Stand up Paddling: Wassersport für jedermann

Stehpaddeln ist eine Mischung aus Kajakfahren und Surfen. Die Sportart erlebt derzeit einen Boom. Für wen sie geeignet ist und welche Körperregionen trainiert werden
von Valerie Till, 30.09.2016

Stand up Paddling: Eine Trendsportart, die Kinder und Erwachsene begeistert

istock/Christopher Futcher

Auf dem Main, der Nordsee oder dem Chiemsee: Überall in Deutschland sieht man Menschen, die auf großen Brettern im Wasser stehen und sich mit einem Paddel fortbewegen. Mal schneller, mal langsamer. Sie betreiben Stand up Paddling (SUP) – auch Stehpaddeln genannt. Der Hype um diese Sportart, die es erst seit einigen Jahren in Deutschland gibt, reißt nicht ab. Doch woher kommt diese Begeisterung?

"Stand up Paddling ist facettenreich, lässt einen den Alltag schnell vergessen, kann schnell erlernt werden und bringt Menschen ans Wasser, die bislang keine Wassersportler waren", sagt Colori Schilling, SUP- und Windsurftrainer im Windsurfing-Verein Berlin. Außerdem seien die inzwischen mehrheitlich verwendeten aufblasbaren Bretter flexibler einsetzbar als bei jeder anderen Wassersportart: "Das Brett passt in einen Rucksack, kann ohne Probleme auf dem Fahrrad, mit der S-Bahn oder dem Auto transportiert werden. Mit einem Kanu oder Surfbrett ist das unmöglich", sagt Schilling. Fitnessexpertin Sabine Kind, die als Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) unterrichtet, fügt hinzu: "SUP ist in unseren Breitengraden, die nicht immer Wellen und Wind zur Verfügung haben, eine gute Alternative, um ein Surf-Hawaii-Gefühl zu bekommen. Es ist eine besondere Form, ein Lebensgefühl auszudrücken."

Fitnessexpertin Sabine Kind

DHfPG

Für Kinder und Erwachsene: SUP ist für jeden geeignet

Auf einem Brett stehen und sich paddelnd fortbewegen, nennen Anhänger abgekürzt auch SUPen. Erlernen kann den Sport jeder – ob Trainingsanfänger oder Leistungssportler, Kind oder Erwachsener. Die einzige Voraussetzung ist, dass man gut schwimmen kann und keine Angst vor dem Wasser hat. Experten empfehlen, trotzdem mit einer professionellen Einweisung oder einem Anfängerkurs zu starten. "Das ist wichtig, um die Vorfahrtsregeln zu lernen, gewisse Sicherheitsaspekte berücksichtigen zu können und sich von Anfang an eine effiziente Paddeltechnik anzueignen, um mehr Spaß auf dem Brett zu haben", sagt Schilling.

Wer ohne Trainer auf ein SUP-Brett steigt, sollte folgende Fragen beantworten können: Bestehen auf dem Gewässer besondere Regelungen aus Naturschutzgründen? Kenne ich alle Gefahrenstellen wie zum Beispiel Fährenverkehr? Habe ich Wind und Wetter im Blick und kann eventuelle Veränderungen richtig einschätzen? Fitnessexpertin Kind weist auch darauf hin, dass es wichtig sei, ortskundig zu sein und die Strömungen bei Flüssen einschätzen zu können.

Stand up Paddling (SUP) – kurz und knapp

Für wen ist SUP geeignet?

  • Kinder und Erwachsene
  • Trainingsanfänger und Supersportler
  • Ruhesuchende oder Wettkämpfer

Was sind die Voraussetzungen?

  • sicheres Schwimmen
  • keine Angst vor Wasser
  • normaler Gleichgewichtssinn

Was wird benötigt?

  • ein festes oder aufblasbares SUP-Brett
  • ein Paddel
  • evtl. Sonnenschutz
  • Kinder: eine Schwimmweste
  • bei Flussfahrten: Wildwasserweste, Trillerpfeife, Schuhe, Helm

Ein Sport für jede Jahreszeit?

