Der Arztbrief, ein wichtiges Dokument

Kommunikation unter Kollegen: Bei den schriftlich festgehaltenen Informationen zu Diagnose und Therapien in Form eines Arztbriefs ist der Patient der Bote

von Kathrin Schwarze-Reiter, 22.11.2018
Arztbrief

Diagnose, Befunde, Untersuchungen, Ergebnisse, Therapieempfehlungen - all das steht im Arztbrief


Er ist meist zwei Seiten lang, mehr oder weniger verständlich und soll beim Hausarzt abgegeben werden: der Arztbrief. Wer bekommt ihn, was steht darin, und sollten Patienten ihn lesen? Die wichtigsten Fakten zu dem Dokument.

Für wen ist der Arztbrief?

Nach einer stationären Behandlung im Krankenhaus oder nach der Untersuchung beim Facharzt bekommen Patienten einen Arztbrief. Nach einem Klinikaufenthalt wird dieser auch als Entlassbrief bezeichnet. Der Zweck ist der gleiche: Ein Arzt gibt Informationen an einen Kollegen weiter. Überbringer – also Postbote – ist der Patient.

Die meisten Mediziner geben den Brief gleich mit, manche reichen ihn per Post nach. In der Regel muss der Patient selbst daran denken, das Papier beim nächsten Arztbesuch mitzunehmen.

Was steht drin?

Aufgeführt werden die Diagnose, die vorgenommenen Untersuchungen, deren Ergebnisse sowie Empfehlungen für die Therapie. Verpflichtend ist die weitere ­Vorgehensweise allerdings nicht. Der Hausarzt entscheidet in Absprache mit dem Patienten selbst und verordnet mitunter ein anderes Mittel.

Warum muss ich warten?

Wenn ein Befund noch aussteht, etwa eine Gewebeprobe, kann sich der Bericht verzögern. Eine Frist für den Arztbrief gibt es nicht. Ärzte sollten ihn aber zeitnah schreiben. "Das bedeutet bei Dringlichkeit auch sofort", sagt Jens Wagenknecht vom Deutschen Hausärzteverband.

Und wenn der Arztbrief fehlt?

"Der Patient sollte danach fragen, wenn er zum Beispiel eine Klinik verlässt", sagt Wagenknecht. Aber wenn etwa wichtige Informationen bei der Verlegung von einer Klinik in eine andere fehlen, sollten Ärzte telefonisch Rücksprache mit ihren Kollegen halten. Wagenknecht: "Das ist für die Fortführung der Behandlung elementar wichtig."

Wie kann ich den Arztbrief verstehen?

Sie wollen wissen, was über Sie geschrieben wurde? Oft ist es schwierig, den Fachjargon zu verstehen. "Patienten können gerne nachfragen. Ein guter Arzt erklärt schwierige Begriffe", sagt Dr. Michael Mawad, Internist in München. Auch die Krankenkassen oder Patientenberatungen unterstützen Patienten.

Hilfreich ist zudem die Internetseite www.washabich.de. Man kann seinen Befund hochladen und ihn sich von Medizinstudenten kostenlos in leicht verständliche Sprache übersetzen lassen. Die Gesundheitsminister der Länder fordern übrigens verständlichere Texte in Arztbriefen.

Darf ich den Arztbrief kopieren?

Der Arztbrief ist Teil der Patientenakte und kann dem Patienten auf Wunsch ausgehändigt werden. "Bei manchen ärztlichen Berichten ist die Weitergabe aber ausdrücklich nur mit Zustimmung des erstellenden Arztes erlaubt", sagt Wagenknecht.

In vielen Fällen ist es sogar sehr sinnvoll, wenn Patienten über die Berichte verfügen. Etwa bei Menschen, die mehrere Erkrankungen haben und zu Hause gepflegt werden. "So kann sich ein Arzt, der den Patienten nicht kennt, in einer Akutsituation schnell einen Eindruck verschaffen und eine für den Betroffenen sachgerechte Entscheidung zur Behandlung treffen", sagt Wagenknecht.

Wann gibt es den E-Arztbrief?

Bis der Arztbrief elektronisch gespeichert und verschickt wird, vergehen wohl noch Jahre. Doch die Vorteile sind klar: weniger Papierkram, zuverlässigere und schnellere Übermittlung, Vermeidung von Doppel- und Falsch­­behandlungen. Bei einer Reha direkt nach einer OP wäre die Therapieempfehlung sofort einsehbar.

Heute erreicht der Bericht die Praxen oft zu spät, wie eine Umfrage der Berlin School of Public Health ergab. Hausarzt Wagenknecht befürwortet den Arztbrief in einer digitalen Patientenakte: "Der Arzt hätte schnell einen Überblick. Außerdem hätten auch die Patienten endlich alle wichtigen Unterlagen griffbereit. Der Zugriff müsste zum Beispiel auch über das Smartphone möglich sein."