Naturbäder: Chlorfreies Plantschen

Nachhaltigkeit geht auch beim Baden. 140 Natur-Freibäder bieten in Deutschland Schwimmspaß ohne Chlor und rote Augen. Für Hygiene sorgen Sand, Kies, Plankton und einige Baderegeln

von Barbara Erbe, aktualisiert am 04.07.2017
Naturbad

Abkühlung zum Feierabend: Besonders schön in der Natur


Eintauchen ins kühle Wasser, Erdklumpen zwischen den Zehen, ein Hauch von Seetang in der Nase und den Blick auf das dicht bewachsene Ufer. Wer in ein Naturschwimmbad eintaucht, genießt den Badesommer ohne Chlorgeruch und glatte Kacheln, dafür in dem guten Gefühl, mitten in der Natur zu sein – teilweise mitten in der Stadt. Ob zum Sonnetanken, Spielen oder Schwimmen, immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für ein Naturschwimmbad, berichtet Wendelin Jehle, Landschaftsgärtnermeister und Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB).

Anders als klassische Schwimmbäder sind Naturbäder geschaffene Ökosysteme, die das Wasser biologisch aufbereiten, also ohne Chemiezusätze. Sie verwenden stattdessen die frei im Wasser schwimmenden pflanzlichen und tierischen Kleinstlebewesen, also Phyto- und Zooplankton, sowie natürliche Filteranlagen aus Pflanzen, unterschiedlichen Sanden und Kiesen, um das Wasser sauber zu halten. "Auch Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen entnehmen dem Badewasser Phosphor", erklärt Wendelin Jehle. "Das verringert Algenwuchs sowie Keimbelastung und verbessert die Wasserqualität."

 

 

Beispiele für Naturbäder – von Nord nach Süd

Schonend für Atmung und Haut

Für Menschen, die aufgrund von Asthma oder Neurodermitis empfindlich auf Chlor oder Ozon reagieren, sei das eine große Erleichterung, erklärt Dr. Johannes Naumann, Leiter des Interdisziplinären Behandlungs- und Forschungszentrums (IBF) Balneologie am Universitätsklinikum Freiburg. "Untersuchungen belegen, dass das Einatmen auch geringer Mengen von Chlor bei empfindlichen Menschen Asthmatendenzen und Hautreizungen fördern kann." Das gelte umso mehr, wenn man das Gas tief einatmet, beispielsweise beim schnellen Schwimmen oder wenn Kinder im Wasser toben.

Daneben bewertet der Balneologe vor allem das natürliche Badeerlebnis positiv. "Die Uferlandschaft eines Sees oder Flusses mit ihrer besonderen Pflanzenwelt, das erdige Aroma, das in der Luft liegt, der unebene, manchmal auch schlammige oder leicht pieksende Boden unter den Füßen, all das sind anregende Reize. Das hebt die Stimmung." Dass das Wasser mit maximal 24 bis 25 Grad Celsius kühler ist als das der meisten beheizten Schwimmbäder, bringt den Kreislauf zusätzlich in Schwung.

Je kühler, desto sauberer

Dass die Wassertemperatur eines Naturschwimmbads 24 Grad nicht übersteigen sollte, ist eine Auflage der Badewasserkommission des Umweltbundesamts: Einzeller wie Ciliaten und Flagellaten, die organische Stoffe aufnehmen und filtern, ziehen sich ab etwa 26 Grad wegen Sauerstoffmangels in kühlere Wassertiefen zurück. Bakterien und Krankheitserreger wiederum verbreiten sich in wärmerem Wasser schneller als in kühlerem und können Entzündungs- oder Durchfallerkrankungen verursachen. Das gelte auch für Zerkarien, die Erreger der weltweit auftretenden Badedermatitis, berichtet Schwimmteichexperte Wendelin Jehle. "Die Ursache für die Hauterkrankung sind die Larven von Saugwürmern, sogenannten Trematoden, die in der Regel Enten, irrtümlicherweise manchmal aber auch den Menschen befallen." Sie dringen in die oberen Hautschichten ein, wo sie schnell absterben und dabei juckende Hautpusteln verursachen, die in der Regel folgenlos abheilen.

Strenge Hygiene-Kontrollen

Zur Vorbeugung vor Zerkarien und anderen unerwünschten Erregern, die hauptsächlich in natürlichen Badeseen ohne Betriebsaufsicht vorkommen, empfiehlt Jehle, flache, schlammige Uferbereiche zu meiden und möglichst schnell in tieferes und kühleres Wasser einzutauchen. Dieses ist gut durchströmt und frischer. Damit das Bad im natürlichen Nass die Gesundheit fördert und nicht gefährdet, werden naturnahe Freibäder genauso wie klassische Schwimmbäder im Auftrag der Gesundheitsämter gemäß den Empfehlungen des Umweltbundesamtes regelmäßig mikrobiologisch kontrolliert. Teilweise werden sie auch von einem unabhängigen Institut zertifiziert.

Klare Sicht, kein Chlor

"Ein guter Indikator für die Sauberkeit des Wassers sind die Sichtverhältnisse", sagt Hygiene-Experte Naumann. "Ein sicheres Zeichen ist, wenn man im klaren Wasser die Füße sehen und möglichst zwei Meter tief blicken kann." Wer den Körper nach dem Baden kräftig abrubbelt oder duscht und nasse Badebekleidung schnell wechselt, hat selbst an heißen Badetagen im Naturschwimmbad eigentlich nichts zu befürchten, meint Naumann: "Genießen Sie einfach die Natur!"