Outdoor-Tipps: Winterspaß ohne Ski

Runter von den Brettern! Abseits vom Pistenrummel lässt sich Natur pur genießen. Von ziehen lassen bis bauen: So können Sie den Winter alternativ erleben
von Ute Essig, 26.01.2018

Beeindruckendes Tiererlebnis im Schnee: Eine Hundeschlittenfahrt

plainpicture GmbH & Co KG/Hakan Hjort

Volle Parkplätze schon um neun Uhr morgens, lange Schlangen am Ticketschalter und am Lift, Gedränge sogar auf breiten Pisten. Für naturbewusste und erholungsbedürftige Menschen ist Skifahren oft alles andere als ein Wintermärchen.

Statt nach ­Rummel, Schneekanonen und vollen Berghütten sehnen sich viele in ihrer Freizeit oder in ihrem Urlaub nach Ruhe, verschneiter Idylle und einsamen Landschaften. Deshalb bieten fast alle ­Wintersportorte inzwischen brettlfreie Alternativen für skimüde Touristen.

Bitte nicht einbrechen: Eislaufen auf einem zugefrorenen See

Stocksy United/Alexandru Sava

Zu Fuß, auf Kufen, im Schlitten

Diese können zum Beispiel beim Fährtenlesen unbekannten Tierspuren folgen, beim Schneeschuhwandern die Stille genießen oder sich beim Eislaufen aufs Glatteis führen lassen. Zu wenig Action? Dann legen Sie sich beim Rodeln in die Kurven, oder wagen Sie eine Ausfahrt mit Schlittenhunden.

Letzteres organisiert beispielsweise Kilyan Klotsch aus Altreichenau im Bayerischen Wald. Bei guten Schneeverhältnissen geht er mit seinen Alaskan Malamutes am Fuß des Dreisesselbergs auf Tour. Die Hunde mit dem schwarz-weißen Fell sehen aus wie Huskys im XXL-Format. Sie wiegen bis zu 50 Kilogramm und sind wahre Kraftpakete mit einem unglaublichen Bewegungsdrang. "Die Malamutes werden deshalb auch Lokomotive des Nordens genannt", berichtet Klotsch.

Mit Marathonläufern auf Tour

Auf seinem Hof lernen Interessierte im Rahmen von Wochenend-Workshops, mit den Hunden zu arbeiten. Ziel ist dabei nicht etwa nur, auf einem Schlitten mitzufahren – sondern das Gefährt mit einem Zweiergespann auf einem präparierten Rundkurs von 800 Metern selbst zu steuern. "Das schaffen nach intensiver Schulung auch Anfänger."

Dafür müssen die Gäste den Schlitten zunächst aus eigener Kraft über den Parcours bewegen – so als ob sie auf einem Tretroller fahren. Das sei ziemlich anstrengend, sagt Klotsch: "Aber so bekommen die Teilnehmer am besten ein Gespür für die Arbeit am Schlitten und dafür, was die Hunde eigentlich leisten." Ein ausgewachsenes Tier bewältigt Strecken von bis zu 100 Kilometern am Tag. Mit rund 15 Stundenkilo­metern läuft es unermüdlich durch Eis und Schnee. Das entspricht einer Geschwindigkeit, wie man sie etwa beim Radfahren erreicht.

Winterliche Alternative zum Windsurfen: Eissegeln auf dem Steinhuder Meer

Ullstein Bild/Axel Springer Syndication GmbH/Heinrich Hecht

Winterwunderland ohne Pistenzirkus? Ja, das geht!

Zu Fuß: Wer sich gerne bewegt, aber das Skifahren nicht mag, kann sich beim Schneeschuhgehen oder Winterwandern verausgaben. Schöne Routen gibt es zum Beispiel im Schwarzwald oder im Allgäu.

Auf dem Schlitten: Es geht auch ganz gemütlich. Warm ­eingepackt in Felle und Decken, genießen Müßiggänger die verschneite Landschaft gemächlich im Schritttempo der Pferde. Möglich etwa in Oberbayern oder im Erzgebirge. Sportlichere buchen eine Schlittenhunde-Tour im Bayerischen Wald oder gehen rodeln.

