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PTA: Traumjob in der Apotheke?

Katharina S. arbeitet seit zwei Jahren als pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) in einer Apotheke in Bad Steben. Hier erzählt sie, warum sie ihren Beruf mag - und dafür auch mal unangenehme Fragen stellt

von Julia Rudorf, 25.01.2019
Ohne eine umfassende Beratung geht keiner aus der Apotheke: PTA als Traumjob?

Intensive Gespräche: Zu den Aufgaben einer PTA gehört, die Kunden umfassend zu beraten


"Viele Leute wissen überhaupt nicht, was eine PTA ist. Pharmazeutisch- technische Assistentin, das erklärt sich ja auch nicht von selbst. Ich kann an der Stelle nur sagen: Es ist viel mehr, als nur den Schub auf und zu ziehen und Tabletten über den Tresen schieben.

Ich wusste schon in der Schule, dass ich gerne was mit Gesundheit machen würde, Bio und Chemie haben mich interessiert. Aber Leute piksen und Blut abnehmen, wie bei einer Arzthelferin, das ist nicht so meins. Dann habe ich ein Praktikum in einer Apotheke gemacht. Und dachte, das mit der Beratung, das ist eigentlich ganz cool. Ich wollte unbedingt mit Menschen zu tun haben. Ich kann reden wie ein Wasserfall, wenn’s sein muss.

Ausbildung in Hogwarts

Ich bin dann an die PTA-Schule nach Kulmbach gegangen, mit einer Freundin. Die Schule ist in einem alten Kloster untergebracht, manche sagen auch "Hogwarts" dazu, weil es aussieht wie die Zauberschule in den Harry-Potter-Filmen. Die Ausbildung hat zweieinhalb Jahre gedauert. Wichtige Fächer sind Chemie und Galenik – also wie man Medikamente zubereitet. Wir haben wirklich viel gelernt: von chemischen Formeln bis zu Kniffen im Labor.

Nach dem bestandenen Examen kam ich mir jedenfalls ziemlich schlau vor. Wenn man aber anfängt, in der Apotheke zu arbeiten, fällt einem auf, was man noch alles lernen muss. Denn man könnte zwar im Labor ein prima Zäpfchen gießen oder Wirkmechanismen aufmalen. Aber wenn Sie einen Hustensaft von mir wollen, dann wollen Sie nicht hören, wie er wirkt. Sie wollen nur wissen, dass Sie den richtigen bekommen.

Mein erstes Schulpraktikum, das ich in einer kleinen Apotheke auf dem Land machte, fiel genau in die Grippezeit. Da habe ich mich nach der Arbeit hingesetzt, manchmal zusammen mit dem Apotheker, und alles mitgeschrieben: Welches Präparat hilft bei trockenem Husten? Was ist rein pflanzlich? Was eignet sich für Kinder? So fuchst man sich rein.

Traumjob in der Apotheke

Frühstück in der Apotheke

Seit etwas über einem Jahr bin ich jetzt in einer Apotheke in Bad Steben, meinem Heimatort. Das ist eine alteingesessene Apotheke aus den 70ern. So eine, bei der man die Tür aufmacht, und es riecht richtig nach Apotheke. Darüber freuen sich viele unserer Kunden. Es geht bei uns sehr familiär zu. Bevor wir morgens aufmachen, frühstücken wir erst mal alle zusammen an einem Tisch. Klingt nach Klischee, aber es ist wirklich sehr harmonisch.

Ich muss mich manchmal dran erinnern, wie Erwachsene einem früher das Arbeitsleben ganz furchtbar ausgemalt haben – nach dem Motto: "Fang du erst mal an zu arbeiten, dann ist Schluss mit lustig!" Das kann ich bisher nicht bestätigen.

Bekannte Gesichter

Dass ich mal in Bad Steben arbeiten würde, darüber habe ich mir am Anfang schon so meine Gedanken gemacht. Es ist ein kleiner Ort, 3300 Menschen, dazu eine Kur- und zwei Rehakliniken. Ich kenne hier wirklich viele Menschen – vom Einkaufen, aus der Schule, der Kerwa, das ist der Kirchweihmarkt. Da hab ich mich schon gefragt: Wie ist das wohl, wenn man plötzlich den Opa einer Bekannten zum Durchfall berät? Oder jemand einen Schwangerschaftstest will?

Mittlerweile sehe ich das anders. Wenn ich in der Apotheke ein bekanntes Gesicht sehe und merke, der schaut die ganze Zeit verlegen auf sein Rezept und mag mich gar nicht anschauen – dann schicke ich eine Kollegin vor. Manche Leute würden sich vielleicht auch weniger Gedanken machen, wenn sie wüssten, dass wir PTAs der Schweigepflicht unterliegen – genauso wie ein Arzt oder Apotheker.

Traumjob in der Apotheke

Die meisten Kunden bei uns finden es jedenfalls eher gut, jemanden persönlich zu kennen. Das ist für uns ein großer Vorteil. Denn die Zeiten ändern sich, das kriegen wir direkt mit. Der Preiskampf ist da, keine Frage. Wir können ihn nur nicht mitmachen. Es wird immer jemanden geben, der noch günstiger ist. Unsere Stärken sind andere. Bei uns geht keiner ohne Beratung aus der Apotheke. Da legt die Chefin größten Wert drauf. Ich frage deshalb immer alles ab. Beim Husten etwa, ob jemand schon selbst was macht oder was er einnimmt, vom Blutverdünner bis zum Vitaminpräparat.

