei einer Krebserkrankung die Versorgung des Kinds im Therapiekonzept berücksichtigt werden." Zum Beispiel könne eine entsprechende Einrichtung gewählt werden.

Experte in eigener Sache

Manchmal reicht ein Gespräch nicht aus. Nach einschneidenden Diagnosen sind viele Patienten nicht mehr in der Lage, Therapiemöglichkeiten im Detail zu besprechen. "Haben Sie keine Scheu, um einen weiteren Termin zu bitten", rät Schenkel. Wer sich unsicher fühlt, ob die vorgeschlagene Behandlung die richtige ist, kann zudem einen anderen Arzt aufsuchen. "Dem sollte man aber offen sagen, dass es um eine zweite Meinung geht, und die relevanten Unterlagen mitbringen", sagt Schenkel.

Patienten haben das Recht, ihre Befunde zu erhalten, und sollten sie aktiv verlangen. Es ist immer gut, Experte in eigener Sache zu sein. Wer sich näher über die eigene Erkrankung informieren will, kann auch um Literaturtipps oder vertrauenswürdige Internetseiten bitten. Dierks: "Gut informierte Patienten müssen dann beim Arzt auch weniger nachfragen."

Weitere gute Fragen

Auf der Internetseite der Patientenuniversität Hannover finden sich viele weitere nützliche Fragen zu Diagnosen, Behandlungen, Operationen, Verordnungen und Medikamenten. Es ist auch möglich, für sich die passenden auszuwählen, daraus eine individuelle Checkliste zu erstellen und diese auszudrucken.

www.patienten-universitaet.de: Tipps für das Arztgespräch und Checklisten für Ihren Arztbesuch