Auf Kufen: Zugefrorene Seen sind nicht nur ein Paradies für Eissegler, sondern auch für ­Eisläufer. Voraussetzung: Das Eis ist dick genug und die ­­Fläche freigegeben.

Unterwegs mit zwei Pferdestärken: Schlittenfahrt im Erzgebirge

Rainer Weisflog/--

Nur das Atmen, sonst Stille

Klotsch, der auch Rennen fährt und es in dieser Disziplin zum Vize-Europameister gebracht hat, ist in der Regel mit einem Gespann von sechs bis acht Hunden unterwegs. Nach einem Arbeitsunfall vor 19 Jahren entschloss sich der Sanitärmeister mit eigenem Betrieb, sein Hobby zum Beruf zu machen. "Ich wollte mit Lebewesen arbeiten, nicht mehr am Objekt."

Seitdem freut er sich stets aufs Neue, seinen Gästen außergewöhnliche Naturerlebnisse zu bieten. "Beim Hundeschlittenfahren können sie Freiheit spüren und genießen." Das sei für ihn Natur pur. Vor allem, wenn er alleine trainiert: "Ich höre nur das Atmen der Hunde." 

Ein Haus aus Schnee und Eis

Einen Hauch von Abenteuer und Ursprünglichkeit können heizungsverwöhnte Büromenschen auch beim Iglubauen im Oberallgäu erleben. Nach einer Schneeschuhtour zum Bauplatz in der Nebelhorn-Region leiten Heike Koch und ihr Mann Stefan die Kursteilnehmer in der Kälte an, in sechs bis acht Stunden eine Behausung für die dann wohlverdiente Nachtruhe zu errichten.

Zunächst stampfen die Gäste mit den Füßen eine Schneefläche fest. Aus der komprimierten Schicht werden für ein Zweier-Iglu etwa 60 jeweils 15 ­Kilo­gramm schwere Blöcke ausgesägt und in einer bestimmten Technik zusammengesetzt. Möglich ist das Iglubauen bei fast jeder Wetterlage. "Nur regenfrei muss es sein, sonst zerfallen die Iglus", sagt Heike Koch. Voraussetzung ist natürlich, dass als Baumaterial reichlich Schnee liegt.

Stolz auf das Werk der eigenen Hände

Wildnis-Pädagogin Koch beobachtet bei ihren Teilnehmern oft eine kind­liche Freude im Umgang mit dem kristallinen Stoff – ähnlich wie früher beim Schneemannbauen. An der frischen Winterluft mit den eigenen Händen etwas zu schaffen und zu gestalten, stiftet ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Viele erfüllt der Anblick des selbst errichteten Iglus mit Stolz.

Block für Block entsteht die Unterkunft für die Nacht: Iglu-Bau-Workshop

Getty Images/Iconica

So gemütlich wie ein Sonntagsspaziergang ist das eisige Handwerk allerdings nicht. Es erfordert eine gewisse Ausdauer und Durchhaltevermögen; einige Gäste kommen da körperlich an ihre Grenzen. "Viele Menschen sind es einfach nicht mehr gewöhnt, sich bei Minus­temperaturen stundenlang draußen aufzuhalten und eine anstren­gende Tätigkeit zu verrichten", erklärt Heike Koch.

Licht an gegen die Platzangst

Steht das Iglu samt Eingangstunnel endlich, krabbeln die Teilnehmer mit dem Kopf voran hinein und kuscheln sich in die warmen Schlafsäcke – für ­­eine Nacht in absoluter Stille in ihrem Eispalast. In vielen Schneehütten brennt noch lange Licht, die Abgeschlos­senheit ist erst einmal gewöhnungs­­bedürftig. Auch in dieser Hinsicht kann Iglubauen also ein Lehrgang sein in ­­Sachen Selbsterfahrung und im Umgang mit den eigenen Grenzen. Wer sich traut, wird mit einem unvergess­lichen Erlebnis im Schoß der Natur ­belohnt.


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