Nachfragen für die optimale Beratung

Für wen der Hustensaft sein soll, ist auch wichtig. Sonst verkauft man womöglich einem 40-jährigen Gesunden etwas, das eigentlich für die 90-jährige Oma mit Asthma ist. Da würde man natürlich zu etwas anderem raten. Nicht immer wissen es die Leute zu schätzen, wenn man es so genau nimmt. Wenn ich zum Beispiel bei der Hämorridencreme nachfrage "Ist die für Sie selbst?", erntet man erst mal einen genervten Blick. Dann sage ich meist: "Entschuldigung, ich muss das fragen, damit ich Sie optimal beraten kann." Meist fällt das Gespräch danach wieder leichter.

Beratungsklau gibt es natürlich auch. Wenn Kunden sich lang und breit beraten lassen zu einem pflanzlichen Präparat, das man täglich nehmen sollte, und schließlich sagen: "Super, aber ich überlege es mir noch." Dann wissen wir schon, dass sie es vermutlich im Internet bestellen.

Der gute Draht zum Arzt

Dabei ist eine Stammapotheke einfach wichtig. Wir sind die Schnittstelle, an der viele Informationen zusammenlaufen. Wenn der Hausarzt nicht weiß, dass der Patient wegen Burnout auch noch ein Antidepressivum bekommt, sind wir diejenigen, die dort anrufen und besprechen, wie die Medikation aussehen sollte. Da hilft uns, dass wir auch die Ärzte vor Ort gut kennen und die mit sich reden lassen.

PTA im Job-Profil

  • Ausbildung: Voraussetzung ist ein Realschul- oder gleichwertiger Abschluss. Die Ausbildung zur PTA dauert 2,5 Jahre. Nach zwei Jahren schulischer Ausbildung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten privaten Lehranstalt schließt sich ein halbes Jahr praktische Ausbildung in einer Apotheke an. Noch muss in manchen Bundesländern ein Schulgeld gezahlt werden.
  • Arbeitsplatz: PTAs arbeiten nicht nur in Apotheken. Auch Krankenhäuser, Unternehmen der Pharmaindustrie, öffentliche Einrichtungen, Labore oder Lehranstalten stellen sie ein. Selbstständig arbeiten PTAs ebenfalls, etwa als Berater.
  • Verdienst: Nach neuem Tarifvertrag verdienen PTAs in der Apotheke im ersten Ausbildungsjahr 708 € pro Monat, im ersten Berufsjahr sind es 2078 €. Nach 15 Jahren können sie in der Apotheke 2691 € verdienen. Die Löhne in der Industrie variieren, liegen aber oft darüber.
  • Arbeitsmarkt: Die Aussichten für PTAs gelten als gut. Die Zahl der offenen Stellen liegt seit Jahren deutlich über den Stellengesuchen.

Als ich mal einen Arzt darauf aufmerksam machte, dass sich die Tabletten einer Patientin nicht mit dem zusätzlich verschriebenen Medikament vertragen, sagte er: "Eins zu null für Sie! Und, was könnte man stattdessen aufschreiben?"

Viel Abwechslung

Der Job als PTA ist super abwechslungsreich. Im Kittel am Tresen stehen, das ist nur der Teil, den die Kunden sehen. Manche denken ja, ich sei Apothekerin. Ich sage dann immer, das ist das Schöne an meinem Beruf: Man wird automatisch befördert! Viel Zeit verbringe ich auch im Labor. Salben, Augentropfen, Zubereitungen, die es nicht als fertiges Medikament gibt, das stellen wir dort her.

Dazu müssen wir immer eine sogenannte Plausibilitätsprüfung machen, also feststellen, ob sich die Bestandteile miteinander vertragen. Ich muss einen Herstellungsnachweis schreiben, in dem ich genau aufliste: Wie viel habe ich abgewogen, wie lange habe ich das in der Maschine bei wie vielen Umdrehungen pro Minute gerührt? Das alles sehen die Kunden nicht. Wenn ich dann mal kurz mit den Handschuhen und dem Mundschutz aus dem Labor komme, bin ich schon mal gefragt worden, ob ich gerade in Tschernobyl war.

Was man auch nicht gleich merkt, ist, wie viel Verantwortung man als PTA trägt. Zum Beispiel, wenn man Medikamente in Wochenrationen einzeln verpackt, verblistern nennt sich das. Manche Patienten bekommen ganz schön viele Medikamente. Dass da mal eine falsche Tablette dabei ist oder eine zu viel, das ist zwar noch nie vorgekommen. Ich mag aber auch gar nicht drüber nachdenken, dass es irgendwann passieren könnte. Da gibt es einen Satz, den hat einer unserer Lehrer an der Schule immer gesagt: Ein Apotheker ist nur so gut wie seine PTA. Und da ist sicher was Wahres dran."