Welche Altersvorsorge ist die richtige?

Damit die Rente reicht, bedarf es heutzutage frühzeitiger privater Altersvorsorge. Was Sie je nach Ihrer Situation bei der Finanzplanung beachten sollten

von Christian Krumm, 21.03.2018

Wunschvorstellung: Wohlstand im Alter ist für Berufstätige keine Selbstverständlichkeit


"Die Deutschen sind viel zu nachlässig beim Thema Altersvorsorge", beklagt Merten Larisch, Rentenexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. Den Hauptgrund ­dafür sieht er in der mangelhaften ­Finanzbildung.

Verschiedene Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Deutschen zu den Schlusslichtern in Europa zählen, wenn es um finanzielle Angelegenheiten wie Vermögensaufbau und Altersvorsorge geht. Doch gerade bei der Rente könnte das verhängnisvoll werden. Denn die gesetzliche Rente alleine decke den Bedarf für die Zeit nach dem Berufsleben schon lange nicht mehr. Dass eine zusätzliche finanzielle Vorsorge notwendig ist, um den Lebensstandard auch dann zu sichern, sagen Finanzexperten seit Jahren.

Das Rentenniveau wird weiter sinken

Und trotzdem beschäftigen sich viele Deutsche erst im Alter zwischen 40 und 50 Jahren verstärkt mit ihrer Zukunft, sagt auch Verbraucherberater Larisch. Früher sei die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland sehr stark gewesen und habe einen großen Teil des letzten Einkommens ersetzt. Das habe viele Menschen in Sicherheit gewiegt.

Doch das Rentenniveau, einst bei 60 Prozent, wird 2030 bei unter 45 Prozent liegen. Schlussendlich bedeutet das für etliche Deutsche, dass zwischen Renteneinnahmen und Lebenshaltungskosten eine enorme Lücke klaffen wird. Wer nicht vorgesorgt hat, wird seinen gewohnten Lebensstandard nicht halten können; manche werden gar in die Altersarmut abrutschen.

Aktiensparpläne nutzen

Umso wichtiger ist es, sich möglichst früh um die Vorsorge zu kümmern. Doch der Markt ist für Laien recht unübersichtlich: Manche Angebote sind steuerbegünstigt, andere werden durch Zulagen vom Staat unterstützt, andere verursachen vor allem hohe Kosten, werfen aber kaum Rendite ab. Zu Letzteren zählen Kapitallebens­versicherungen und manche private Rentenversicherungen. "Das waren vergleichsweise unrentable Produkte, auch wenn sie massenhaft verkauft wurden", warnt Verbraucherberater Larisch.

Stattdessen empfiehlt er in erster Linie Aktien-Indexfonds- (ETF-) und verzinste Banksparpläne. Diese Aktien-ETFs gelten heutzutage als Nonplusultra der Altersvorsorge, weil sie bei überschaubarem Risiko vergleichsweise hohe Renditen abwerfen – ganz besonders dann, wenn sie langfristig bespart werden. Je nach Höhe staatlicher Förderungen können auch die Riester-Rente und betriebliche Entgeltumwandlung inte­ressant sein.

Altersvorsorge individuell zugeschnitten

Alte Policen beibehalten

Doch statistisch gesehen besitzt jeder Bundesbürger mindestens eine Kapitallebensversicherung. Da stellt sich die Frage, ob es noch Sinn macht, die Police zu behalten. "Verträge, die schon lange laufen, haben meist noch eine gute Verzinsung. Die sollte man besser beibehalten", rät Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV).

Es gebe aber so viele Faktoren, ­weshalb es ratsam sei, jede Police ­genauer unter die Lupe zu nehmen und ­gegebenenfalls beitragsfrei zu stellen oder sogar zu kündigen. Denn generell rät auch der Bund der Versicherten von nahezu allen Versicherungsprodukten zur Altersvorsorge ab. Umso wichtiger ist es, sich genau mit der Besparung für die Rente zu beschäftigen.

Mit der Bestandsaufnahme beginnen

Los geht es bei der Planung der Altersvorsorge aber immer mit einer Bestandsaufnahme. Also: Wie viel Rente kann ich bei meinem derzei­tigen Finanzplan überhaupt erwarten, wie viel Geld benötige ich im Alter, und wie viel hätte ich für eine zusätzliche Altersvorsorge übrig?

Der gesetzliche Rententräger informiert jährlich über den aktuellen Stand der Basisrente. Gibt es vielleicht weitere Verträge, beispielsweise Bausparverträge, Betriebsrenten oder Versicherungsprodukte, die der Arbeitgeber für Sie abgeschlossen hat? Besitzen Sie bereits Immobilien, oder können Sie später ein sicheres Erbe erwarten?

Wie viel Geld im Alter benötigt wird, muss jeder für sich selbst von seinen heutigen Lebenshaltungsausgaben ableiten. "Faustformeln führen hier oft in die Irre, weil jeder anders mit seinen Finanzen umgeht und jeder einen anderen Lebensstandard hat", sagt Merten Larisch.

Unabhängige Beratung nutzen

Erstellen Sie eine möglichst genaue Übersicht über Einnahmen und Ausgaben. Wichtig: Berücksichtigen Sie auch unregelmäßige Ausgaben, planen Sie zum Beispiel Rücklagen für die eventuell erforderliche Anschaffung eines neuen Fahrzeugs ein. Manche Ausgaben fallen im Rentenalter weg, andere kommen womöglich hinzu.

Am besten nehmen Sie Ihre Unterlagen und die Aufstellung Ihrer Finanzen mit zu einem unabhängigen Honorarberater. Solche Experten erheben für ihre Dienstleistung eine Gebühr, die aber meist gut angelegt ist. Denn im Gegensatz zu Finanzmaklern erhalten die Honorarberater keine Provision für die Vermittlung der Produkte. Sie sind daher wirklich unabhängig. Aber auch Verbraucherverbände und -zentralen helfen gegen Gebühr bei der individuellen Planung der Altersvorsorge.