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Homeoffice: Wie man das Beste daraus macht

Es gibt nicht nur Vorteile, wenn man von zu Hause aus arbeitet. Manche arbeiten dann mehr als erlaubt oder haben einen ungenügend ausgestatteten Arbeitsplatz. Wie man mögliche Risiken minimiert

von Birte Schmidt, 12.02.2020
Homeoffice Arbeiten Bequem Zuhause

Auf Dauer besser als mit dem Laptop auf dem Bett lümmeln: Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz


Frei einteilbare Arbeitszeiten, keine Fahrtwege und die Chance, ganz ungestört zu arbeiten: Viele Berufstätige wünschen sich, ihren Job zumindest zeitweise ins heimische Büro zu verlegen. Und tatsächlich genießen Menschen nicht nur das Mehr an Autonomie im Homeoffice. Sie sind auch konzentrierter und können ein größeres Pensum bewältigen, ergab unlängst der Fehlzeiten-Report der Krankenkasse AOK unter 2000 Beschäftigten. Zudem waren die Befragten nach eigenen Angaben mit ihrem Beruf deutlich zufriedener.  

Wenn es nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geht, hätte bald jeder einen gesetzlichen Anspruch auf die mobile Arbeit – vorausgesetzt natürlich, man hat einen Job, den man theoretisch auch von zu Hause erledigen kann. Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sind das immerhin 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland.

Homeoffice ist in Deutschland noch die Ausnahme

Aber während in anderen EU-Staaten – allen voran in den Niederlanden und Schweden – bereits jeder dritte Angestellte von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, sind es in Deutschland gerade einmal zwölf Prozent. Der Grund für den geringen Anteil liegt meist bei den Arbeitgebern, die darüber entscheiden, wo ihre Angestellten tätig sind – häufig ganz unabhängig davon, ob deren Anwesenheit im Büro für die Erfüllung der Aufgaben erforderlich ist oder nicht.

Käme Heil mit seinem Gesetz durch, müssten sie es künftig begründen, wenn sie den Wunsch nach Homeoffice ablehnen.Neben den Vorteilen bringt die Arbeit zu Hause aber vor allem Verantwortung für die Beschäftigten mit sich. Und während Menschen im Homeoffice einerseits meist zufriedener sind, fühlen sie sich laut dem eingangs genannten Report gleichzeitig auch stärker belastet, leiden unter Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen. Experten führen diesen Widerspruch unter anderem auf die Selbstdisziplin des Einzelnen zurück, die für die Arbeit in den eigenen vier Wänden unbedingt erforderlich ist. Wie also sollte man die Arbeit im Homeoffice gestalten, um langfristig froh, motiviert und gesund zu bleiben?

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Die Arbeit selbst strukturieren: Pausen sind wichtig

"Homeoffice kann etwas sehr Positives sein, gerade weil sich Arbeit und Freizeit gut miteinander verbinden lassen", sagt Tim Vahle-Hinz, Professor für Organisations-, Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin. "Aber es bedeutet auch, dass die Beschäftigten selbst dafür verantwortlich sind, ob und wann sie Pausen machen und dass sie den Laptop nach Feierabend wirklich schließen, damit Erholungsphasen gesichert sind."

So belegt unter anderem eine Studie der Universität Basel, dass Beschäftigte nicht, wie von manchen Arbeitgebern befürchtet, im Homeoffice weniger, sondern sogar mehr arbeiten. "Sie wollen beweisen, dass sie zuhause nicht faulenzen", erklärt Vahle-Hinz.

Klare Absprachen helfen

Der Experte empfiehlt deshalb klare Absprachen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern darüber, wozu das Homeoffice genutzt wird, wie die Arbeit gestaltet wird und was der Arbeitgeber erwartet. Darüber hinaus würden auch kleine Dinge dabei helfen, Arbeit und Freizeit besser voneinander zu trennen: "Das kann zum Beispiel bedeuten, dass ich mich so kleide, wie ich es auch im Büro tun würde", sagt Tim Vahle-Hinz.

Der ideale Platz: Auch zu Hause gilt die Arbeitsstättenverordnung

Sich mit dem Laptop in Jogginghose aufs Sofa lümmeln. Klingt gemütlich? Aber nur solange, bis sich die ersten Wehwehchen einstellen. Und das geht schnell, wenn man acht Stunden in gekrümmter Haltung verbringt.

Tatsächlich muss der Arbeitgeber laut Arbeitsstättenverordnung dafür sorgen, dass seine Angestellten auch zu Hause an einem gesunden und sicheren Arbeitsplatz sitzen. Experten empfehlen außerdem, sich daheim einen eigenen Raum einzurichten, in dem man ungestört arbeiten und die Tür sowohl während der Arbeit als auch danach schließen kann.

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Die Regeln: Im Homeoffice gilt das Arbeitsrecht

Flexibilität ist einer der Hauptgründe der Arbeitnehmer für ihren Wunsch nach Homeoffice. Laut dem Fehlzeiten-Report verlegt jeder Dritte seine Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende. Dabei gilt das Arbeitsschutzgesetz wie die meisten anderen arbeitsrechtlichen Regelungen auch für die Arbeit im Privatbereich.

"Auch im Homeoffice müssen die Höchstarbeitsgrenzen von durchschnittlich acht Stunden pro Werktag sowie Pausen bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden gewährleistet sein, soweit keine gesetzliche Ausnahme besteht", sagt Michael Loewer, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin. Und das bedeutet auch: Nach Feierabend muss der Arbeitgeber eine Ruhezeit von elf Stunden ermöglichen. Abends spät noch E-Mails zu beantworten und morgens um 7 Uhr schon wieder am Schreibtisch zu sitzen ist damit aus rechtlicher Sicht ebenso wenig erlaubt wie Sonntagsarbeit.