Von der privaten in die gesetzliche Kasse wechseln

Viele Privatversicherte können sich die steigenden Monatsbeiträge nicht mehr leisten. So gelingt die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse

von Wolfram Eberhardt, aktualisiert am 29.09.2016

Gut beraten: Der Wechsel zurück in die gesetzliche Kasse kann sich auszahlen


Mal ehrlich, wer kann schon bei seinem Berufseintritt ahnen, was er 40 Jahre später einmal verdienen oder wie hoch seine Rente sein wird? Versicherte der privaten Krankenkassen (PKV) sollten dieses Kunststück aber fertigbringen. Sie müssen frühzeitig abschätzen, ob sie sich die gesundheitliche Luxusversorgung im Alter überhaupt leisten können. Generell stellt sich die Frage: Reicht meine Rente, um die Beiträge zu bezahlen?

114.700 PKV-Versicherte, so der Verband der Privaten Krankenversicherung, hatten 2014 Schwierigkeiten, für ihre Prämien aufzukommen – sie mussten in den sogenannten Notlagentarif. Viele würden nur zu gerne in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) zurückkehren. Aber das ist nicht so einfach.

Steigende Prämien

Stephan Nuding, Krankenkassen-Fachberater der Bayerischen Verbraucherzentrale, kennt die Sorgen. Solange die PKV-Versicherten noch im Berufsleben stehen, können sie die steigenden Prämien bezahlen. Im Rentenalter ist das anders. "Wer monatlich weniger als 2500 Euro Bruttoeinkünfte erwartet, sollte sich Gedanken machen."

Im Schnitt stiegen die Prämien der PKV zwischen 2000 und 2010 pro Jahr um 5,2 Prozent, so das Ergebnis einer Anfrage von "Die Linke" an die Regierung (Nr. 17/9330). PKV-Pressesprecher Dominik Heck versucht zu relativieren: "2014 hat es für Millionen Privatver­sicherte gar keine Erhöhung gegeben, allenfalls geringe Anpassungen."

Wer aber in einem geschlossenen Tarif landet, muss mit weit mehr rechnen. Denn in diesem Fall werden keine jüngeren – potenziell gesünderen – Beitragszahler mehr aufgenommen. Die Prämien steigen schneller. "15 Prozent sind dann noch harmlose Steigerungen", warnt Nuding. Die Aufnahme in die GKV könne die Rettung sein.

Seit 2013 ist die Rückkehr leichter geworden. Wer – wenn auch nur für kurze Zeit – pflichtversichert wird, darf danach auch in der GKV als freiwillig Versicherter bleiben. Allerdings gilt es rechtzeitig zu handeln: Die Rückkehr sollte man noch vor dem 55. Lebensjahr angehen, danach ist sie nahezu ausgeschlossen.

Zurück in die gesetzliche Kasse: So klappt's

Angestellte bis 55 Jahre

In die GKV können Sie zurückkehren, wenn Ihr jährliches Bruttoeinkommen (inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld) unter die sogenannte Jahres­­entgeltgrenze fällt. Derzeit liegt sie bei 56.250 Euro, für Versicherte, die am 31. Dezember 2002 bereits privatversichert waren, bei 50.850 Euro. Krankenkassen-Experte Stephan ­Nuding empfiehlt, mit dem Arbeitgeber "eine Teilzeitbeschäftigung für ein Jahr festzulegen", damit der Versicherte die Einkommensgrenze unterschreitet.

Ist der Ehe- oder Lebenspartner allerdings gesetzlich versichert, kommt ein unbezahlter Urlaub oder ein Sabbatical infrage. Der Ange­stellte kann in dieser Zeit in die Familienversicherung aufgenommen werden. Endet die Auszeit, bleibt er auch weiterhin freiwillig ­versichert. Der Grund: Im Jahr 2013 wurde den Versicherten das Recht auf eine obligatorische Anschluss­­versicherung zugesprochen (§ 188, Abs. 4, SGB V).

Auch die Arbeitslosigkeit bietet die Möglichkeit, in die GKV zurückzukehren. Wer bei einem Jobwechsel auch nur für mehrere Wochen arbeitslos wird, kann sich wieder gesetzlich versichern lassen – vorausgesetzt, er bezieht Arbeitslosengeld I.

Selbstständige bis 55 Jahre

Im Vergleich zu Angestellten haben sie es weit schwerer, wieder in die GKV aufgenommen zu werden. In der Regel muss die Selbstständigkeit aufgegeben und ein Angestelltenverhältnis unterhalb der Jahresentgeltgrenze angenommen werden, erklärt Nuding. Die Selbstständigkeit dürfe ­allenfalls ­nebenberuflich weitergeführt werden. Nuding: "Das bedeutet, das man in der Selbstständigkeit weniger verdienen darf als im Angestelltenverhältnis." Wer sein Geschäft ganz aufgibt und maximal einen 450-Euro-Job hat, kann wiederum in die Familienversicherung des Ehe- oder Lebenspartners eintreten, sofern dieser gesetzlich versichert ist.

Über 55-Jährige

Für Privatversicherte über 55 ist eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse nahezu ausgeschlossen. Hier scheinen nur zwei Wege realistisch. Wer in den vergangenen fünf Jahren zumindest einen Tag in der GKV versichert war, hat ein Recht darauf, wieder aufgenommen zu werden, wenn er arbeitslos wird oder unter die Jahresentgeltgrenze rutscht. Privatversicherten ohne eigenes Einkommen bietet sich der Weg in die Fami­­lienversicherung des Partners. Die Aufnahme müsse aber vor der Rente beantragt werden, da man sonst die Einkommensgrenze für Rentner zumeist überschreite, warnt Nuding.


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