Eher eine Sommersportart. Im Winter ist SUPen auch möglich, allerdings muss aufgrund der Kälte ein spezieller SUP Trockenanzug getragen werden. Dieser hat im Gegensatz zum ebenfalls wärmenden Neoprenanzug den Vorteil, dass er bewegungsfreundlicher ist.

 

Wer hat SUPen erfunden?

Stand up Paddling kommt ursprünglich aus Polynesien. Dort haben sich Fischer stehend mit Paddeln auf ihren Kanus fortbewegt. Über Hawaii kam die Sportart in den 2000er-Jahren schließlich auch nach Europa.

 

Weitere Informationen:

Deutscher Kanu-Verband

Deutscher Stand up Paddle Verband GSUPA

Deutscher Wellenreitverband


Wer mehrere Stunden auf dem Brett unterwegs ist, sollte davor und danach genügend trinken oder sich eine volle Trinkflasche mitnehmen. "Es gibt mittlerweile auch Stand up Paddle Bretter mit Gepäckleinen, unter die man eine Wasserflasche oder Kleidungsstücke klemmen kann", sagt Kind. Außerdem ist es an Sonnentagen wichtig, seine Haut mit Sonnencreme und entsprechender Kleidung zu schützen und eine Kopfbedeckung zu tragen.

Stehpaddeln als Bauch-Beine-Po-Training

SUP bereitet nicht nur Spaß, sondern kräftigt auch den gesamten Körper. "Wer regelmäßig stehpaddelt, merkt relativ schnell, dass sich die Rücken- und Bauchmuskulatur verbessert", sagt Fitnessexpertin Kind. SUP-Trainer Schilling sieht in dieser Sportart ein verstecktes Bauch-Beine-Po-Training: "Die Kraft zum Paddeln holt der Stand up Paddler aus der Rumpfmuskulatur sowie den vorderen und seitlichen Bauchmuskeln." Oft erkenne man Anfänger daran, dass sie versuchen, die Kraft aus den Armen zu holen. Diese bleiben bei einer effektiven Paddelbewegung aber meistens fast gestreckt. Die Beine stehen die ganze Zeit über unter Spannung, um jede Bewegungen des Brettes auszugleichen. "Das geschieht unterbewusst und bedarf keiner besonderen Aufmerksamkeit. Anfänger wundern sich nach ersten längeren Paddeltouren über den Muskelkater in den Beinen statt wie erwartet in den Armen", sagt Schilling.

SUP Trainer Colori Schilling (Mitte) bei einem SUP-Rennen

www.stand-up-paddler.de

Nicht nur einzelne Muskelgruppen werden beim Stand up Paddling trainiert. Auch die Koordination, das Gleichgewicht und – bei längeren Touren – die Ausdauer werden geschult. Außerdem ist Stehpaddeln ein gelenkschonender Sport.

SUP als Wettkampfsport oder in Kombination mit Yoga

SUP ist nicht nur ein Freizeit-, sondern auch ein Wettkampfsport. "Je nach Gewässerart werden unterschiedliche Disziplinen angeboten", sagt Schilling. Flüsse und Seen gehören beispielsweise zum Flachwasser, wo es die Disziplinen Sprint und Langstrecke gibt. Beim Sprint ist vor allem das technische Geschick, bei der Langstrecke die Ausdauer des Stehpaddlers gefragt. Außerdem gibt es verschiedene Wettkampfdisziplinen auf dem offenen Meer und im Wildwasser.

Ein Ende des SUP-Trends ist nicht in Sicht: "Langsam aber sicher etablieren sich auch erste SUP-Sportvereine oder bestehende Vereine nehmen Stehpaddeln als Sportart auf", sagt der Berliner Trainer Colori Schilling. "Ich rechne fest damit, dass der Stand up Paddle Sport in den kommenden Jahren weiter wachsen wird."

Noch ein paar Sicherheitshinweise:

  • Bei starkem Wind besser an Land bleiben
  • Auf Strömungen achten
  • Mindestens zwei Meter Abstand zu Schwimmern halten
  • Vorfahrtsregel: Windkraft geht vor Muskelkraft
  • Bei Wind oder Wellen Sicherheitsleine (Leash) benutzen


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